Nicht alles läuft immer so, wie man es sich am Anfang vorgestellt hat; manchmal hat die Natur einfach ihren eigenen Plan. Genau das ist auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt passiert. Mitten in der leeren Kirche hatte sich kurz vor Beginn der Bauarbeiten ein Rotkehlchen ein Nest gebaut, in aller Ruhe, so als würde da gerade kein Umbau stattfinden. Die Handwerker mussten die Räumarbeiten deswegen um vier Wochen verschieben, ein kleiner Vogel gegen den ganzen Bauplan, und der Vogel hat gewonnen. Wer in Dingelstädt aufgewachsen ist, kennt diese Geschichte längst, jetzt bekommt sie sogar einen festen Platz in der Kirche: zwei kleine Bronzevögel werden bald auf den Kapitellen sitzen, als kleine Erinnerung daran, wer hier eigentlich zuerst da war.
Die alte Klosterkirche ist voll von alten geschichten und versteckten Details. Eines davon wartet direkt am alten Eingang, nur dass es diesmal nicht ums Verschwinden geht, sondern ums Wiederauftauchen. Dort wurde eigentlich nur die Tür ausgetauscht, aber weil dabei der dunkle Windfang davor verschwunden ist, kam etwas zum Vorschein, das die ganze Zeit über schon da war: ein Sonnensymbol über der Tür, jahrzehntelang einfach verdeckt vom dunklen Vorbau. Dadurch hat es niemand sehen können, jetzt strahlt es wieder in vollem Glanz. Direkt daneben soll bald noch ein Bronzerelief mit Antonius und Franziskus hängen, dazu der Sonnengesang des Franziskus in goldener Schrift. Antonius und Franziskus - zwei Heilige, die Cornelia Schimek, Baubeauftragte des Bistums Erfurt im Eichsfeld, für besonders nahbar hält. Wer sich anschaut, wie viel Freude und wie viel Natur überall in diesem Umbau mitschwingt, ahnt schnell, warum gerade diese beiden so gut hierher passen.
Solche Geschichten erfährt niemand, der nur schnell durch eine Kirche läuft. Dafür braucht es jemanden, der die Baustelle wirklich kennt, dann erzählt sich das fast von selbst, der Vogel, die Sonne, die kleinen Zufälle, die am Ende gar keine Zufälle mehr sind. Auch deshalb lohnt sich ein Besuch auf dem Kerbschen Berg. Wer sich die Zeit nimmt, findet an jeder Ecke noch eine Geschichte mehr.

Bild: Cornelia Schimek
Acht Einblicke in die Familienkirche
Acht Stationen, acht Details. Bis zur Altarweihe am 30. August zeigen diese Einblicke, was in der ehemaligen Klosterkirche auf dem Kerbschen Berg gerade entsteht, und warum in jeder Ecke mehr Gedanke steckt, als man beim ersten Blick sieht. Über eine halbe Million Euro fließt in den Umbau, ein großer Teil davon kommt vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, und wer mit Cornelia Schimek durch die Baustelle geht, merkt schnell, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt.
Mehr Informationen
zur Sanierung und Neuausrichtung der Klosterkirche Kerbscher Berg zur Familienkirche und Begegnungsraum gibt es unter
www.bistum-erfurt.de/themen/kirche-am-kerbschen-berg/