Wir spüren das Bedürfnis nach einem weisen, wohlwollenden Plan

Auszug aus der Predigt von Leo XIV. am Silvesterabend 2025

 

Schwestern und Brüder, in unserer Zeit spüren wir das Bedürfnis nach einem weisen, wohlwollenden und barmherzigen Plan. Nach einem Vorhaben, das frei ist und frei macht, das Friede verheißt und treu ist – so wie es die Jungfrau Maria in ihrem Magnifikat, ihrem Lobgesang, verkündet hat: „Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten“ (Lk 1, 50).

Andere Pläne jedoch beeinflussen heute wie gestern die Welt. Es sind leider Strategien, die darauf abzielen, Märkte, Gebiete und Einflussbereiche zu erobern. Bewaffnete Strategien, die sich in heuchlerische Reden verhüllen, ideologische Parolen und mit falschen religiösen Beweggründen.

Doch die Selige Mutter Gottes, die kleinste und zugleich die erhabenste unter den Geschöpfen, sieht die Dinge mit dem Blick Gottes: Sie sieht, dass der Höchste mit der Macht seines Armes die Pläne der Hochmütigen zerstreut, die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht, die Hungrigen mit Gütern erfüllt und die Reichen leer ausgehen lässt (vgl. Lk 1, 51-53).

Die Mutter Jesu ist die Frau, mit der Gott in der Fülle der Zeit das Wort geschrieben hat, das das Geheimnis offenbart. Er hat es ihr nicht aufgezwungen, sondern es zuerst ihrem Herzen vorgelegt; und nachdem er ihr „Ja“ empfangen hatte, schrieb er es mit unaussprechlicher Liebe in ihr Fleisch. So hat sich die Hoffnung Gottes mit der Hoffnung Mariens verflochten, einer Tochter Abrahams nach dem Fleisch und mehr noch nach dem Glauben.

Gott liebt es, mit dem Herzen der Kleinen zu hoffen, und er tut dies, indem er sie in seinen Heilsplan einbezieht. Je schöner der Plan, desto größer die Hoffnung. Und tatsächlich schreitet die Welt so voran: getragen von der Hoffnung vieler einfacher Menschen, unbekannt, aber nicht Gott unbekannt, die trotz allem an ein besseres Morgen glauben, weil sie wissen, dass die Zukunft in den Händen dessen liegt, der ihnen die größte Hoffnung schenkt.


Der gesamte Wortlaut der Predigt von Papst Leo XIV während der Ersten Vesper des Hochfestes der Gottesmutter Maria