Bistumswallfahrt ganz anders

Wegen Corona können nur wenige am Gottesdienst teilnehmen, aber die Verbindung zu allen anderen wird gehalten – bis in den Libanon hinein

Erfurt (BiP). Corona verändert vieles. Auch die Bistumswallfahrt am Sonntag, 20. September, zum Erfurter Domberg. Dieses Jahr muss sich die Wallfahrt auf einen Gottesdienst im Mariendom beschränken. Das Motto „Die Verbindung halten“ ist dabei auch technisch zu verstehen. Das Kölner Domradio und der Fernsehsender EWTN übertragen den Gottesdienst ab 10 Uhr live in ihrem Programm. Und auch bei der Kollekte wird die Verbindung gehalten. Der Erlös kommt bedürftigen Menschen im Libanon zu Gute. Vor Corona und der verheerenden Explosion im Beiruter Hafen war eine Delegation des Bistums Erfurt ins Land gereist, um sich ein Bild von der damals schon dramatischen Lage der Bevölkerung zu machen und die kirchliche Entwicklungsarbeit kennen zu lernen. Das Bistum will die Verbindung halten und bittet um Spenden für das „Food Box Projekt“, das notleidende Familien im Libanon mit Nahrungsmitteln versorgt.

Auf den ersten Blick startet die Bistumswallfahrt wie jedes Jahr. Auf den Domstufen steht das riesige weiße Kreuz, die Gloriosa läutet (um 9.55 Uhr). Aber auf dem Domplatz werden keine Katholiken versammelt sein, und nur wenige Ministranten ziehen mit dem Bischof und weiteren Konzelebranten über die Domstufen in den Gottesdienst ein. Der findet auch nicht im Freien statt, sondern im Dom. Dort warten kleine Delegationen aus allen Pfarreien des Bistums Erfurt und mit dem notwenigen Sicherheitsabstand platziert auf den Beginn der Heiligen Messe. Statt eines großen Chores singen zwölf Kinder aus vier Kinderchören, musikalisch unterstützt von der Band des Bistumsjugendtages und Mitgliedern des evangelischen Regler-Posaunendienstes. Ekkehard Fellner spielt die Orgel.

Bischof Ulrich Neymeyr hatte schweren Herzens den katholischen Gemeinden geschrieben, dass die Bistumswallfahrt 2020 in der gewohnten Form abgesagt werden müsse. „Wir unterstützen die behördlichen Infektionsschutzmaßnahmen, die für die Bistumswallfahrt in der uns gewohnten Form einen kaum leistbaren Aufwand bedeuten würden: Der Platz müsste eingezäunt sein, die Teilnehmenden müssten sich rechtzeitig vorher anmelden und eine Teilnahmebestätigung zugeschickt bekommen, die kontrolliert werden müsste. Ich kann die Vorsicht der Behörden bei Großveranstaltungen angesichts der steigenden Infektionszahlen gut verstehen. Wir möchten keinesfalls dazu beitragen, dass am Ende aufgrund zu hoher Infektionszahlen der Regelbetrieb in den Schulen und Kindergärten nicht mehr möglich ist.“ So Bischof Neymeyr in seinem Brief.

Immerhin ist der Wallfahrtstag, der 20. September, in Thüringen der Tag des Kindes. Das schlägt sich auch im Gottesdienst nieder. Nach der Predigt werden die Stimmen von Kindern aus aller Welt im Dom eingespielt, die Fürbitten in ihrer Landessprache vortragen. Thüringer Kinder lesen dann die Übersetzung im Dom vor. Dort symbolisiert eine riesige Weltkugel, dass alle Menschen als Kinder dieser Welt miteinander verbunden sind, egal welche Hautfarbe, Religion oder Nationalität sie haben. Zu einem Land soll bei der Wallfahrt eine besondere Verbindung hergestellt werden: zum Libanon.

Gemeinsam mit Syrien zählte der Libanon zu den Schwerpunktländern der Misereor-Fastenaktion, die im März in Erfurt bundesweit eröffnet wurde. Als eine gemeinsame Delegation des Bistums Erfurt und von Misereor das Land bereiste, war die Not im Land schon unermesslich. Dabei war von der Corona-Pandemie noch keine Rede. Und erst recht ahnte niemand aus der Delegation, die mit Blick auf den Beiruter Hafen untergebracht war, dass dieser und weite Teile der Stadt nur wenige Monate später von gewaltigen Explosionen zerstört sein würden.

„Für die Versorgung des Libanons ist der Hafen unverzichtbar. Seine Verwüstung macht fassungslos“, berichtet Domkapitular Christoph Hübenthal, der mit im Libanon war. Aber es seien natürlich nicht Gebäude und Anlagen, die leiden würden, sondern Menschen – in der Umgebung des Hafens, in der Stadt und im ganzen Land. „Sie haben Tote zu beklagen, sind verwundet oder durch die Explosion obdachlos geworden. Ihre Not ist grenzenlos, viele hungern. Sie brauchen jetzt unsere Hilfe“, appelliert Hübenthal.

Mit dem Bischof bittet Domkapitular Hübenthal um Spenden für das „Food Box Project“ der gemeinnützigen nichtstaatlichen Organisation (NGO) „The Lebanese Food Bank“. Den Kontakt zum Hilfsprojekt hatte die Erfurter Professorin Birgit Schäbler hergestellt, die in Beirut das Orient-Institut der Max-Weber-Stiftung leitet. Während der Libanon-Reise war auch das Orient-Institut besucht worden. Das „Food Box Project“ verteilt Essenspakete, damit sich die hungernden Menschen zumindest über Wasser halten können. In jedem Paket finden sich neben Lebensmitteln wie Reis, Linsen, Salz und Öl auch Hygieneprodukte. Für Familien mit Kindern gibt es zusätzlich Milchpulver und Windeln. Ein Paket kostet 17 Euro.

Das Bistum Erfurt hat bereits Hilfen in Höhe von 20.000 Euro für den Libanon bereitgestellt. Die rund 100 Wallfahrer im Dom sind eingeladen, diese Summe zu steigern. Aber nicht nur sie! In seinem Brief an die Kirchengemeinden hat der Bischof Neymeyr dazu aufgerufen, bei der Wallfahrtsmesse über die Medien in Verbindung zu bleiben. So wird EWTN bei seiner Fernsehübertragung auch das Spendenkonto einblenden (Empfänger: Bistum Erfurt, IBAN: DE05 3706 0193 5040 1000 50, Pax-Bank eG, Verwendungszweck: Spende Libanon).

EWTN (Eternal Word Television Network) ist ein aus den USA stammender katholischer Fernsehsender, der sein Programm in deutscher Sprache über Satellit und im Internet (ewtn.de/empfang) verbreitet. Das Kölner Domradio überträgt den Gottesdienst in Bild und Ton in seinem Web-TV. Die Übertragung ist am Wallfahrtstag auch auf bistum-erfurt.de zu verfolgen.

Wer nach der Live-Übertragung mit dem Bistum Erfurt Kontakt aufnehmen will, kann das bis 14 Uhr unter Tel. 0361-6572-310 tun. Angehörige des Bischöflichen Ordinariates stehen dann als Gesprächspartner zur Verfügung.