Um einen besonderen Stein reicher

Familienkirche Kloster Kerbscher Berg bekommt neuen Taufstein

Foto: Familienzentrum Kloster Kerbscher Berg

Zur Osterfreude kam am Dienstag in der Osterwoche (7. April 2026) auf dem Kerbschen Berg (Dingelstädt) noch eine große Freude hinzu. Und zwar über den neuen Taufstein. Dieser ist mit seinen 2,2 Tonnen ein richtiges Schwergewicht. Lange, d.h. Jahrtausende, lag der Stein von Moos bedeckt zwischen Sträuchern und Laub in Süddeutschland. Ein Findling, geschliffen von Wind und Wetter. Nun wird er, gestaltet als Taufstein, künftig im Eingangsbereich der Klosterkirche auf dem Kerbschen Berg stehen, die derzeit zu einer offenen Familienkirche mit Begegnungsraum umgestaltet wird.

Warum ein Findling?
Die Entscheidung ist bewusst gefällt worden. Der Taufstein soll kein industriell gebrochener Stein, kein standardisiertes liturgisches Objekt  sein, sondern ein Stück gewachsene Natur. Der Stein bringt seine eigene Geschichte mit – Spuren von Zeit, Witterung und Erdgeschichte sind auf seiner Oberfläche sichtbar geblieben. Gerade diese Unverfügbarkeit, das Ungeplante und Gewordene, das Geschenkte zeichnet ihn aus.

Begleitet wurde der gesamte Prozess von dem Künstlerehepaar Susanna und Bernhard Lutzenberger, das die Neugestaltung der Kirche konzeptionell entwickelte. Von der Auswahl des Steins über seine Bearbeitung im Steinmetzbetrieb bis hin zur späteren Platzierung im Raum steht der Taufstein im Zusammenhang eines künstlerischen Gesamtkonzeptes. 
Die Umgestaltung der Kirche versteht sich nicht nur als bauliche Veränderung, sondern als Öffnung hin zu einem Ort der Begegnung für Familien, Gemeindemitglieder und Besuchende.

In der Geisledener Steinmetz-Werkstatt Hildebrandt wurde der Findling behutsam angeschnitten. Wie ein Edelstein, dessen Inneres sichtbar gemacht wird, öffnet sich nun eine glatte, helle Fläche im Kontrast zur rauen, naturbelassenen Außenhaut. Im Inneren entstand eine sanfte Höhlung für das Wasser. So bleibt der Stein in seiner Ursprünglichkeit erkennbar und wird zugleich zum gestalteten liturgischen Zeichen.

Unter dem Leitgedanken „Tauferinnerung – Empfang“ erhält der Taufstein seinen Platz bewusst im Eingangsbereich der Kirche. Die Taufe gilt als Einführungsritual in die christliche Gemeinschaft. Sie steht am Anfang des Glaubensweges. Das Wasser, Quelle allen Lebens, begrüßt künftig unmittelbar am Eingang jeden Besucher. Wer die Kirche betritt, begegnet zuerst diesem Zeichen. Der Ort des Empfangs wird damit zum Ort der Erinnerung: an die eigene Taufe, an die Zugehörigkeit, an das Angenommensein.

Zugleich trägt der Stein einen franziskanischen Gedanken in sich. Die Achtung vor der Schöpfung und die Wertschätzung des Einfachen spiegeln sich in der Materialwahl 
wider. Der Findling bleibt als Naturmaterial sichtbar. Seine Unregelmäßigkeit wird nicht geglättet, seine Geschichte nicht überdeckt. Statt prunkvoller Inszenierung spricht hier die schlichte Kraft des Gewachsenen. Die Schöpfung selbst wird Teil des liturgischen Geschehens.


 Er ist da - hat aber noch einen kleinen Weg vor sich,


für den es schweres Gerät und starke Arme braucht




Einfach abstellen geht nicht. Hier ist Präzision gefragt.

    





Fotos: Familienzentrum Kloster Kerbscher Berg

Text: CS/AW