"Wir nehmen die Entscheidung nicht einfach so hin"

BDKJ Erfurt: Gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen nicht länger verweigern

Der BDKJ Diözesanvorstand Erfurt ist empört über die kürzlich veröffentlichte Entscheidung der Vatikanischen Glaubenskongregation[1], die Segnung von  homosexuellen Partnerschaften abzulehnen.

Seit 2015 setzen wir uns dafür ein, Initiativen zur Einführung eines Segensritus für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften innerhalb der katholischen Kirche zu unterstützen. Wir warben in Gesprächen mit Bischof Ulrich Neymeyr dafür, organisierten dazu gemeinsam mit dem Katholischen Forum im Land Thüringen zwei Diskussionsveranstaltungen und brachten das Anliegen in den Katholikenrat im Bistum Erfurt ein.

Als Provokation empfinden wir den gewählten Zeitpunkt der Entscheidung der Glaubenskongregation. Mit dem Synodalen Weg berät gerade ein ergebnisoffenes Dialogforum kirchlicher Amtsträger*innen und Lai*innen sehr intensiv über wichtige Zukunftsfragen der katholischen Kirche in Deutschland. Dabei spielt u.a. auch die Möglichkeit und Gestaltung eines Segnungsritus für homosexuelle Lebenspartnerschaften eine Rolle. Bei den weiteren Versammlungen werden die beteiligten Bischöfe nun wohl eher „befangen“ sein.

Verwundert sind wir über die Art und Weise der Beantwortung der aufgeworfenen Frage mit einem bloßen „Nein“. In der sich anschließenden „erläuternden Note“ wird lediglich auf die bestehende lehramtliche Sexualmoral verwiesen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre und eine veränderte diesbezügliche Haltung vieler Gläubigen blieben dabei unberücksichtigt. Dabei stellte die Deutsche Bischofskonferenz nach einer Befragung von Kirchenmitgliedern im Vorfeld der Bischofssynode zum Thema Familie bereits 2015 fest: „Grundsätzlich erwarten die Gläubigen, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, in der Kirche ebenso wie in der Gesellschaft akzeptiert wird und in den Gemeinden ein Klima der Wertschätzung gegenüber jedem Menschen gefördert wird. Fast alle Antworten stimmen der in den Humanwissenschaften (Medizin, Psychologie) vertretenen Einsicht zu, dass die sexuelle Orientierung eine vom einzelnen nicht gewählte und unveränderliche Disposition ist.“[2] Ähnlich bewerten dies viele jungen Christ*innen angesichts ihres toleranten, weltoffenen, auf gleiche Teilhabe und Gerechtigkeit ausgerichteten Welt- und Gottesbildes.

Wir nehmen die Entscheidung der Glaubenskongregation deshalb nicht einfach so hin, sondern wollen bezüglich des Themas „Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften“ erneut auf die damit verbundenen pastoralen Notlagen in unserer Kirche aufmerksam machen und zu einem Überdenken der veröffentlichten Lehrmeinung auffordern.

Zum einen herrscht eine große Not unter jenen Gläubigen, die selbst in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben und sich einen Segen für ihre Beziehung wünschen. Sie fühlen sich bewusst ausgegrenzt sowie diskriminiert und leiden unter dieser pastoralen Härte.

Der zweite Aspekt lenkt den Blick auf die pastoralen Mitarbeiter*innen. Sie werden zunehmend von gleichgeschlechtlichen Paaren für Segensfeiern angefragt und geraten in solchen Situationen in Gewissensnöte. Einerseits wollen sie den Segen spenden, die kirchliche Lehre und damit verknüpfte arbeitsrechtliche Situation verbieten dies jedoch. Dass solche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare dann eher im Geheimen stattfinden, kann keine Lösung sein.

Schließlich betrifft diese Problematik die Gesamtheit der katholischen Kirche. Die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften befürworten viele Gläubige in Deutschland, besonders junge Katholik*innen. Angesichts der aktuellen Kirchenkrise, in der sie sich oftmals ohnehin schon schwerwiegenden Anfragen stellen müssen, fällt es gerade in der kirchlichen Diasporasituation Thüringens vielen immer schwerer, sich selbst zu positionieren und um so mehr, ihre Kirche und ihren Glauben zu verteidigen.


Der BDKJ Diözesanvorstand Erfurt

[1] Responsorium ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts, vom 21.02.2021, www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20210222_responsum-dubium-unioni_ge.html - in der Fassung vom 18.03.2021
[2] Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute, Antwort der Deutschen Bischofskonferenz  auf die Fragen im Hinblick auf die Rezeption und Vertiefung der Relatio Synodiim, Vorbereitungsdokument für die XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode 2015, vom 16.04.2015, www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2015/2015-Synode-Lineamenta2015-Antworten-deutsch.pdf - in der Fassung vom 18.03.2021

 

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