Station drei: Der kleine Raum, der noch keinen festen Zweck hat

Acht Einblicke in die Familienkirche auf dem Kerbschen Berg

© Bistum Erfurt / Foto: Juliane Körber

Wer die Familienkirche auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt betritt und die neu aufgebaute Spindeltreppe zur Empore hinaufblickt, entdeckt darunter einen kleinen Raum. Er ist bewusst offen angelegt und soll sich nicht auf eine einzige Funktion festlegen lassen. Hier wird künftig eine Wickelkommode mit Infrarotlampe stehen, daneben gibt es Platz zum Stillen oder einfach die Möglichkeit, sich mit einem Kind kurz zurückzuziehen. Gleichzeitig eignet sich der Raum für ruhige Gespräche oder auch für ein Beichtgespräch, wenn es gewünscht ist. Statt einer klassischen Tür schließt ein Schiebeelement den Raum bei Bedarf ab und verschwindet anschließend vollständig in der Wand. So bleibt der Bereich unauffällig und niemand erkennt von außen, ob sich gerade jemand darin aufhält.

„Ich nenne ihn immer Funktionsraum“, sagt Cornelia Schimek, Baubeauftragte des Bistums Erfurt im Eichsfeld. „Weil ich wichtig finde, dass er sich noch entwickeln kann.“ Statt sich auf einen einzigen Zweck festzulegen, bleibt der Raum bewusst offen. Je nach Situation kann er Rückzugsort für Eltern sein, Platz für ein persönliches Gespräch bieten oder einfach einen ruhigen Moment ermöglichen.

In den meisten Kirchen gab es für solche Situationen bislang keinen passenden Ort. In der Familienkirche gehört er nun selbstverständlich zum Konzept. An der Stelle, an der früher massive Beichtstühle aus Beton standen, ist ein Raum entstanden, der flexibel genutzt werden kann und trotzdem die nötige Privatsphäre bietet. Wer ihn nutzt, muss sich nicht erklären und bleibt unbeobachtet. Es ist eine kleine bauliche Veränderung, die im Alltag einen spürbaren Unterschied machen kann und gut zu dem passt, was die Familienkirche insgesamt auszeichnet.

 

Foto: Pia Schröter

Acht Einblicke in die Familienkirche

Acht Stationen, acht Details. Bis zur Altarweihe am 30. August zeigen diese Einblicke, was in der ehemaligen Klosterkirche auf dem Kerbschen Berg gerade entsteht, und warum in jeder Ecke mehr Gedanke steckt, als man beim ersten Blick sieht. Über eine halbe Million Euro fließt in den Umbau, ein großer Teil davon kommt vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, und wer mit Cornelia Schimek durch die Baustelle geht, merkt schnell, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt.

 

Mehr Informationen 
zur Sanierung und Neuausrichtung der Klosterkirche Kerbscher Berg zur Familienkirche und Begegnungsraum gibt es unter 
www.bistum-erfurt.de/themen/kirche-am-kerbschen-berg/