Zum Tode des Berliner Erzbischofs Georg Kardinal Sterzinsky

Nachruf des Bistums Erfurt auf den Erzbischof von Berlin und früheren Erfurter Generalvikar Georg Kardinal Sterzinsky

Die Biographie des Erzbischofs ist repräsentativ für den Lebenslauf so manches ostdeutschen Priesters. Am 9. Februar 1936 in Warlack/Ostpreußen geboren, wohnte seine Familie nach Flucht und Vertreibung in Hauteroda/Thüringen. Die Erfahrung der Vertreibung war für ihn Grund zum engagierten Einsatz für die Vertriebenen und Migranten. Nach dem Theologiestudium in Erfurt und Neuzelle empfing er am 29. Juni 1960 in Erfurt die Priesterweihe. Von 1960 bis 1962 wirkte er als Kaplan in Eisenach. 1962 wurde er zum Präfekten und Assistenten am Regionalpriesterseminar Erfurt berufen, um dort zu promovieren. Nach zwei Jahren entschied er sich jedoch für die Pfarrseelsorge und wurde zunächst Vikar an der Heiligenstädter Propstei St. Marien. Der Erfurter Weihbischof  Hugo Aufderbeck betraute den nur 30-jährigen Priester 1966 mit der wichtigen Pfarrei St. Johannes Baptist in Jena, in der damaligen DDR eine der größten Pfarreien. Diese Pfarrei und ihr reges religiöses Leben haben Sterzinsky geprägt. Die Berufung zum Generalvikar des Apostolischen Administrators im Bischöflichen Amt Erfurt-Meinigen 1981 bedeutete für ihn aber keinen Rückzug aus der Seelsorge. Seine theologisch fundierte Sicht von Kirche, Ökumene und Gemeindearbeit hat er auch in diese größere Verantwortung eingebracht.

Schließlich kamen die Ernennung zum Bischof von Berlin am 24. Juni 1989, die Konsekration sowie Amtseinführung am 9. September. Noch im gleichen Jahr wurde er am 7. November zum Vorsitzenden der später aufgelösten Berliner Bischofskonferenz gewählt. Begonnen hatte Georg Sterzinsky seinen Bischofsdienst in einer geteilten Stadt, deren Lage sich durch die friedliche Revolution dramatisch änderte, denn die beiden politisch geteilten Bereiche des Bistums wurden wieder vereint. Wer einmal erfahren hat, was es bedeutet, Institutionen zusammenzuführen, Strukturen zu vereinfachen und sie trotzdem handlungsfähig zu erhalten, kann erahnen, welche Schwierigkeiten zu bewältigen waren und teils noch zu bewältigen sind.

In die Amtszeit des Erzbischofs fallen Ereignisse, die deutschlandweit und darüber hinaus bedeutsam waren. Erinnert sei an den Papstbesuch in Berlin 1996, den 1. Ökumenischen Kirchentag 2003, jüngst das "Pro-Reli"-Volks¬begehren, für das sich der Kardinal stark einsetzte. Mit Dank sei erwähnt das anhaltende Engagement des Erzbischofs als Vorsitzender der Familien-kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Unterkommission "Frauen in Kirche und Gesellschaft".

Die päpstliche Sentenz vom Bistum Berlin als schwierigstem Bistum der Weltkirche hatte für den Berliner Bischof Folgen. Als am 28. Juni 1991 Georg Sterzinsky zum Kardinal kreiert wurde, erscheint dies im Rückblick wie eine Ermutigung und Bestätigung seines schwierigen Dienstes. Die Erhebung des Bistums Berlin zum Erzbistum und die Ernennung zum Erzbischof am 27. Juni 1994 sind, historisch betrachtet, bereits Wegmarken eines neuen Zeitabschnittes.

Der Theologe Erich Przywara SJ († 1972), so wird berichtet, habe auf seinem langen und schmerzlichen Weg zum Sterben das Leitwort seines Lebens abgewandelt in "Deus semper minor" (Gott, der immer Kleinere). Gott ist nicht nur der immer Größere. Er macht sich um unseretwillen klein. Aber in seiner Kleinheit ist er uns näher als in seiner Größe, besonders auch im Leiden. Eben diese Nähe schafft Vertrauen, Gelassenheit, Gehorsam und Ergebung. So ist der Wahlspruch des Kardinals zu seinem Lebensinhalt bis in den Tod geworden.

Erfurt, den 30. Juni 2011

Für das Bistum Erfurt
Weihbischof Dr. Reinhard Hauke

 

Foto: Walter Wetzler, 2010

 

Den Nachruf des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, können Sie HIER lesen.

Predigt von Bischof Joachim Wanke beim Requiem für Georg Kardinal Sterzinsky am 9. Juli 2011 in in Berlin