Von Werken und Wundern

Predigt von Weihbischof Reinhard Hauke am 5. Sonntag der Osterzeit

Bild: Andreas Sturm; in: Pfarrbriefservice.de

Wer will das nicht? -  Berühmt sein und anerkannt sein. Auch das kleine Kind sucht Anerkennung, wenn ihm etwas geglückt ist. Vielleicht war es der Turm im Sandkasten. Vielleicht war es der exakte Zusammenbau eines Modells. Vielleicht war es auch eine gute Zensur in einem Schulfach, das dem Schulkind besonders schwer fällt. Es möchte gelobt werden.


Große Werke können einen Menschen auch dazu bewegen, sich dem Christentum anzuschließen. Begeisterung über Kunst und Architektur, über Musik und Liturgie, über Theologie und große Heilige: all das kann ein Anstoß sein, sich mit dem Glauben zu befassen.


Wir haben heute die große Freude, dass unter uns Erwachsene sind, die durch die Katechumenensalbung als Taufbewerber offiziell angenommen werden und durch das Glaubensbekenntnis, das sie vor uns und mit uns ablegen, in die Gemeinschaft der Kirche als Katechumenen aufgenommen werden, d.h. den Status eines Gemeindemitglieds erhalten, das aber noch im Stand der Vorbereitung auf die volle Mitgliedschaft steht. Wir hoffen und wünschen, dass auch durch sie unsere katholische Kirche neue Akzente bekommt, die uns in der Zukunft helfen können und dass durch sie auch andere zum Nachdenken kommen und ggf. den Wunsch äußern, katholisch zu werden.


Die beiden Apostel Thomas und Philippus fragen Jesus Christus nach dem Weg, den Jesus gehen will, und nach dem Vater im Himmel, zu dem Jesus unterwegs ist. Sie wurden durch Jesus Christus gerufen und haben sich als Jünger und Apostel anwerben lassen. Sie sind aber weiterhin auf der Suche nach tieferer Erkenntnis des Glaubens. Für sie erscheint es neu, dass durch Jesus Christus der Weg zum Vater im Himmel ermöglicht worden ist. Auch sie brauchten eine weitere Begleitung im Glauben durch Wunder und Worte der Mitapostel und auch durch Jesus selbst.


Zu den Besonderheiten in der Kirche gehören die Dienste und Ämter. Das Wort „Amt“ klingt in unserer Sprache nicht sehr positiv, da wir dabei an „Behörde, Warten und Beamtendeutsch“ denken. Die sieben Diakone werden ausgewählt, damit das caritative Tun der Gemeinde leichter möglich ist. Verwunderlich ist, dass diese sieben Diakone recht früh mit dem Verkündigungsdienst beginnen. Bis heute ist der Diakon mit dem Verkündigungsdienst durch das konkrete Wort verpflichtet. Es ist durchaus sinnvoll, dass er seine Berufung darin sieht, an den Rändern der Gesellschaft und Kirche zu wirken und alle zu suchen, die nicht im Blick sind. Die Apostelgeschichte berichtet vom großen Schub in der Gemeinde von Jerusalem, als diese Entscheidung gefällt wurde. Die konkrete Hilfe der Menschen hat zum Nachdenken und letztlich zum Glauben geführt. Auch hier sind es die konkreten Werke – die Werke der Barmherzigkeit -, die eine Entscheidung für den Glauben bewirken. Es ist mehr als eine  Entscheidung für ein Bekenntnis oder ein Statut. Es ist eine Entscheidung in der Lebenshaltung, die hier gefällt wird.


In diesen Wochen darf ich fünf Priesteramtskandidaten auf ihren Dienst am Altar vorbereiten. Sie kommen aus dem Erzbistum Berlin, aus dem Bistum Magdeburg und Dresden-Meissen. Leider ist kein Kandidat aus unserem Bistum dabei. Sie haben sehr viel Freude an dem, was sie nach ihrer Priesterweihe am Altar und in der Gemeinde tun dürfen. Es ist Vorfreude zu spüren, weil die meisten von ihnen sich durch große und schwere Entscheidungen auf den Dienst vorbereitet haben. Ein Kandidat wurde als Erwachsener getauft und ist nun bereit, sich für das zu engagieren, das er als Kind und Jugendlicher nicht kannte. Alle wünschen sich, dass durch ihren Dienst die Freude am Evangelium und am Glauben wächst.

Diese Priesteramtskandidaten bitten ihren Bischof, durch die Weihe für das Gottesvolk da sein zu können und die Getauften und Gefirmten für ihren Dienst zurüsten zu  können. Immer wieder besteht die Gefahr, dass die Getauften und Gefirmten ihre Würde vergessen oder vernachlässigen. Gerade beim Synodalen Weg spüren wir, wie Gott in den Herzen so vieler Menschen Großes tut.


Das allgemeine Taufpriestertum aller Gläubigen drückt die Würde aus, die mit dieser Entscheidung verbunden ist: Priester, Prophet und Königsein sind die Inhalte der neuen Würde. Alle Getauften nehmen Anteil an dem, wozu die ganze Kirche gerufen ist – zwar an unterschiedlicher Stelle und in unterschiedlicher Verantwortung, aber doch wirksam und zielführend in den unterschiedlichen Bereichen der Gemeinde: z.B. in der Familie, in der Pfarrgemeinde, auf Bistums- oder Weltkirchenebene. Es erscheint uns in den Überlegungen der Bistumsleitung derzeit nötig zu sein, darüber zu reden, wie eine Pfarrei geleitet werden muss und welche Dienste und Ämter in welcher Zuordnung stehen. Wir sind davon überzeugt, dass Laien und Kleriker nur gemeinsam das Gemeindeleben gestalten können und deshalb das gute Miteinander vonnöten ist und dieses gute Miteinander ist wiederum der Auslöser dafür, dass junge Menschen nach Kirche und Glauben fragen. Wo das nicht geschieht, kann Kirche weiter lediglich existieren, aber sie hat keine Strahlkraft mehr.


Wir warten auf die großen Werke, die Gott durch uns vollbringen will und kann. Vielleicht warten wir dabei auf das Spektakuläre, das dann auch in den Zeitungen steht und durch die Medien verbreitet wird. Ich nehme jedoch wahr, dass gerade in diesen Zeiten der Pandemie so viele Wunder geschehen, dass man sie nicht alle in den Medien nennen kann. Angefangen von den Leistungen der Ärzte, Schwestern und Pfleger, weiter zu den Politikern und Wissenschaftlern bis hin zu den Vätern und Müttern, die sich um die Kinder zu Hause kümmern und ihnen diese Zeit so angenehm wie nur möglich gestalten wollen. Es ist nicht nötig, alles in den Medien aufzuzählen, aber es ist wichtig, die Augen offen zu halten für das Besondere, das geschieht und zum Nachdenken bringt.

 
Wir sind dankbar für das Wunder, das wir heute bei der Salbung unserer Taufbewerber erleben dürfen: Erwachsene beginnen den Weg zu Taufe und Firmung. Möge der Geist Gottes durch uns alle wirken und Menschen für das Gottesreich begeistern. Amen.

Lesungen des 5. Sonntags in der Osterzeit
(Apostelgeschichte 6, 1-7; 1 Petrus 2, 4-9; Johannes 14, 1-12)