Selbstbestimmung des Menschen ist nie grenzenlos

Bischof Ulrich Neymeyr kritisiert Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung

(c) Bistum Erfurt

„Misereor“ heißt „Ich erbarme mich“. Das Erbarmen mit lebensmüden, schwerstbehinderten und schwerstkranken Menschen hat in Deutschland gestern ein Ende gefunden. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist ein Ausdruck der Kultur des Todes, die Papst Johannes Paul II. immer wieder beklagt hat.

Im gestrigen Urteil zum assistierten Suizid wird darauf hingewiesen, dass die Psychiater sich darüber einig sind, dass 90 % der Suizide Folge einer schweren psychischen Störung sind.

Es wird darauf hingewiesen, dass Bewohner niederländischer Pflegeheime in ein Pflegeheim in Deutschland wechseln, weil ihnen in den Niederlande zu offensiv der assistierte Suizid nahegelegt wird. Im amerikanischen Bundesstaat Oregon werden für schwerstkranke Patienten teure Therapien nicht mehr bezahlt, wohl aber assistierter Suizid.

Das gestrige Urteil ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich um lebensmüde, schwerstbehinderte und schwerstkranke Menschen sorgen. Der Selbstbestimmung des Menschen, mit der das Bundesverfassungsgericht sein Urteil begründet, werden immer Grenzen gesetzt bleiben. Der Mensch wird nie entscheiden können, wer seine Eltern sind, und ob, wann und wo er geboren wird.

Wir Christen werden uns weiter um lebensmüde, schwerstbehinderte und schwerstkranke Menschen kümmern durch unsere Einrichtungen der ambulanten und stationären Pflege, durch unsere psychiatrischen Einrichtungen, durch Palliativbetreuung und durch die Hospizbewegung.

Ich bin froh, dass in Thüringen dieses Engagement in gutem ökumenischen Geist geschieht und danke allen, die sich mit Freundlichkeit und Geduld der Menschen annehmen.