"Willkommen im Bistum Erfurt!"

Grußwort von Bischof Joachim Wanke an die Gäste des Weltjugendtages 2005 im Bistum Erfurt


Willkommen im Bistum Erfurt!


Das rufe ich Euch allen zu, den Teilnehmern am Weltjugendtag in Köln 2005, die Ihr aus vielen Ländern der Welt in Vorbereitung des großen Welttreffens für einige Tage nach Thüringen gekommen seid! Wir freuen uns über Euer Kommen und hoffen, dass die Begegnung mit Euch uns alle in guter Weise einstimmt auf die Tage in Köln.


Die Weltjugendtage haben inzwischen eine gute Tradition. Sie sind angeregt worden von dem unvergessenen Papst Johannes Paul II., der sich fest vorgenommen hatte, nach dem Treffen in Toronto/Kanada auch in Köln dabei zu sein. Nun wird er vom Himmel her uns in Köln begleiten! Wir freuen uns, dass sein Nachfolger im Petrusamt, unser Papst Benedikt XVI. in Köln dabei sein wird. Viele von uns haben in den letzten Monaten die beeindruckenden Feiern beim Wechsel im Papstamt in Rom im Fernsehen verfolgen können. Nun können wir persönlich den Heiligen Vater in Köln erleben und live dabei sein, wenn er die Jugend aus den Ortskirchen der Welt begrüßen wird. Darauf freuen wir uns - und natürlich auch auf die Begegnung untereinander.


Das Kölner Treffen ist freilich zunächst und vor allem eine Begegnung mit Jesus Christus, unserem Herrn und Meister. Auf vielfältige Weise hat das Leitwort von Köln uns schon beschäftigt: "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten!" Jesus Christus tiefer kennen zu lernen, ihn lieben zu lernen, ihm im eigenen Leben nachzufolgen, ihm in der Gesinnung seines Herzens immer mehr ähnlich zu werden - das ist das eigentliche Ziel unseres Weges nach Köln. Jesus Christus anbeten bedeutet, ihn zur eigenen Lebensmitte zu machen, sich von ihm, seinem Denken und Empfinden, seiner Art zu leben und zu Handeln immer mehr bestimmen zu lassen.


Das ist ein anspruchsvolles Programm - aber ein lohnendes! Ich bin tief davon überzeugt: Man findet sich selbst erst richtig, wenn man sich "verliert". Das merkt Ihr, wenn ihr an die Zeit eures Verliebt-Seins zurückdenkt. Oder vielleicht steckt ihr noch mitten drin!


Natürlich sollen und müssen wir auch an uns selbst denken. Häufig genug plagen uns Sorgen und Probleme, die wir mit uns herum schleppen. Aber so richtig froh werden kann man dabei nicht. Wenn das dann zur Manie wird, dauernd um sich selbst zu kreisen, kommt das ganze Leben aus dem Tritt. Ego-Typen sind meist ungenießbar. Man geht ihnen am liebsten aus dem Wege. Vermutlich hängt das mit dieser Erfahrung zusammen, die das Evangelium in die Worte fasst: "Wer sich selbst verliert, der findet sich!" Die großen Könner, die in ihrem Leben etwas zustande gebracht haben, sind meist Leute gewesen, die sich von etwas haben faszinieren lassen. Auf hohe Berge gelangt man nicht, wenn man hinterm Ofen hocken bleibt und sich selbst und seine Bequemlichkeit pflegt.


Die ganz wichtigen Sachen im Leben bekommt man ohnehin geschenkt: dass wir geboren wurden, dass wir gesund sind und mit vielen Gaben ausgestattet sind (die man natürlich entfalten und pflegen muss!) und vor allem: dass wir Menschen kennen, die uns gern haben. Es gibt nichts Schöneres als Menschen zu haben, die zu mir stehen, auf die ich mich verlassen kann. Ich hoffe, dass ihr solche Menschen habt - Eltern, Freunde, und vielleicht auch den oder die, deren Liebe und Treue man sich für das ganze Leben wünschte.


So ähnlich, ja in noch größerer Intensität will Jesus Christus mit uns in Kontakt kommen. Er ist ja nicht eine Gestalt der Vergangenheit. Er ist der Lebendige schlechthin, der im Heiligen Geist allen Menschen, allen Generationen gleich nahe ist, auch mir und Dir. Er begegnet uns in der Kirche, die sein Leib ist. Er berührt uns durch sein Wort, das wir im Gottesdienst hören. Er feiert mit uns die heiligen Geheimnisse, die wir Sakramente nennen - und die mehr sind als eine bloße Erinnerung an ihn und sein Wirken damals, als er mit seinen Jüngern durch Judäa und Galiläa zog. Ganz nahe kann und will er uns sein - mehr als wir uns selbst nahe sind. In seine Liebe sich hineinziehen zu lassen, das ist die innerste Mitte des christlichen Lebens, gleichsam der Schlüssel, mit dessen Hilfe ich mich selbst und die Welt mit anderen Augen sehen kann - so wie wenn einer sich mit Haut und Haar verliebt hat!


Diese gute Erfahrung der Begegnung mit Jesus Christus wünsche ich Euch. Erzählt Euren Gastfamilien von Eurem Leben, von Eurem Glauben. Fragt Eure Gastgeber nach ihren Erfahrungen als Christen, damals in der Zeit des Kommunismus, aber auch jetzt in einer Zeit, in der Christen in ganz anderer Weise Profil zeigen müssen. Lernt Euch als junge Leute nicht nur äußerlich kennen, sondern versucht - so gut es trotz aller Sprachunterschiede geht - einander das Herz aufzutun.


Ich selbst freue mich auf die Begegnung mit allen beim Bistumstag am Samstag, dem 13. August in Heiligenstadt. Am Montag, dem 15. August brechen wir dann gemeinsam nach der Aussendungsfeier in Erfurt nach Köln auf. Bis zu diesen Tagen im August grüße und segne ich Euch alle!


Joachim Wanke

Bischof von Erfurt



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