Der Mensch steht im Mittelpunkt

Claudia Dewor und Juliane Neitzke als Klinikseelsorgerinnen beauftragt

Claudia Dewor (links) und Juliane Neitzke, Foto: Martin Hoffmeier

Am vergangenen Samstag, 20. Juni, war der Erfurter Dom Sankt Marien Ort eines besonderen Gottesdienstes: Bischof Ulrich Neymeyr hat zwei Frauen offiziell mit dem Dienst der Klinikseelsorge beauftragt. Claudia Dewor und Juliane Neitzke haben in diesem Sendungsgottesdienst ihre Beauftragung empfangen, und wer die beiden kennt oder an diesem Tag dabei war, weiß: Das passt.

Claudia Dewor ist dabei alles andere als neu in diesem Feld. Seit 2010 ist sie am Helios Klinikum in Erfurt tätig, halbe Stelle, gemeinsam mit ihrer Kollegin Claudia Pittner. Der Weg dorthin war nicht geradlinig, es gab Umwege, Pausen, und einen langen inneren Suchprozess. Sie hat Theologie in Erfurt studiert, war zwischendurch Mutter, hat den Pastoralkurs begonnen und irgendwann unterbrechen müssen. Und irgendwann ist ihr klargeworden, dass die Gemeinde nicht ihr Ort ist. „Ich merkte, das Rampenlicht, die Gruppen leiten, vor Leuten stehen, das ist nicht das, was mir entspricht", sagt sie. Es ist das andere, das sie zieht: das Gespräch zwischen Tür und Angel, der Moment, in dem jemand plötzlich anfängt zu erzählen, was ihn wirklich bewegt. Seit über fünfzehn Jahren tut sie genau das, auf den Stationen des Helios Klinikums, an Betten, in Fluren, manchmal auch einfach nur schweigend dabei.

Was sie an dieser Arbeit trägt, beschreibt sie so: „Man trifft die Menschen an ganz zentralen, wichtigen Momenten im Leben. Da geht es nicht mehr um die Kleinigkeiten des Alltags, sondern um das Eingemachte." Das Vertrauen, das Menschen ihr in solchen Momenten schenken, empfindet sie nicht als Auftrag, sondern als Geschenk. Ihren Glauben bringt sie mit, aber sie stülpt ihn niemandem über. Wenn jemand nach ihrer Hoffnung fragt, antwortet sie. Wenn jemand einfach nur gehört werden will, ist sie da.

Juliane Neitzke steht am Anfang dieses Weges, aber mit einer Klarheit, die beeindruckt. Die 26-Jährige hat nach ihrem Theologiestudium in Erfurt zunächst ein Praktikum in der Klinikseelsorge gemacht und danach die einjährige Ausbildung zur Klinikseelsorgerin des Bistums absolviert. Jetzt ist sie am SRH Zentralklinikum in Suhl tätig. Was sie an dieser Arbeit fasziniert, hat sie in Worte gefasst, die man sich merkt: „In der Klinikseelsorge erlebe ich die ganze Weite menschlicher Erfahrung: berührende und hoffnungsvolle ebenso wie schmerzhafte und traurige Momente. Diese Vielfalt und Unmittelbarkeit des Lebens macht Klinikseelsorge für mich so besonders."

Beiden Frauen ist dabei eines grundlegend wichtig: Klinikseelsorge ist kein Angebot nur für Katholik:innen oder für Christ:innen überhaupt. Wer ins Krankenhaus kommt, kommt oft an einen Punkt, an dem die üblichen Alltagsthemen klein werden und Fragen auftauchen, für die im normalen Leben kein Raum ist. Juliane Neitzke formuliert es so: „Im Mittelpunkt steht für mich, Menschen in ihrer ganzen Persönlichkeit wahr- und anzunehmen, mit ihrer je eigenen Geschichte, ihren Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen." Konfession oder Religion spielen dabei keine Rolle. Im Klinikalltag arbeiten die Seelsorgerinnen ohnehin ökumenisch zusammen, teilen Stationen auf, ergänzen sich gegenseitig. Juliane Neitzke schätzt genau das: „Die Selbstverständlichkeit ökumenischer Zusammenarbeit zeichnet die Klinikseelsorge aus."

Zum Dienst gehören auch die Ehrenamtlichen, ohne die vieles schlicht nicht möglich wäre. Claudia Dewor begleitet diese Gruppe am Helios Klinikum und weiß, wie viel Einsatz und Herzblut dahintersteckt. Ehrenamt in der Klinikseelsorge bedeutet echte Begegnung mit Menschen in schwierigen Situationen, es ist kein Lückenbüßer für hauptamtliche Stellen, sondern eine eigenständige und wertvolle Aufgabe. Wer Interesse hat, sich auf diese Weise zu engagieren, kann sich direkt an die Seelsorgenden in den jeweiligen Kliniken wenden.
 

Klinikseelsorge im Bistum Erfurt

 

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Fotos: Juliane Körber