Richtig voll war es am Sonntag, 30. August 2026, auf dem Kerbschen Berg (Dingelstadt), und erst recht in der Klosterkirche St. Baptista und Gefährten. Und das aus allerbestem Grund. Nach gut 19monatigem Umbau- und Sanierungsarbeiten der alten Klosterkirche wurde sie durch Bischof Ulrich Neymeyr wieder eingeweiht.
Die dringend notwendig gewordenen Sanierungsarbeiten und die Nutzung der Kirche durch das danebenstehende Familienzentrum gaben den Anstoß, die Kirche nicht nur zu sanieren, sondern als Familienkirche umzubauen. Viele Überlegungen, auch von Familien, flossen in die Planungen mit ein. Das Künstlerehepaar Susann und Bernhard Lutzenberger (Lutzenberger+Lutzenberger, Bad Wörishofen) konnte für die Konzeptionierung der Klosterkirche als Familienkirche gewonnen werden. Inspiriert von der Anna Selbdritt Darstellung (16. Jh.), die wie auch andere kostbare Figurenschätze in der umgebauten Kirche wieder einen Platz gefunden hat, soll auch auf diese Weise eine Familienkirche sichtbar gemacht werden, in der alle Generationen willkommen und eingeladen sind. Genau dies zeigte sich sowohl beim feierlichen Gottesdienst als auch dem sich anschließenden Sommerfest im Klostergarten: vom Säugling bis zum Hochbetagten feierten alle fröhlich mit.
Staunendes und auch überraschtes Betrachten der neugestalteten Kirche, neugieriges Umhergehen und Entdecken der vielen Details und viel Lob für den gelungenen Umbau gab es an diesem Tag.
„Man kann in diesem neu gestalteten sakralen Raum spüren, dass er für Begegnung geschaffen ist.“
(aus dem Grußwort von Monsignore Austen zur Altarweihe)
Mit der Familienkirche entstand zugleich eine Kirche, die auch außergottesdienstlich genutzt werden kann, als Raum der Begegnung zu verschiedenen Anlässen. Die Künstler selbst beschreiben den neugeschaffenen Ort als einen berührenden Ort für die Sinne, ein sakraler Raum, offen für Alle. Die Gestaltung der Kirche nimmt bewusst den franziskanischen Gedanken des Lobpreises der Schöpfung auf. Gleich am Eingang der Kirche befindet sich der Taufstein, ein jahrtausendealter Steinfindling.
Der gefüllte Krug wurde für die Einweihung des Taufsteins benötigt.


Cornelia Schimek, Bischöfliches Bauamt, Regionalbeauftragte im Eichsfeld (li), übergab den symbolischen Kirchenschlüssel an Bischof Neymeyr und das Familienzentrum Kerbscher Berg (Melanie Schnur, links vom Bischof, und Pia Schröter, Leiterin des Familienzentrums)
Bischof Neymeyr während seiner Predigt
Vor dem Ambo, der wie der Altar aus dem Stamm einer Pappel gemacht ist, steht ein kleines Gefäß, in dem sich die Reliquien des Hl. Petrus Baptista und Gefährten und des Heiligen Franziskus befinden. Diese wurden im weiteren Verlauf des Gottesdienstes in die kleine Öffnung verbracht, die mit einer Glasscheibe verschlossen wurde.
“In den Altar werden Reliquien von Heiligen eingelassen, die uns durch ihr Vorbild und ihre Fürsprache zu einem christlichen Leben bestärken. Die Heiligen sind uns so als Vorbild und Fürsprecher nahe – mehr noch: Der Altar hat seine Fortsetzung in der himmlischen Hochzeitstafel, an der die vielen sitzen, die schon zur Vollendung gelangt sind. Der Altar verbindet die irdische Kirche mit der himmlischen.”
(aus der Predigt von Bischof Neymeyr)
Nach Einbringung durch Bischof Neymeyr und Verglasung der Reliquien durch den Künstler Bernhard Lutzenberger wurde der bewegliche Teil des Altars (re) an den feststehenden Teil geschoben. Beide bilden eine Acht, das Zeichen für Unendlichkeit.
Salbung des Altars
“Nach der Salbung des Altars mit Chrisam werden wir an den vier Ecken und in der Mitte des Altars fünf Wachsdochte zusammen mit Weihrauch entzünden. Wenn die Flammen auflodern und der Weihrauch aufsteigt, dann hat man spontan den Eindruck: Der Altar brennt. Hier wird augenscheinlich, wie sehr Jesus Christus für uns brennt in seiner Liebe zu uns, in seiner Hingabe, in seinem Dasein für uns. Er will auch uns entzünden. Denn er ist gekommen, Feuer auf die Erde zu bringen. Und was will er anderes, als dass es brennt, dass wir davon entzündet werden und brennen für ihn und für seine Botschaft.”
(aus der Predigt von Bischof Neymeyr)
Der nun auch eingeweihte Tabernakel
“Bei der Feier der Hl. Messe ist Jesus Christus vor allem gegenwärtig unter den eucharistischen Gestalten. In der geweihten Hostie bleibt Jesus Christus auch gegenwärtig, wenn die Hl. Messe zu Ende ist. Das Ewige Licht am Tabernakel ist ein sinnenvolles Zeichen dafür, dass Jesus Christus im Sakrament der Eucharistie gegenwärtig ist und bleibt. Auch wenn niemand in der Kirche ist, Christus ist da.”
(aus der Predigt von Bischof Neymeyr)
Bevor der Bischof den Schlusssegen spendete, gab es noch viel Dank. Denn möglich wurde diese gravierende Umgestaltung der Kirche durch großzügige finanzielle Unterstützung des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken e.V. (Paderborn), der Bischof Konrad Martin Stiftung (Paderborn), der Vereinigten Kirchen- und Klosterkammer (Erfurt), der Stadt Dingelstädt / Mitleistungsanteil Städtebau, dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft / Städtebaumittel und LEADER, RAG Landkreis Eichsfeld /Freistaat Thüringen, Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum. Gedankt wurde allen, die in irgendeiner Art und Weise an der Neugestaltung der Kirche beteiligt waren, von den Künstlern Lutzenberger über die Geldgeber bis hin zu den Handwerksbetrieben, von denen die meisten aus der Region kommen. Nicht zu vergessen das gesamte Team des Familienzentrums Kloster Kerbscher Berg.
Verlesen wurde das Grußwort von Monsignore Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken.
"Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal aus der Enzyklika "Fratelli tutti" von Papst Franziskus zitieren, weil es so gut zu diesem feierlichen Anlass und auch in diese Zeit passt: "Die Kirche ist ein Haus mit offenen Türen, weil sie Mutter ist. Und wie Maria, die Mutter Jesu, wollen wir eine Kirche sein, die dient, die aufbricht, die aus ihren Kirchen herausgeht, die aus ihren Sakristeien herausgeht, um das Leben zu begleiten, die Hoffnung zu unterstützen und Zeichen der Einheit zu sein, um Brücken zu spannen, Mauern zu durchbrechen und Versöhnung auszusäen." "
(aus dem Grußwort von Monsignore Austen)
Die Klosterkirche auf dem Kerbschen Berg ist eine Begegnungsstätte geworden, in der jede/r willkommen ist und es unglaublich viel zu entdecken gibt. Zum Beispiel die Lebenslinie, die besondere Lebenswand, in die man seine zu Papier gebrachten Gedanken, Sorgen, Freude und Nöte zusammengerollt hineinstecken kann. Eine Erinnerung daran: du bist nicht allein.

Oder die, wo einst die Beichtstühle standen, großen und mit unterschiedlichen gelb-orange Tönen verglasten Türen, die dem Raum eine natürliche und warme Lichtgestaltung geben und das Innen und Außen des Raum miteinander verbinden.
Blick von der Terasse in die Kirche hinein. Die Stühle sind flexibel stellbar.
Mögen alle, die die Kirche besuchen, egal zu welchem Anlass, erfahren, was am Schluss des Gottesdienstes die Kerbschen-Berg-Zwerge sangen:
“Der Segen Gottes möge dich umarmen, egal, wohin dich deine Wege führn.
Die Liebe und sein göttliches Erbarmen sollst du bis in die Zehenspitzen spürn.
Der Segen Gottes möge dich umarmen.”
Fotos: Juliane Körber
