Dokumentation:
- Pressemitteilung vom 4. Mai 2001, im Vorfeld der Festveranstaltung
- Programm der Festveranstaltung "Religionsunterricht - Chance für die Gesellschaft"
- Grußwort von Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht
- Dokumentation der Vorträge von Prof. Nipkow und Prof. Wollbold
Pressemitteilung vom 4. Mai 2001
Erfurt (BiP). Die Wirklichkeit deuten, nach dem Sinn des Lebens fragen und ethische Orientierung ermöglichen - das sind Ziele des schulischen Religionsunterrichtes. In Thüringen gibt es ihn seit 10 Jahren. Aus diesem Anlass findet am Donnerstag, 10. Mai, eine ökumenische Festveranstaltung in den Erfurter Messehallen statt. Neben den Bischöfen der katholischen und der evangelischen Kirchen in Thüringen nehmen Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel und Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht daran teil. In Vorträgen und Diskussionen geht es um die Frage nach der Zukunft des Religionsunterrichtes in einer Gesellschaft mit Menschen verschiedener Nationalitäten und Weltanschauungen. Religionslehrer und Interessierte sind herzlich willkommen.
In Thüringen besuchen rund ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht - sei es klassenweise am Vormittag in der Schule, alternativ zum Ethikunterricht, oder im Ausnahmefall schulübergreifend am Nachmittag in den Räumen einer Kirchengemeinde. "Nach zehn Jahren hat der Religionsunterricht in der Thüringer Schullandschaft seinen Standort gefunden", bilanziert Dr. Martin Fahnroth, Leiter der Schulabteilung im Bischöflichen Ordinariat. Der Religionsunterricht sei von Land und Kirchen gewollt, von den Eltern akzeptiert und werde von den Schülerinnen und Schülern als selbstverständliches Fach neben anderen täglich erfahren.
Das war nicht immer so. In der DDR durfte es in der Schule keinen Religionsunterricht geben. Das Erkenntnis- und Bildungsmonopol lag bei der SED, die andere Weltanschauungen als den Sozialismus nicht akzeptierte. Für Katechese und religiöse Unterweisung blieben nur die kirchlichen Räume. Wer dorthin ging und ernst nahm, was er lernte, musste mit Diskriminierung und Nachteilen für den eigenen Lebensweg rechnen. Erst die Deutsche Einheit ermöglichte in Ostdeutschland, was vorher als undenkbar galt: freie Religionsausübung und deshalb auch Religionsunterricht in der Schule (Artikel 3, 4 und 7 des Grundgesetzes).
"Religionsunterricht ist eine Chance für unsere Gesellschaft, in die die Schülerinnen und Schüler hineinwachsen", meinen die Bischöfe der in Thüringen ansässigen Kirchen. In der Tat: Sowohl die Schüler als auch die Gesellschaft können vom Religionsunterricht profitieren. Die Schüler, weil er zur Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. Die Gesellschaft, weil den Heranwachsenden gesellschaftlich relevante Werte und Normen vermittelt werden. Dies geschieht nicht durch Einpauken christlicher Wissensbestände - ein Zerrbild des Religionsunterrichtes. In ihm geht es eher um Antwortversuche aus der christlichen Lebenserfahrung heraus - auf Fragen nach Gott, Lebenssinn und Weltdeutung, nach Normen für das menschliche Handeln. Und um das Handeln aus christlicher Motivation heraus. Denn das allgemeine Ziel der Thüringer Lehrpläne ist es, "alle Schüler zur Mitwirkung an den gemeinsamen Aufgaben in Schule, Beruf und Gesellschaft zu befähigen". Als ordentliches Unterrichtsfach trägt der Religionsunterricht dazu bei.
Die Bischöfe schätzen die Wirkung des Religionsunterrichtes positiv ein: "Dort, wo Schülerinnen und Schüler Religionsunterricht erfahren, wird allmählich ein Segen spürbar", schreiben die Thüringer Bischöfe in ihrer Einladung zur Jubiläumsfeier. Und signalisieren, dass die Kirchen in Sachen Religionsunterricht wach bleiben wollen - nicht nur für die nächsten 10 Jahre.
Programm der Festveranstaltung
"Religionsunterricht - Chance für die Gesellschaft"
am 10. Mai 2001 in den Erfurter Messehallen
9:30 Uhr:
Ökumenischer Gottesdienst mit Landesbischof Roland Hoffmann, Bischof Dr. Joachim Wanke und Oberkirchenrätin Dr. Marie-Elisabeth Lüdde
11:00 Uhr:
Begrüßung: Bischof Axel Noack
Ansprache: Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel
Grußwort: Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht
11:30 Uhr
Vortrag: Prof. Dr. Karl Ernst Nipkow und Prof. Dr. Andreas Wollbold
anschl.
Podiumsgespräch mit Staatssekretär Hermann Ströbel, Kultusminister a.D. und CDU-Fraktionsvorsitzender Dieter Althaus, Prof. Dr. Karl Ernst Nipkow, Prof. Dr. Andreas Wollbold und Oberkirchenrat i.R. Ludwig Große
Fragen der Zuhörer
14:00 Uhr
Stehimbiss
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