Lengenfeld unterm Stein (BiP). Martin Hohmann war es nicht gerade in die Wiege gelegt, katholischer Priester in Thüringen zu werden. Er stammt aus Hessen und wuchs in einer evangelischen Familie auf. Nach dem Abitur und seinem Zivildienst in der Altenpflege studierte er Geschichte und Deutsch und arbeitete als Gymnasiallehrer. Allerdings hatten ihn theologische Fragen bewegt, solange er denken kann, und durchkreuzten schließlich die Lebensplanung. Am Samstag, 17. Juni, weiht Weihbischof Reinhard Hauke den 44-Jährigen in Lengenfeld unterm Stein zum Diakon. Das Diakonat ist die erste Weihestufe auf dem Weg zum Priestertum.
Was es heißt, als Christ zu leben, erfuhr Martin Hohmann von seinen Eltern. In der Familie wurde zusammen gebetet und die Bibel gelesen. In seiner Jugendzeit beeindruckte ihn besonders ein Pfarrer. „Er lebte eine stille, bescheidene Frömmigkeit, die man wohl am besten mit dem Wort Demut bezeichnen könnte“, erinnert sich Hohmann. Später hinterließ das Pontifikat Benedikts XVI. (+2022) bleibenden Eindruck bei ihm. Die Auseinandersetzung mit der Person des deutschen Papstes und seinen Schriften trug maßgeblich dazu bei, dass Martin Hohmann 2013 katholisch wurde und schließlich Priester werden wollte.
Das dazu notwendige Theologiestudium absolvierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt. Als Priesterkandidat wechselte er jedoch das Bundesland und bewarb sich im thüringischen Bistum Erfurt. Die besondere Situation der katholischen Diaspora-Kirche in den neuen Bundesländern hatte ihn schon während des Studiums interessiert. Jetzt wollte Hohmann „Neuland“ betreten und setzte seine weitere Ausbildung am Regional-Priesterseminar in Erfurt fort. Seine Praxis-Ausbildung führte ihn nach Lengenfeld, wo er auch die Diakonenweihe empfängt. Seine Familie freut sich mit ihm darauf.
Für Martin Hohmann ist die „Beziehung zu Gott etwas, was unsere Zeit unbedingt braucht.“ Er weiß, dass „das Christentum schon lange nichts mehr Selbstverständliches in Europa ist.“ Es müsse wieder neu erklärt und mit Leben gefüllt werden, findet er. Dabei hofft Hohmann, bei der Arbeit in der Gemeinde den Ausgleich zwischen organisatorischen Aufgaben und der Vermittlung des Evangeliums hinzubekommen. „Mein Wunsch ist, beide Dinge so miteinander zu vereinbaren, dass sie sich stützen und einander nicht im Wege stehen“, sagt der Weihekandidat, der sich auf die ersten Taufen und Eheschließungen nach seiner Weihe freut.
Die Weiheliturgie am Samstag in der Pfarrkirche St. Marien in Lengenfeld unterm Stein beginnt um 10 Uhr. Mit dem Weihbischof stehen Pater Joseph Mathew aus Hohmanns Heimatpfarrei in Dillenburg, Subregens Egon Bierschenk vom Regional-Priesterseminar Erfurt und Ortspfarrer Dominik Trost am Altar. Es singt der Kirchenchor Effelder unter Leitung von Maria Petri. Die Orgel wird von Doris Witzel gespielt. Im Anschluss an den Weihegottesdienst wird zur Begegnung und zum Mittagessen beim Josefsheim eingeladen.
Tag/Zeit:
Samstag, 17. Juni 2023, 10 Uhr
Ort:
Lengenfeld unterm Stein, Pfarrkirche St. Marien
Stichwort: „Diakon, Diakonenweihe“
In der Katholischen Kirche ist die Weihe mit ihren Stufen Diakonen-, Priester- und Bischofsweihe eines der sieben Sakramente. Der Begriff Diakon stammt vom griechischen Verb „diakonein“ ab und bedeutet Diener, Helfer. Während der ersten Jahrhunderte waren die Diakone unmittelbare Helfer des Bischofs und kümmerten sich vor allem um Arme und Kranke. Ab dem 9. Jahrhundert ging die Eigenständigkeit des Amtes verloren. Zum Diakon wurde nur noch geweiht, wer später Priester werden wollte. So wurde das Diakonat zur „Durchgangsstufe“ auf dem Weg zum Priesteramt. Erst das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65), die Versammlung aller katholischen Bischöfe mit dem Papst, betonte wieder stärker die ursprüngliche Bedeutung. Seitdem werden auch verheiratete Männer zu Diakonen geweiht, die ihren Dienst in der Gemeinde verrichten. Unverheiratete und auch verwitwete Männer können ebenfalls Ständiger Diakon werden, für sie bleibt die Ehelosigkeit allerdings verpflichtend.
Zu den Aufgaben des Diakons gehören unter anderem die Assistenz im Gottesdienst, Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen, Erteilen von Religionsunterricht und Katechesen sowie die Sorge um die Mitglieder der Gemeinde, besonders um Alte und Kranke.
Im Rahmen der Weihehandlung innerhalb einer Heiligen Messe liegen die Kandidaten bei der Allerheiligenlitanei vor dem Altar auf dem Boden. Dies geschieht zum Zeichen, dass sie sich ganz Gott übereignen wollen. Der Bischof weiht durch Handauflegung und Gebet. Die Pfarrer der Heimatgemeinden legen den neuen Diakonen die liturgischen Gewänder an. Dann überreicht der Bischof das Evangelienbuch, aus dem die Botschaft Jesu Christi verkündigt werden soll, und besiegelt mit einer abschließenden Umarmung als Friedensgruß die Aufnahme in das neue Amt.