Seelsorge in der Corona-Krise

Bistum Erfurt aktualisiert bisherige Regelungen

Generalvikar Raimund Beck; Bild: Bistum Erfurt / Jens-Ulrich KochIn: Pfarrbriefservice.de

Erfurt (BiP). Das Bistum Erfurt hat seine Regelungen zur Seelsorge und Feier von Gottesdiensten unter den Bedingungen der Corona-Krise aktualisiert.
 

In einem Schreiben vom heutigen Tag (19. März) verpflichtet der Erfurter Generalvikar Raimund Beck alle Seelsorgerinnen und Seelsorger, sich an das zu halten, was die Behörden erlassen. Beck warnt ausdrücklich davor, „die besseren Virologen“ sein zu wollen und sich an Spekulationen über den Fortgang der Krise zu beteiligen. Generalvikar Raimund ist nach Bischof Ulrich Neymeyr der höchste Repräsentant des Bistums und kümmert sich besonders um Verwaltung und Organisation des kirchlichen Lebens.

 
In allen Kirchen und Kapellen des Bistums Erfurt unterbleiben weiterhin alle öffentlichen Gottesdienste. Stattdessen sollen die Priester „stellvertretend für die Gläubigen die Heilige Messe unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ feiern, schreibt der Generalvikar. Um den Gläubigen wenigstens von Ferne eine innere Anteilnahme zu ermöglichen, sollen bei diesen Messfeiern die Wandlungsglocken läuten. Auch das dreimal tägliche Läuten zur Gebetszeit des Angelus und das Sonntagsgeläut seien beizubehalten. „Zusätzlich werden an jedem Sonntag und vor allem am Ostersonntag bistumsweit um 10 Uhr die Glocken in allen Kirchen geläutet, um die Auferstehungsbotschaft kundzutun“, ordnet der Generalvikar an.

 
Konkrete Anliegen und Bitten der Menschen sollen in die Gottesdienste eingebracht werden. Beck empfiehlt, für die Sammlung von Fürbitten Pinnwände in den Kirchen aufzustellen oder Bücher auszulegen. Selbstverständlich könnten Fürbitten auch schriftlich oder per Mail an die Pfarrbüros geschickt werden. Auf seiner Webseite stellt das Bistum Erfurt Vorlagen zur Verfügung, um die Sonntage und die Kar- und Ostertage daheim heiligen zu können. Live-Streaming-Übertragungen wird es seitens des Bistums nicht geben. Der Generalvikar verweist stattdessen auf vorhandene Angebote im Internet, etwa von Katholisch.de und Domradio.de. Auch im öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehprogramm gibt es Gottesdienstübertragungen.

 
Das Verbot, Gottesdienste öffentlich zu feiern, betrifft auch die Erstkommunionfeiern und Firmungen. Erstkommunionen am Weißen Sonntag (19. April) seien abzusagen und auf einen späteren Termin zu verlegen, schreibt Generalvikar Beck. „Bei nach dem Weißen Sonntag geplanten Erstkommunionfeiern ist vor Ort abzuwägen, ob diese Termine vorläufig beibehalten werden oder schon jetzt auf später verschoben werden.“ Gleiches gelte für die Firmungen. „Neue Termine sind mit den jeweiligen Bischöfen zu vereinbaren“, so Beck.

 
Auch für Bestattungen gibt es starke Einschränkungen. Der Generalvikar mahnt eindringlich, „zwingend die Vorgaben einzuhalten, die durch die regionalen Allgemeinverfügungen auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes erlassen sind.“ Momentan gelte, dass Beerdigungen in einem verkürzten Ritus stattfinden können. „Es kann nur die Feier am Grab unter Beteiligung der engsten Familienmitglieder (Verwandte ersten und zweiten Grades) gehalten werden.“ Das öffentliche Requiem sei zu einem späteren Zeitpunkt zu feiern.


Die Feier von Taufen und Trauungen werden nach einem Gespräch mit den betreffenden Familien, Eheleuten und erwachsenen Täuflingen verschoben.

 
„Die Spendung der Kommunion und Krankensalbung an einzelne Schwerstkranke und Sterbende ist möglich.“ Dabei seien jedoch entsprechende Hygienemaßnahmen zu treffen In Krankenhäusern, Altenheimen und vergleichbaren Einrichtungen sei im Einvernehmen mit dem medizinischen Personal zu handeln. Reguläre Krankenbesuche sollten aber ausgesetzt werden, legt der Generalvikar fest. Allerdings sollten die Seelsorger Kontakt zu den Hauskranken halten und unter Umständen Hilfeleistungen anbieten.

 
Die Beichte, das Sakrament der Buße, sollte nur unter besonderer hygienischer Sorgfalt gespendet werden. „Die Osterbeichte kann auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden“, so der Generalvikar. Die Bußordnung sei in diesem Punkt außer Kraft gesetzt.

 
Zum Schluss seines Schreibens wendet sich Generalvikar Beck an die Kirchengemeinden. „Die jetzige Situation sollte nicht verhindern, vor Ort kirchliche Gemeinschaft zu sein und aufeinander zu achten. Möglicherweise gibt es nun Impulse, sich neu als Gemeinschaft zusammenzufinden.“ Dazu könne gehören, Alleinstehende anzurufen und Unterstützung anzubieten, etwa in Form von Einkaufsdiensten, Kinder-Notbetreuung zu ermöglichen und die Möglichkeiten telefonischer oder digitaler Kommunikation auszunutzen, etwa in Form eines Seelsorgetelefons. Solange es von staatlicher Seite keine anderen Anweisungen gebe, könnten die Kirchen für das persönliche Gebet offengehalten werden – auch so, dass Menschen nach Feierabend zum Gebet kommen könnten. Und nicht zuletzt empfiehlt der Generalvikar, „die Menschen wahrzunehmen, deren wirtschaftliche Existenz durch die derzeitige Situation bedroht ist und – wo es möglich ist – Solidaritätsangebote zu machen.“

 

Dokumentation: Der Brief des Generalvikars im Wortlaut


Seelsorge unter Bedingungen der Pandemie

 

Festlegungen, Dienstanweisungen und Hinweise für Gottesdienste und Seelsorge im Bistum Erfurt unter den Bedingungen der Corona-Virus-Pandemie, Stand 19. März 2020

 

Gottesdienste:

-          In allen Kirchen und Kapellen des Bistums Erfurt unterbleiben alle öffentlichen Gottesdienste.

-          Die Priester feiern stellvertretend für die Gläubigen die Heilige Messe unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

-          Bei diesen Gottesdiensten werden beim Hochgebet die Glocken geläutet.
So bleibt der Gottesdienst nicht auf die Kirche begrenzt. Gläubige, die die Wandlungsglocke hören, sind zum privaten Gebet eingeladen, dort, wo sie sich gerade aufhalten.
Gleiches gilt für die Gottesdienste in geschlossenen klösterlichen Konventen und Gemeinschaften.

-           Menschen sollen die Möglichkeit haben, ihre konkreten Anliegen in die Feier der Hl. Messe, die die Priester stellvertretend für die Gläubigen feiern, einzubringen.
(Dafür kann z.B., solange Kirchen offen gehalten werden können, in der Kirche eine Pinnwand aufgestellt/ein Buch für Fürbitten ausgelegt werden, oder die Einladung ausgesprochen werden, Fürbitten schriftlich oder per Mail ans Pfarrbüro zu schicken.)

-          Vom Bistum werden Vorlagen zur Verfügung gestellt, um zu Hause den Sonntag zu heiligen. Solche Vorlagen wird es auch für die Kar- und Ostertage geben. Die Vorlagen werden auf der Homepage des Bistums veröffentlicht.

-          Das Bistum wird keine Streamingangebote zur Verfügung stellen. Es wird auf die vorhandenen Möglichkeiten im Internet (z.B. Katholisch.de oder Domradio) verwiesen.
Die Gläubigen sind eingeladen, eigene Formen der gottesdienstlichen Feier zuhause zu finden. Der Kreativität vor Ort sind keine Grenzen gesetzt!

-          Das Angelusläuten und das Sonntagsläuten sind beizubehalten.
Zusätzlich werden an jedem Sonntag und vor allem am Ostersonntag bistumsweit um 10.00 Uhr die Glocken in allen Kirchen geläutet, um die Auferstehungsbotschaft kundzutun.

-          …

 

Sakramentenspendung:

Krankenkommunion und Krankensalbung

Die Spendung der Kommunion und Krankensalbung an einzelne Schwerstkranke und Sterbende ist möglich. Dabei sind jedoch Hygienemaßnahmen zu treffen (Händewaschen vorher und nachher, Einweghandschuhe etc.). In Krankenhäusern, Altenheimen und vergleichbaren Einrichtungen ist im Einvernehmen mit dem medizinischen Personal zu handeln.

Beichte

Das Sakrament der Buße sollte nur unter besonderer hygienischer Sorgfalt gespendet werden.
Die Osterbeichte kann auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Die Bußordnung ist in diesem Punkt außer Kraft gesetzt.

Taufen und Trauungen

Bei geplanten Taufen und Trauungen ist durch die Seelsorger das Gespräch mit den betreffenden Familien und Eheleuten zu suchen, um die Feier zu verschieben. Nottaufen sind möglich.

Mit erwachsenen Taufbewerbern, die in der Osternacht getauft werden sollten, ist durch die Seelsorger das Gespräch zu suchen.
Die Tauffeier kann entweder auf einen späteren Zeitpunkt terminiert werden, oder man feiert die Taufe im ersten öffentlichen Sonntagsgottesdienst.

Erstkommunion und Firmung

Erstkommunionen am Weißen Sonntag sind abzusagen und auf einen späteren Termin zu verlegen. Bei nach dem Weißen Sonntag geplanten Erstkommunionfeiern ist vor Ort abzuwägen, ob diese Termine vorläufig beibehalten werden oder schon jetzt auf später verschoben werden (z.B. nahe an den Sommerferien).

Gleiches gilt für die Firmungen. Neue Termine sind mit den jeweiligen Bischöfen zu vereinbaren.

Beerdigung

Es sind zwingend die Vorgaben einzuhalten, die durch die regionalen Allgemeinverfügungen auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes erlassen sind.

Momentan gilt:
Beerdigungen finden in einem verkürzten Ritus statt.
Es kann nur die Feier am Grab unter Beteiligung der engsten Familienmitglieder (Verwandte ersten und zweiten Grades) gehalten werden.
Das öffentliche Requiem ist zu einem späteren Zeitpunkt zu feiern.

 

Vor Ort Kirche sein:

Die jetzige Situation sollte nicht verhindern, vor Ort kirchliche Gemeinschaft zu sein und aufeinander zu achten. Möglicherweise gibt es nun Impulse, sich neu als Gemeinschaft zusammenzufinden. Dem dient:

-          Alleinstehende, die sonst oft in Gottesdienste und andere Veranstaltungen kommen, anzurufen und zu fragen, wie es ihnen geht und ob sie Unterstützung brauchen.

-          Vernetzungen zu ermöglichen: vielleicht können Ministranten Einkaufdienste anbieten oder Kinder im Notfall betreuen…

-          Ein Seelsorgetelefon einzurichten für Menschen, die Gesprächsbedarf haben. Möglicherweise kann man sogar der Kommune ein solches Gesprächsangebot machen.

-          Das Pfarrbüro unter besonderer Beachtung von Hygienevorschriften offenzuhalten.
Die Möglichkeiten telefonischer oder digitaler Kommunikation sind soweit als möglich auszunutzen.

-          Solange es von staatlicher Seite keine anderen Anweisungen gibt: die Kirchen für persönliches Gebet offenzuhalten – auch so, dass Menschen nach Feierabend zum Gebet kommen können.

-          Die Menschen wahrzunehmen, deren wirtschaftliche Existenz durch die derzeitige Situation bedroht ist und – wo es möglich ist – Solidaritätsangebote zu machen.

 

Einzelseelsorge:

Auch die Menschen in Altenheimen und Krankenhäusern brauchen die Zuwendung der Priester und der anderen hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger. Sollte es Probleme mit der Leitung der Einrichtung geben wenden Sie sich bitte an das Seelsorgeamt (0361-6572-311).

Reguläre Krankenbesuche sollten ausgesetzt werden, allerdings sollten die Seelsorger Kontakt zu den Hauskranken halten und u.U. Hilfeleistungen anbieten.

 

Allgemein und grundlegend:

Wir sind nicht die besseren Virologen, sollten uns nicht an Spekulationen, wie es weitergeht, beteiligen und uns an das halten, was die Behörden erlassen. Es wird uns ein hartes Fasten auferlegt, das wir annehmen sollten und nutzen, um ein wenig kürzer zu treten.

Für Fragen in pastoralen Belangen ist das Telefon 0361-6572-311 Montag bis Freitag von 7-16 Uhr besetzt.