Vom Kind her denken!

Zwischenruf des BDKJ-Diözesanvorstandes Erfurt zur Einführung des Betreuungsgeldes

Im Zusammenhang mit der Einführung des Betreuungsgeldes sind derzeit immer wieder Begriffe wie KITA-Ausbau, Wahlfreiheit, Herdprämie, Rabenmutter, modernes oder traditionelles Familienbild zu hören. Es gibt kaum eine Talkshow im Fernsehen, wo derzeit nicht mit diesen Begriffen argumentiert wird. Die Meinungen für oder gegen das geplante Betreuungsgeld werden derart emotional vorgetragen, dass leicht der Eindruck entstehen kann, es gäbe - je nach Sichtweise - nichts Wichtigeres oder Schlimmeres als die Bereitstellung dieser familienpolitischen Leistung. Es scheint dabei um sehr viel zu gehen und alle möglichen Interessen Erwachsener - offenbar nur nicht um die betreffenden Kinder selbst. Aber diese sollten doch eigentlich im Zentrum der Debatte stehen.

Folgende Dinge geben wir unter diesem Blickwinkel zu bedenken:

     

  1. Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr benötigen viel familiäre Fürsorge und Wärme. Für ihre Entwicklung sind soziale Kontakte außerhalb der Familie aber auch wichtig. Wir trauen Eltern prinzipiell zu, dass sie für ihre Kinder das individuell richtige Verhältnis dieser beiden Dinge selbst bestimmen können. Wertungen, was besser oder schlechter für ein Kind ist, sollten nicht "von außen" abgegeben werden. Die Aufgabe des Staates ist es, die Rahmenbedingungen für diese Wahlfreiheit zu ermöglichen. In Ausnahmefällen sollte jedoch dort, wo es nötig ist, staatliche oder private Unterstützung angeboten werden.
  2. Kindern im zweiten und dritten Lebensjahr schadet es nicht zwangsläufig, wenn Mütter oder Väter sich freiwillig dafür entscheiden, ihre zwei- bis dreijährigen Kinder selbst zu Hause zu betreuen. Wir gehen davon aus, dass eine solche Entscheidung in aller Regel verantwortungsvoll getroffen wird. Der Generalverdacht, dass ein geringer monatlicher Geldbetrag bisherige Grundeinstellungen der Eltern fundamental verändert, ist abwegig.
  3. Kindern im zweiten und dritten Lebensjahr sollte eine familienpolitische Leistung des Staates unabhängig davon zu Gute kommen, wo oder vom wem sie betreut und gefördert werden sowie unabhängig davon, ob die Eltern ein traditionelles oder modernes Familienbild haben.
  4.  

Erfurt, 7.6.2012

Im Auftrag des BDKJ Diözesanvorstandes Erfurt
Robert Weidler, Geschäftsführer

www.bdkj-thr.de


Quelle: Pressemitteilung des BDKJ-Diözesanvorstandes Erfurt . Für den Inhalt ist der Absender verantwortlich.