Bischof Wanke
1941 – 2026
Am 12.03.2026 hat Gott, der Herr und Vater allen Lebens, Bischof em. Joachim Wanke zu sich gerufen.
Kurz vor Weihnachten hatte er einen Zusammenbruch, von dem er sich nicht wieder erholt hat. Sein Herz war „austherapiert“, wie er selbst gesagt hat. Nun hat es aufgehört zu schlagen, und er ist auf der Palliativstation des Katholischen Krankenhauses in Erfurt verstorben.
Sein Herz hat für unseren Herrn Jesus Christus geschlagen, dessen Priester er am 26. Juni 1966 geworden ist. Er konnte sein Goldenes Priesterjubiläum feiern. Am 4. Mai wäre er 85 Jahre alt geworden. Für diesen Anlass ist eine Festschrift mit seinen Wallfahrtspredigten im Druck, die nun eine Gedenkschrift wird.
32 Jahre lang hat sein Herz auch für das Bischöfliche Amt und das Bistum Erfurt geschlagen, nicht nur für die Katholiken, sondern für alle Christen und für alle Menschen im Thüringer Land. Gerade in der Zeit der Bedrängnis war er mit seiner klaren Haltung für viele ein wichtiger Anker. Wir können ihm nicht genügend dankbar sein für sein Glaubens- und Lebenszeugnis und für seine Sorge und Liebe. Möge der allmächtige Gott ihm all dies überreich vergelten!
Bischof Ulrich Neymeyr
"Was mich als Bischof bedrängt, ist die Vorstellung:
Ein Thüringer würde nach seinem Tode vor Gott stehen und erstaunt zu ihm sagen:
„Ich habe noch nie etwas von dir gehört!“ Dann hätten wir als Kirche versagt."
Bischof Joachim Wanke
Rückblick zum Requiem
mit anschließender Beissetzung am 21. März 2026
Requiem
Informationen dazu, wie Sie vom Altbischof Abschied nehmen können, finden Sie hier.
Kondolenzbuch
Sie sind eingeladen Ihre Anteilnahme oder Erinnerungen zu teilen.
Joachim Wanke – ein Leben für Glauben, Dialog und Begegnung
VON BRESLAU NACH ILMENAU – WURZELN UND WEG ZUM PRIESTER
Joachim Wanke wurde am 4. Mai 1941 in Breslau (damals Deutschland, heute Wrocław in Polen) geboren. Nach dem frühen Verlust seines Vaters 1944 kam seine Familie infolge der Vertreibung nach Ilmenau in Thüringen. Dort legte er 1960 sein Abitur ab und entschied sich für den priesterlichen Weg. Er studierte Theologie am Priesterseminar in Erfurt, wo er am 26. Juni 1966 zum Priester geweiht wurde. Nach seiner Promotion wirkte er als Dozent für Neutestamentliche Exegese am Philosophisch-Theologischen Studium Erfurt und verwaltete ab 1978 den Lehrstuhl.
VOM WEIHBISCHOF ZUM ERSTEN DIÖZESANBISCHOF VON ERFURT
1980 ernannte Papst Johannes Paul II. Wanke zum Weihbischof. Noch im gleichen Jahr wurde er vom damaligen Bischof von Berlin, Joachim Meisner, am 26. November geweiht. Nach dem Tod seines Vorgängers Hugo Aufderbeck übernahm er 1981 als Apostolischer Administrator die Leitung des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen. Mit der deutschen Wiedervereinigung wurde 1994 das Bistum Erfurt neu gegründet und Wanke wurde dessen erster Diözesanbischof. Diesen Dienst erfüllte er bis zu seinem Ruhestand 2012, als Papst Benedikt XVI. seinem alters- und gesundheitsbedingten Rücktrittsgesuch zustimmte.
Dieses Land ist meine Heimat,
nicht mein Los
“Thüringen empfinde ich durchaus als meine Heimat, obgleich ich selbst nicht in Thüringen, sondern 1941 in Breslau geboren wurde. Von Geburt bin ich also Schlesier, aber dem Gefühl und der konkreten Erfahrung nach Thüringer. Meine Mutter fand in den Wirren der Vertreibung mit uns Kindern 1945 eine erste Zuflucht bei ihrem Schwager in Ilmenau. Der Vater war schon 1944 verstorben. Hier in Ilmenau verbrachte ich die Jahre meiner Kindheit und Jugend bis zum Abitur in der dortigen Oberschule. Es waren Jahre des Mangels und der Entbehrung, die ich als Kind freilich weniger wahrgenommen habe als meine Mutter und die beiden älteren Geschwister. Thüringen, seine Berge und Täler, die Menschen und ihre Schicksale sind mir, dem Nicht-Einheimischen, hier emotional nahegekommen. Noch heute empfinde ich Ilmenau und seine Umgebung als Heimat, nicht zuletzt auch wegen der Pfarrgemeinde, in der ich viele Freunde gewann, aber auch wegen der Klassengemeinschaft, die sich heute noch trifft — trotz der unterschiedlichen Wege, die die Einzelnen gegangen sind.”
Bischof Wanke
Herausragende Begebenheiten
“Die Bistumsgründung 1994, die Errichtung der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Erfurt 2003, der Neubau des Katholischen Krankenhauses Erfurt 2003, die Feier der Elisabethjubiläen 1981 und 2007, das Geschenk des Papstbesuches 2011…Vielleicht bleibt vielen noch eher aus unserer jüngeren Thüringer Kirchengeschichte die zweimalige Rettung der Gloriosa-Glocke des Erfurter Domes im Gedächtnis!”
Bischof Wanke
DAS EVANGELIUM JESU CHRISTI AUF DEN LEUCHTER
"Meine Vision für Thüringen ist eine Ortskirche, die bei ihrer Grundaufgabe bleibt: Das Evangelium Jesu Christi auf den Leuchter zu stellen, damit möglichst viele Menschen mit dem „Licht von oben“, mit der guten Botschaft des Evangeliums in Berührung kommen können."
Bischof Wanke
Kluge Pastoral
“Unsere Gemeindepastoral wird mehr und mehr nicht mehr wirklich „flächendeckend“ sein können. Wir werden punktuell arbeiten müssen: Wie Jesus in Jericho! Er ließ die Menge stehen und ging zu Zachäus. Dort aber war er ganz „anwesend“. Schon heute merken wir: An wenigen Stellen ganz und gesammelt da sein, ist besser, als an vielen Stellen gehetzt und seelenlos. Kluge Pastoral setzt Zeichen und vertraut darauf, dass Gott in den Herzen der Menschen am Werk ist. Wir brauchen geistlichen (!) Mut zur Gelassenheit in der Seelsorge.”
Bischof Wanke
Kein Verein für „denkmalgeschützte“ Bräuche und Riten
“Kirche muss Kirche bleiben. Sie darf nicht Interessenverein der religiös Veranlagten werden, ... nicht Verein für „denkmalgeschützte“ Bräuche und Riten. ... Kirche muss als Kirche erkennbar bleiben, am Evangelium Jesu Christi orientiert, ihrer Tradition verpflichtet, also ggf. auch einmal „sperrig“ Zeittrends und gesellschaftlichen Erwartungen gegenüber. Und wir dürfen unserem Auftrag nicht untreu werden, Kirche hier für die Menschen in diesem Land zu sein.”
Bischof Wanke
„Gaudium et spes“ hat mir geholfen
“Für mich ist unter den Konzilsdokumenten die Pastoralkonstitution „Kirche in der Welt von heute“ (Gaudium et spes) wichtig geworden… Dieses Dokument hat mir geholfen, mit anderen zusammen die Mentalität der kirchlichen „Einigelung“, der „Überwinterung“ im Warten auf bessere Zeiten aufzubrechen.”
Bischof Wanke
Was Mission heißt
„Mission“ heißt für mich schlicht: Das weitersagen, was für mich selbst geistlicher Lebensreichtum geworden ist. Und „Evangelisieren“ meint: Dies auf die Quelle zurückführen, die diesen Reichtum immer neu speist: auf das Evangelium, letztlich auf Jesus Christus selbst und meine Lebensgemeinschaft mit ihm."
Bischof Wanke
GOTT BLEIBT AUCH MORGEN DER HERR DER GESCHICHTE
“Die Geschichte ist immer für Überraschungen offen — oder besser: Gott selbst hält die Geschichte offen. Das durfte unsere Generation erfahren. Und der nachwachsenden Generation sei gesagt: Gott bleibt auch morgen der Herr der Geschichte — und er wird auch weiter die Herzen, die Biografien der Menschen berühren und verwandeln.”
Bischof Wanke
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Die Zitate sind entnommen aus: Josef Pilvousek, Den Himmel offen halten! Beiträge zur Kirchengeschichte Mitteldeutschlands. Herausgegeben von Clemens Brodkorb, 289-298.
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Bischof Wanke
Kurzinformationen über Bischofs Wankes Leben, seinen Lebenslauf, Informationen zu seinem Wappen und Wahlspruch.
Bischofsworte
Die Predigten von Bischof Wanke inspirierten viele und hatten für zahlreiche Menschen eine besondere Bedeutung. Einige seiner mutmachenden Predigten sind auf der Webseite zum Nachlesen verfügbar.
Über sein 40. Bischofsjubiläum
Am 26.11.2020 feierte er sein vierzigjähriges Bischofsjubliäum. Im Podcast (vom 23.11.20) des Bistums sprach er über sein Amt und gab Einblicke in Kirchen- und Zeitgeschichte.