"Gott bleibt immer auf Ballhöhe",
sagt Bischof Wanke
Bischof Wanke schreibt Kindern einen Ferienhirtenbrief...
Liebe Mädchen und Jungen,
habt ihr in den letzten Wochen viele Fußballspiele im Fernsehen angesehen? Ich nehme an, dass die meisten von euch genau verfolgt haben, wer bei der Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt. Vielleicht wart ihr sogar bei einem Spiel live dabei. Es gab jedenfalls schöne Spiele mit vielen spannenden Momenten.
So eine Fußball-WM hat ihre Stars: Torhüter und Torschützen, die Spieler im Mittelfeld und in der Abwehr... Aber es gibt noch eine wichtige Person bei jedem Fußballspiel: den Schiedsrichter. Er sorgt dafür, dass die Regeln eingehalten werden und das Spiel fair verläuft. Vielleicht spielt ihr manchmal Fußball oder andere Spiele, einfach so, ohne Schiedsrichter. Da kann man sich manchmal ganz schnell streiten: Wie sind die richtigen Regeln? Haben sich alle daran gehalten? War der Ball im Tor, im Aus? Mit Schiedsrichter ist das einfacher. Er entscheidet und damit ist die Sache klar.
Ich denke, unser Leben ist ein bisschen wie ein Fußballspiel. Für uns Christen kann Gott dabei so etwas wie ein Schiedsrichter sein. Dazu möchte ich euch einige Gedanken mit in die Ferien geben:
Gott gibt uns Signale
Das wichtigste Werkzeug für einen Schiedsrichter ist die Pfeife. So können alle Spieler hören, wann das Spiel unterbrochen ist oder weitergeht. Mit der Pfeife gibt der Schiedsrichter Signale und jeder auf dem Platz weiß, was los ist.
Ich glaube, auch Gott macht sich in unserer Welt bemerkbar. Vor vielen Jahrtausenden hat er sozusagen den Anpfiff für die Welt gegeben: Er hat alles geschaffen und zum Leben gebracht. Seitdem lässt er sich in der Welt erfahren. Bis heute können wir seine Signale hören und sehen und spüren. Wenn uns etwas gut gelingt, kann das ein Signal von Gott sein: "So soll es sein." Oder wenn etwas schief geht, kann er uns damit sagen: "So geht es nicht." Oder wenn wir uns freuen oder nicht mehr weiterwissen oder bei vielen anderen Erlebnissen: Gott gibt seine Signale. Wenn beim Fußball ein Pfiff ertönt, wird das Spiel unterbrochen oder es beginnt wieder. Auf Gottes Signale könnt ihr in den Ferien besonders achten. Wenn ihr eins bemerkt, dann legt ein kurze Pause ein. Ein kurzes Gebet kann so eine Unterbrechung sein. Ihr könnt Gott danken, ihn um etwas bitten oder einfach nur sagen: Gut, dass du bei mir bist, Gott. Ihr werdet merken, dass ihr nach und nach Gottes Signale immer besser versteht.
Gott lässt mit sich reden
Wenn ein Spieler beim Fußball eine gelbe Karte bekommt, passiert es oft, dass er zum Schiedsrichter läuft. Dann versucht er zu erklären, warum es eigentlich gar kein Foul war. Auch sonst diskutieren Spieler manchmal mit dem Schiedsrichter, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Meistens hilft es nichts, aber sie versuchen es immer wieder.
Ob man mit Gott diskutieren kann? Vielleicht denkt ihr jetzt: "Das geht doch gar nicht." Aber ich glaube fest daran: Beten bewirkt etwas. Jesus hat seinen Jüngern versprochen: "Bittet und es wird euch gegeben werden." Das gilt auch für uns. Gott hört unser Beten und er wird es erhören. Nicht immer sofort und nicht immer, wie wir es uns vorstellen. Aber er hört es. Auch das könnt ihr in den Ferien ausprobieren. Wenn ihr seht, dass es ungerecht zugeht, dann könnt ihr das Gott sagen. Ihr könnt euch bei ihm beschweren oder ihn bitten. Ich bin ganz sicher: Er hört darauf.
Gott bleibt auf Ballhöhe
Bei einem Fußballspiel muss der Schiedsrichter wahrscheinlich am meisten von allen laufen. Die Spieler geben den Ball ab und können auch manchmal stehen bleiben. Der Schiedsrichter aber muss immer auf Ballhöhe sein, damit er alles richtig sieht. Das ist manchmal nicht einfach, weil es oft sehr schnell geht.
Gott ist in unserer Welt immer auf Ballhöhe. Jeden Moment interessiert er sich dafür, was mit uns passiert. Und für Gott ist es auch nicht schwierig, jeden Menschen anzusehen. Er ist in jedem Moment aufmerksam und verpasst nichts. Hier gibt es aber einen großen Unterschied zum Schiedsrichter. Gott ist nicht unparteiisch. Für ihn ist jeder Mensch sein Lieblingsspieler. Und - das ist klar - auf den Lieblingsspieler blickt er besonders freundlich. Vielleicht habt ihr in den Ferien einmal Zeit, euch daran zu erinnern. Ihr braucht einfach nur einen ruhigen Ort. Besonders geeignet ist eine Kirche, da könnt ihr euch hinsetzen und das Kreuz ansehen. Dann könnt ihr leise für euch beten: "Gott, du siehst mich an. Danke, dass ich so wichtig für dich bin." Seid dann noch eine Weile still: Gott sieht euch an, ihr könnt ihm nahe sein. Das ist eine gute Art, um zu beten.
Die Weltmeisterschaft ist vorbei, aber wir können vom Fußball manches für unser Leben als Christen lernen. Gott ist mehr als nur ein Schiedsrichter, aber manches von ihm kann man so entdecken. Probiert es einfach aus!
Ich wünsche euch eine gute Ferienzeit und lade euch ein, an der Religiösen Kinderwoche und der Kinderwallfahrt zum Dom teilzunehmen.
Euer Bischof
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