Was Bischof Wanke den Kindern für die Ferien wünscht

Ferienbrief 2001

Der Friede sei mit euch!

Liebe Mädchen, liebe Jungen,

wenn ihr euch in den nächsten Tagen verabschiedet, um in die wohlverdienten Ferien zu fahren, soll auch ein Gruß und ein Wunsch von eurem Bischof nicht im Reisegepäck fehlen. Mein Gruß an euch heißt: Der Friede sei mit euch! Ihr kennt dieses Wort. Ihr hört es Sonntag für Sonntag im Gottesdienst. Der Priester sagt diese Worte seiner Gemeinde. In vielen Gemeinden ist es üblich, dass sich danach alle, die in der Kirche sind, die Hand reichen, sich anschauen und zum Nachbarn sagen: "Der Friede sei auch mit dir!" Ihr kennt das. Es ist ein guter Brauch, sich gegenseitig den Frieden Gottes zu wünschen.

Die Ferien stehen vor der Tür. Viele von euch werden sich aufmachen, um Neues zu entdecken oder Altvertrautes wiederzusehen. Wahrscheinlich werdet ihr bei dieser Gelegenheit Menschen begegnen, die euch bisher fremd waren. Vielleicht haben sie andere Gewohnheiten als wir oder eine andere Hautfarbe. Ich wünsche mir, dass ihr den Frieden Gottes überall hin mitnehmt, wo ihr hinkommen werdet. Nun fragt ihr mich vielleicht: Wie soll das gehen? Ich will es euch verraten. Drei Ratschläge gebe ich euch mit auf den Weg. Sie sollen euch eine Hilfe sein. Um ihnen zu folgen, braucht ihr keinen Campingbeutel und keinen Koffer. Ihr braucht nur eure eigenen Hände. Und die habt ihr ja auf alle Fälle dabei.

Mein erster Ratschlag heißt: Öffnet eure Hände für andere!
Was fällt euch wohl dabei ein? Man könnte einem, dem man noch nie vorher begegnet ist, freundlich die Hand schütteln; um ihm damit zu sagen: "Schön, dass wir uns kennengelernt haben!". Vielleicht öffnet ihr gelegentlich die Hand, um einem anderen zu helfen oder ihm etwas zu schenken. Bestimmt fallen euch auch andere Beispiele ein. Aber jemandem Frieden zu geben, ist eine besondere Sache. Ein Pfarrer hat mir ein Beispiel aus einer RKW erzählt. Zwei Jungen konnten sich einfach nicht vertragen. Sie machten sich und den anderen damit das Leben schwer. Sie gingen sogar mit den Fäusten aufeinander los. In einem Gottesdienst sprach der Pfarrer schließlich sehr ernst darüber, wie wichtig es ist, im Namen Gottes Frieden zu stiften. Die beiden Streithähne hörten gut zu. Und als es später hieß: "Gebt einander ein Zeichen eures Friedens!", schauten sich die beiden ein bisschen verlegen an und der eine sagte leise zum anderen: "Na, gib her deine Flosse!" Das hörte sich sehr derb an, aber es war ehrlich gemeint. Die beiden versuchten in den nächsten Tagen wirklich, Frieden zu halten. Ich denke mir, Gott hatte seine Freude daran. Manche Leute, denen wir begegnen, sind uns sympathisch - andere nicht. So etwas gibt es. Aber wer bereit ist, dem anderen ehrlich die Hand hinzuhalten, ist auf dem besten Weg zum Frieden.

Mein zweiter Ratschlag heißt: Macht nicht mit, wenn jemand andere verletzt!
Ihr habt bestimmt schon manchmal die Erfahrung machen müssen, dass es nicht überall friedlich und freundlich zugeht. Ich weiß, dass sich sogar manchmal Kinder gegenseitig bedrohen und der Frieden in der Schule oder der Nachbarschaft gestört wird. Es könnte sein, dass euch so etwas auch in den Ferien begegnet. Man muss sich zu wehren wissen - das geht alle an, die Großen und die Kleinen, und es kommt darauf an, zusammen zu stehen und keinen allein zu lassen. Was man aber auf keinen Fall tun darf: andere verletzen! Gegen einen fairen Kampf mit guten Regeln wird niemand etwas haben. Aber wenn jemand in Wut gerät und die Absicht hat, anderen weh zu tun, ist das auf keinen Fall ein Zeichen für friedliche Gesinnung. Und sollte es wirklich einmal vorkommen, dass es während der Ferien Zank und Streit gibt - wir wollen das nicht hoffen! - , vergesst nicht, dass nach dem Streit auf alle Fälle der Frieden wieder hergestellt werden muss. Einem besonders jähzornigem Kind gab ein guter Freund den Rat: "Leg immer sofort die Hände auf den Rücken, wenn du wütend wirst!" Ich glaube, dieser Rat war gut.

Und noch ein dritter Rat: Vergesst nicht, die Hände zu falten!
Jedem von uns hat Gott zwei Hände beschenkt. Was kann man nicht alles mit den Händen tun! Der eine liest oder malt, der andere spielt Fußball und wieder ein anderer bastelt gern oder baut Modellflugzeuge, übt sich im Bergsteigen oder im Rudern. Bestimmt habt ihr euch manches davon für die Ferien vorgenommen. Aber ob im Alltag oder in den Ferien: Auf jeden Fall solltet ihr jeden Tag einmal - und hoffentlich auch mehrmals! - die Hände falten! Ich muss euch nicht erklären, was das bedeuten soll. Wer die Hände faltet, kann unseren himmlischen Vater nicht vergessen. Das ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Ob am Morgen oder am Abend, ob an der Nordsee oder in den Alpen, ob in Deutschland oder im Ausland - Gott hört euch auf alle Fälle! Wenn ihr Gelegenheit habt, irgendwo einen Gottesdienst zu erleben, werdet ihr - wo ihr auch gerade seid - durch den Priester erinnert: "Der Friede sei mit euch!" Das ist ein Wunsch und gleichzeitig auch eine Aufgabe für jeden von uns.

Ich denke, ihr habt meine drei Ratschläge verstanden. Nun kommt es darauf an, sie auch zu beherzigen. Ich verlasse mich auf euch!. Nun geht froh in die Ferien! Wir werden uns - so Gott will - bei unserer Bistumswallfahrt im September oder bei einer anderen Gelegenheit wiedersehen. Ich werde mich freuen, euch und euren Familien zu begegnen. Und zum guten Schluss wünsche ich euch allen noch einmal: Der Friede sei mit euch!

Euer Bischof Joachim

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