Restaurierung des Hochaltares im Erfurter Dom bald abgeschlossen

Sponsoren verewigen sich mit Namen

Die Restaurierung des barocken Hochaltares im Erfurter Dom steht kurz vor ihrer Vollendung. Im Festgottesdienst am ersten Weihnachtstag soll der Hochaltar wieder in Gebrauch genommen werden. Auf rund 820.000 Mark belaufen sich die Restaurierungskosten, die zum Teil durch die Aktion "Sponsoren-Patenschaft" finanziert wurden. Einzelpersonen, Interessengemeinschaften oder Firmen haben dabei eine (finanzielle) Patenschaft für eine der vierzehn lebensgroßen Heiligenfiguren des Hochaltares übernommen. Zwar fanden sich bisher nicht für jeden Heiligen Paten (Bischof Eoban z.B., seit 756 im Dom begraben, ist immer noch ohne Sponsor), aber immerhin 98.600 Mark kamen so zusammen; weitere 96.000 Mark sind zugesagt. Wie die Stifter des Domes in vergangener Zeit sind auch die Sponsoren von heute in das Gebet der Gemeinde eingeschlossen.

Alle Sponsoren sind von Dompfarrer Reinhard Hauke zu einem öffentlichen Festakt am Freitag, 15. Dezember, 13 Uhr, in den Dom eingeladen, um ihre restaurierten "Patenkinder" in Augenschein zu nehmen und auf der Rückseite der Figuren ein Schild mit dem Sponsorennamen anzubringen. Dabei werden auch Erläuterungen zur Geschichte des Hochaltares und seiner jüngsten Restaurierung gegeben. Domorganist Silvius von Kessel umrahmt die Feier mit festlicher Musik. Den Sponsoren, den Restauratoren, den Architekten sowie dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege gilt der Dank des Domkapitels für die (ermöglichte) zügige und fachgerechte Arbeit innerhalb von vier Monaten.

Anlage

  • Zeitplan bis zur Ingebrauchnahme des Hochaltares
  • "Patenlose" Heiligenfiguren
  • Zur Restaurierung des Hochaltares

 

Zeitplan bis zur Ingebrauchnahme des Hochaltares:

15.12.2000

Festakt für die Sponsoren

18./19.12.2000

Abbau des Gerüstes

20.12.2000

Wiedereinsetzung des restaurierten Tabernakels (eine Art Schrank zur Aufbewahrung des eucharistischen Brotes)

25.12.2000,
1. Weihnachtstag

Ingebrauchnahme des Hochaltares im Festgottesdienst

 

"Patenlose" Heiligenfiguren:

Sponsoren werden noch gesucht für:

Hl. Martin:

15.000 DM

Hl. Evangelist Johannes:

15.000 DM

Hl. Erzengel Raphael:

18.000 DM

Hl. Johannes der Täufer:

15.000 DM

Hl. Petrus:

12.000 DM

Hl. Eoban:

20.000 DM

Potentielle Sponsoren wenden sich bitte an Dompfarrer Dr. Reinhard Hauke (Tel./Fax 0361-6572402 oder Tel. 0361-6572410)

 

Zur Restaurierung des Hochaltares im Erfurter Dom

Seit Anfang September 2000 wird der barocke Hochaltar im Dom zu Erfurt restauriert. Die derzeit durchgeführten Maßnahmen sind die umfangreichsten seit etwa 50 Jahren.

An dem aus dem Jahr 1697 stammenden und komplett aus Holz gefertigten Altar steht neben der allgemeinen Substanzsicherung die Reinigung der polychromen Fassung an erster Stelle. Dabei soll die aus dem Jahre 1823 stammende, sehr empfindliche helle Marmorierung der Altararchitektur und die Weiss/Gold-Fassung der vollplastischen Figuren von einer bis zu 15 mm starken Schmutzschicht befreit werden.

Insbesondere in den 40er Jahren unseres Jahrhunderts haben starke Klimaschwankungen im Innenraum des Hohen Chores zu teilweise erheblichen Malschichtschäden geführt. Die sehr schwach gebundene Mal- und Grundierungsschicht ist im Laufe der letzten Jahrzehnte stark verdunkelt, die Marmorierung bereichsweise kaum noch als solche wahrnehmbar, Farbschollen lösen sich und in vielen Bereichen wird die aus dem Jahre 1706 stammende, in sehr dunklen Farbtönen gehaltene Erstfassung sichtbar. Holzsubstanzverluste, Wasserränder, farbverändernde Retuschen und unsachgemäß ausgeführte Goldergänzungen beeinträchtigen das Erscheinungsbild zudem.

Im Vorfeld zur derzeitigen Restaurierung wurde ein Teilbereich exemplarisch untersucht und nach Erprobung verschiedenster Restaurierungsmethoden und Technologien ein Gesamtkonzept erarbeitet. Im Ergebnis wird die nahezu gesamte Oberfläche mittels verschiedener Radiermedien (Radierschwämme und -gummis mit verschiedenen Härtegraden) bearbeitet und dadurch weitestgehend trocken gereinigt. Eine wässrige Reinigung muss aufgrund der sehr schwach gebundenen Mal- und Grundierungsschicht vermieden werden. Die mitunter sehr problematische Festigung einzelner Holzpartien erfolgt mit Hausenblasenleim und modifizierten Kunstharzlösungen (Paraloid B72). Retuschen und Fassungsergänzungen werden mit Acrylfarben durchgeführt, Goldergänzungen bereichsweise mit Muschelgold, bereichsweise als Polimentvergoldung entsprechend dem Bestand. Ein abschließender transparenter Firnis soll die gereinigte Oberfläche auf längere Zeit konservieren und vor neuen Fassungsverlusten schützen.

Da der allgemeine Erhaltungszustand der Fassung tendenziell von unten nach oben besser ist, werden in Angleichung an das in den oberen drei Vierteln erreichbare Reinigungsergebnis im unteren Viertel Teilbereiche lasierend überfasst. Dabei sollen jedoch gut erhaltene Marmorierungs- und Vergoldungsbereiche eingebunden werden.

Da die Maßnahmen bis Ende 2000 abgeschlossen sein sollen, wurde in Abstimmung mit den zuständigen Denkmalfachbehörden eine Arbeitsgemeinschaft aus fünf hochqualifizierten Erfurter Restaurierungswerkstätten gebildet.

Beteiligte Firmen:

  • Kirchliche Werkstätten für Restaurierung Erfurt GmbH
  • Restauratorenteam GmbH Böddeker & Schlichting
  • Restaurierungsatelier Coreon
  • Restaurator Hans Bruckschlegel
  • Restaurierungsatelier Detlef Kautz
  • Nüthen Restaurierungen

 

Diplomrestaurator Michael Bruckschlegel

Leitender Restaurator

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Stichwort "Hochaltar"