Station 5: Die Marienkapelle

Acht Einblicke in die Familienkirche auf dem Kerbschen Berg

Foto: Cornelia Schimek

Gleich neben dem Hauptraum der Familienkirche auf dem Kerbschen Berg liegt ein kleiner Raum, kräftig blau gestrichen, mit Kerzen und bald einem eigenen Kerzenhalter. Wer die Tür aufmacht, merkt sofort, warum Cornelia Schimek, Baubeauftragte des Bistums Erfurt im Eichsfeld, hier vor allem von einem spricht: Stille. "Wenn man hier ist, kehrt sofort Ruhe ein", sagt sie, und das hat sie schon bei der ersten Wand gemerkt, die probeweise in diesem Blau gestrichen wurde.

Sowohl in der Kapelle als auch in ihrem Eingang werden bald zwei Marienfiguren stehen, die sich im Moment noch in der Restauration befinden.  Und dann ist da noch diese Wand voller kleiner Löcher, auf den ersten Blick wirkt sie fast zufällig durchlöchert. Ist sie aber nicht. Wer genau hinschaut oder mit den Fingern darüberfährt, merkt: das ist Blindenschrift. In die Löcher eingelassen ist ein ganzer Vers, in Punktschrift übertragen, für alle, die ihn nicht sehen, sondern nur ertasten können.

Dort steht Folgendes:  “Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Gott, ich vertraue auf dein Wort. Schau voll Liebe auf mein Leben und nimm diese ganz persönliche Fürbitte heute gnädig in deine Hände.”

Auf einer kleinen Konsole daneben liegen Zettel bereit. Wer möchte, schreibt sein eigenes Anliegen drauf, rollt den Zettel zusammen und steckt ihn in eines der Löcher, eine Bitte, ein Dank, was einen gerade beschäftigt. Mit der Zeit füllt sich die Wand immer weiter, jeder Zettel ein kleines Zeichen dafür, dass hier jemand war, mit einer Sorge oder einer Hoffnung. Und genau das macht den Ort so besonders: man merkt, man ist mit seiner Sorge nicht allein, andere waren schon da, andere kommen noch. Die Zettel werden gesammelt und in der Osternacht dem Feuer übergeben.

Eine unauffällige Lüftungsanlage sorgt übrigens dafür, dass der Kerzenrauch den kleinen, fast geschlossenen Raum nicht schwärzt, ein praktisches Detail, das man kaum bemerkt.

Und dann ist da noch die Farbe. Dieses Blau ist mutig, mutiger, als man es aus den meisten Kirchen kennt. Fast ein kleines Wagnis, gibt Cornelia Schimek selbst zu. Aber genau deshalb bleibt der Raum im Kopf. Wer reinkommt, wird automatisch leiser, und wer draußen im Kirchenschiff steht, wird förmlich von der Farbe in diese ruhige Ecke gezogen. Hierher kann jeder kommen, egal ob gläubig oder nicht, sich einfach hinsetzen, eine Kerze anzünden und seine Anliegen in der Gebetswand lassen.

 

Acht Einblicke in die Familienkirche

Acht Stationen, acht Details. Bis zur Altarweihe am 30. August zeigen diese Einblicke, was in der ehemaligen Klosterkirche auf dem Kerbschen Berg gerade entsteht, und warum in jeder Ecke mehr Gedanke steckt, als man beim ersten Blick sieht. Über eine halbe Million Euro fließt in den Umbau, ein großer Teil davon kommt vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, und wer mit Cornelia Schimek durch die Baustelle geht, merkt schnell, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt.

 

Mehr Informationen 
zur Sanierung und Neuausrichtung der Klosterkirche Kerbscher Berg zur Familienkirche und Begegnungsraum gibt es unter 
www.bistum-erfurt.de/themen/kirche-am-kerbschen-berg/