Priesterweihe für Tobias Reinhold und Dominik Trost im Erfurter Dom

Als Diakone in Gotha und Arnstadt gearbeitet

Erfurt (BiP). Bischof Dr. Joachim Wanke weiht am Pfingstsamstag, 18. Mai, die Diakone Tobias Reinhold aus Deuna und Dominik Trost aus Günterode zu Priestern für das Bistum Erfurt. Seit den Anfängen der Kirche wird das Sakrament der Priesterweihe durch Handauflegung und Weihegebet gespendet. Die Weiheliturgie beginnt um 9.30 Uhr im Erfurter Mariendom. Gesanglich gestalten der Vocalkreis Gotha und eine Schola des Priesterseminars die Feier, Domorganist Silvius von Kessel spielt die Orgel. Am Ende der Liturgie spenden die beiden Neupriester ihren Eltern und dem Bischof den Primizsegen. Zum Auszug aus dem Dom läutet gegen 11 Uhr die Gloriosa. Die Feierlichkeiten zur Priesterweihe enden mit einer Dankandacht um 14 Uhr im Hochchor des Domes.


Tobias Reinhold (25) konnte sich schon als Fünfjähriger vorstellen, einmal Priester zu werden. Sein Glaube wurde stark von Familienangehörigen und besonders von seinem ehemaligen Heimatpfarrer Josef Pfeiffer geprägt. Nach dem Abitur im Jahr 1995 am Staatlichen Gymnasium Leinefelde begann Reinhold in Erfurt das Theologiestudium, das er im Jahr 2000 abschloss. Für zwei Semester studierte Reinhold in Salzburg, "eine sehr intensive und bereichernde Zeit", wie er sagt. Schon während des Studiums absolvierte er verschiedene Praktika, darunter ein Gemeindepraktikum in Sömmerda. "Hier erlebte ich zum ersten Mal, wie Katholiken in der Diaspora leben. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung", stellt der gebürtige Eichsfelder im Rückblick fest. Die Thüringer Diaspora war auch der Ort seines Praktikums nach der Diakonenweihe im vergangenen Jahr. Die Pfarrei St. Bonifatius in Gotha erlebte Tobias Reinhold als eine "sehr lebendige und engagierte Gemeinde". Hier erteilte der frisch geweihte Diakon selbständig Religionsunterricht, beerdigte und bereitete 16 Jugendliche auf die Firmung vor. Reinhold gefiel es, selbständiger als in den früheren Praktika arbeiten zu können. Dennoch kam er gerne zu Gesprächen mit Gemeindepfarrer Georg Schuchardt zusammen, um etwa eine Predigt oder Wortgottesdienste zu besprechen. "Von den Erfahrungen älterer Pfarrer kann man viel lernen", meint er. Als "intensive Zeit" bezeichnet Reinhold die Arbeit mit alten Menschen bei der Caritas in Gotha. Er machte Hausbesuche, betreute einzelne Senioren und kümmerte sich besonders um eine Frau, die sich nur im Rollstuhl außerhalb ihrer Wohnung bewegen kann. Aber Reinhold war auch gerne mit Jugendlichen zusammen, von denen viele zu seiner Priesterweihe nach Erfurt kommen wollen. In welcher Gemeinde er danach als Kaplan arbeiten wird, weiß er noch nicht. Doch Tobias Reinhold hofft auf eine ebenso "offene und herzliche Aufnahme wie in Gotha".


Für Dominik Trost (26) wurde die Entscheidung, Priester zu werden, durch sein Engagement in der Heimatpfarrei in Günterode grundgelegt. Hier war er Ministrant, Lektor und Küster und interessierte sich zunehmend für einen Dienst in der Kirche. Der enge Kontakt zu Priestern der Umgebung und zu seinem Heimatpfarrer verstärkten dieses Interesse. 1994 absolvierte er sein Abitur, belegte anschließend einen einjährigen Kurs für alte Sprachen in Magdeburg und begann 1995 das Theologiestudium in Erfurt. Die endgültige Entscheidung zum Priestertum fiel während zweier Semester in Wien. Praktische Erfahrungen sammelte Dominik Trost nach dem Studium während eines Gemeindepraktikums in Heyerode. Nach seiner Diakonenweihe ging Dominik Trost für ein halbes Jahr nach Arnstadt in die Pfarrei St. Elisabeth. Hier übernahm er nicht nur die die üblichen Aufgaben eines Diakons, predigte, beerdigte und taufte, sondern arbeitete auch in der Gefängnisseelsorge der Jugendstrafanstalt Ichtershausen, wo der Pfarrer von St. Elisabeth Gefängnisseelsorger ist. Nach vielen Gesprächen und Einzelbesuchen in den Hafträumen zeigt sich Diakon Trost erschüttert über so manches Schicksal der jugendlichen Haftinsassen. "Familie ist wichtig", sagt er nicht nur im Blick auf seine Gefängnisarbeit. Das haben ihm auch Besuche bei Kranken und Sterbenden gezeigt. "Einsamkeit kann schlimmer sein als körperliche Schmerzen", fasst er seine Erfahrungen zusammen. Darum hat er sich gefreut, "in der Gemeinde wie in einer Familie aufgenommen" worden zu sein. Ebenso positiv erlebte er die ökumenische Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde. "Das wünsche ich mir auch für meine Gemeindearbeit nach der Priesterweihe", so der 26jährige.



Stichwort "Priesterweihe"

Nach römisch-katholischem Kirchenrecht kann nur ein getaufter und gefirmter Mann zum Priester geweiht werden. Er muss unverheiratet sein und das 25. Lebensjahr vollendet haben. Das Zölibatsversprechen legt der Kandidat bereits vor der Weihe ab.

Zwischen dem Eintritt in das Theologiestudium und dem Zeitpunkt der Priesterweihe liegen rund sieben Jahre. In dieser Zeit absolviert der Bewerber ein fünfjähriges Studium der Philosophie und Theologie sowie Praktika in Gemeinden und sozialen Einrichtungen. Die Priesteramtskandidaten der ostdeutschen Diözesen studieren in der Regel in Erfurt und leben im dortigen Priesterseminar, wo sie auch eine geistliche Prägung erhalten. Darüber hinaus ist es üblich, dass die Studenten zwei Semester außerhalb des Kollegs leben. Meist wechseln sie dabei die Stadt und die Universität.

Nach dem Studium geht der Priesterweihe die Weihe zum Diakon voraus, ein eigenständiges Dienstamt, das es schon im Urchristentum gab. Im Laufe der westlichen Kirchengeschichte entwickelte es sich zur Vorstufe des Priestertums. Die Aufgaben des Diakon liegen im gottesdienstlichen und caritativen Bereich. Seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) ist die Eigenständigkeit des Diakonates wieder hergestellt. So können sich heute auch (verheiratete) Männer zum Diakon weihen lassen, ohne Priester werden zu wollen.

Die Priesterweihe erfolgt durch die Handauflegung und das Weihegebet des Bischofs. In seinem Gebet ruft der Bischof die Kraft Gottes auf den Weihekandidaten herab. Nach dem Bischof legen auch die anwesenden Priester des Bistums dem Kandidaten die Hände auf - als Zeichen der Aufnahme in die Gemeinschaft der Priester. Der Handauflegung und dem Gebet geht eine Befragung voraus, bei der der Weihekandidat seine der Bereitschaft zum Dienst öffentlich erklärt und dem Bischof und seinen Nachfolgern den Gehorsam verspricht. Da die Priesterweihe nach katholischen Glauben ein Sakrament ist, also ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit Gott, kann sie vom Menschen nicht rückgängig gemacht werden.



link