Thüringer Prinzessin als Vorkämpferin für Frieden und Einheit

Wallfahrt zum Gedenken an die Heilige Radegundis

Bild: Claus ThoemmesCC BY-SA 3.0

Am kommenden Sonntag (18. August) findet in Thüringen eine Ökumenische Wallfahrt anlässlich des Geburtstags der Heiligen Radegundis vor 1501 Jahren statt. Es gibt verschiedene Treffpunkte für die Sternwanderung, Start für das Fahrradpilgern ist um 12 Uhr am Katholischen Gemeindehaus (Moßlerstraße 17) in Gotha. Am Zielort, der Sankt-Lukas-Kirche in Mühlberg, wird um 14 Uhr ein Gottesdienst unter dem Motto „Fremd im eignen Land“ gefeiert. Die Leitung übernimmt Wigbert Scholle, Pfarrer der Katholischen Pfarrgemeinde St. Bonifatius Gotha. Die Predigt hält Friedemann Witting, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gotha, und für die Musik sorgen KMD Jens Goldhardt (Orgel) und der frühere Keimzeit-Musiker Ralf Benschu (Saxophon). Im Anschluss ist eine Wanderung zur Mühlburg geplant, dort wird es eine Abschlussandacht geben.

Das Motto „Fremd im eigenen Land“ empfindet Pfarrer Matthias Müller, Pfarrer des Evangelischen Kirchspiels Mühlberg, als sehr vielschichtig. „Es ist ein Grundthema des Evangeliums – erst über das Gefühl des Fremdseins finden viele Figuren der Bibel zu Gott und zu ihrer Bestimmung. Für die Heilige Radegundis war das Fremdsein ein Lebensthema, und auch in unserer Heutigen Gesellschaft fühlen sich viele Menschen nicht zugehörig. Diese Aspekte wollen wir in dem Gottesdienst aufnehmen“, so Müller.

Radegundis (* um 520; † 13. August 587 in Poitiers) war die Ehefrau des fränkischen Königs Chlothar I. und Tochter König Berthachars von Thüringen. Die Wallfahrt rund um den 13. August als Gedenktag für die Heilige hat eine lange Tradition: Seit den 1930er Jahren für die Katholiken, seit den 1970er Jahren als ökumenische Veranstaltung. Radegundis gilt als erste bekannte Thüringer Christin und als Botin des Friedens, die sich trotz Gegenwind nie abbringen ließ von ihrem Einsatz für ein gerechtes, gewaltfreies Miteinander.
So versuchte sie, den barbarischen Franken Gesittung und Bildung zu vermitteln und Werke der Barmherzigkeit vorzuleben und sie hatte als Vision ein geeintes Europa mit jüdisch-christlichen, hellenistischen und germanischen Wurzeln. Die Wallfahrt galt bereits zu DDR-Zeiten als wichtiges Signal. Als Höhepunkt wurde 1987 angesichts der 1400. Wiederkehr des Todestages der Heiligen ein Gedenkstein auf der Mühlburg mit der Aufschrift „Frieden durch Versöhnung“ aufgestellt.

Hintergrund:
Radegundis war früh eine Vollwaise und verlebte ihre Kinderzeit am Hof des Thüringer Königs Herminafried, ihres Onkels. 531 wurde sie nach einer verlorenen Schlacht an der Unstrut nach Frankreich verschleppt. Um 540 erzwang König Chlothar gegen ihren Willen die Heirat. Als Königin lebte sie am Hof in Saisons sehr asketisch – so hat sie laut Überlieferung bei Tisch die Fleischschüsseln vorübergehen lassen und nur Bohnen oder Linsen gegessen. Zudem habe sie den König um Begnadigung für zum Tode Verurteilte gebeten und sich der Krankenpflege gewidmet sowie in der männerdominierten Welt immer wieder Zwängen getrotzt.

Nachdem Chlothar vermutlich Radegundis’ Bruder als Vergeltung für einen Aufstand der Sachsen und Thüringer ermorden ließ, hat sich Radegundis von ihm getrennt. Sie floh und verschenkte ihren Besitz an die Kirche und Arme. 558 gründete sie das Kloster Saint-Marie-hors-les-Murs, die spätere Abtei vom Heiligen Kreuz in Poitiers, als erstes Frauenkloster Europas. Chlothar hat sich später bei ihr entschuldigt und das Kloster unterstützt, heißt es. Radegundis soll sich der Überlieferung zufolge im Kloster oft die niedrigsten Dienste ausgesucht haben, wie das Baden von Armen und Kranken und sogar von Aussätzigen. Am 13. August 587 starb sie und wurde auf ihren Wunsch in der Klosterkirche bestattet. Nach ihrer Heiligsprechung im 9. Jahrhundert wurden ihr Kirchen in ganz Europa geweiht.

Die Radegundis-Kapelle bei der Mühlburg war eine von drei Kirchen beziehungsweise Kapellen mit ihrem Patrozinium in Deutschland. Heute existiert nur noch der Grundriss. Dafür wurde in die Lukas-Kirche in Mühlberg eine kleine „Radegundis-Kapelle“ integriert.

Gemeinsame Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und dem Bistum Erfurt vom 13.08.2019