Was wäre gewesen, wenn es im Jahr 30 n. Chr. in Jerusalem einen Lockdown gegeben hätte? Alle Aufträge der Engel wären nicht angekommen, denn dann hätten die Frauen nicht zum Grab gehen können. Und auch die Emmausjünger hätten ein Problem gehabt, die Erfahrung mit dem Auferstandenen weiter zu sagen. Im Scherz könnte man sagen: Es ist noch mal alles gut gegangen. Ist es wirklich so?
Die Frauen kommen zum leeren Grab mit ihren Ölgefäßen und finden denjenigen nicht mehr, den sie nach alter Tradition salben wollen, was sie wohl am Karfreitag bei der Grablegung wegen des anbrechenden Sabbats nicht mehr geschafft hatten. Ihr Problem ist der große Rollstein, von dem sie nicht wissen, wie sie ihn bewegen sollen. Doch wenn sich auch dieses Problem des Grabsteins als gelöst zeigt, so ist doch das leere Grab das nächste Problem. Hier erhalten sie die Botschaft von der Auferstehung Jesu und den Auftrag, den Jüngern zu sagen, dass sie Jesus in Galiläa sehen werden. Was sie selbst kaum glauben können, sollen sie nun den Apostel sagen und von einer Begegnung mit einem Engel berichten. Alles, was wir hier hören, verlangt einen großen Glauben an das Unglaubliche einer Totenerweckung. Die Engel trauen und muten es den Frauen zu, diese Botschaft weiter geben zu können.
Alle Mühe in der Vorbereitung zur Grabpflege war umsonst. Das Geld für die kostbaren Salben hätte man sich sparen können. Der Ostermorgen hat mit Frustration und Erschrecken zu tun – so der erste Eindruck, wenn man die Evangelientexte liest. Ich sehe aber darin auch eine deutliche Botschaft, dass die Begegnung und Gemeinschaft mit Jesus Christus immer mit Überraschungen zu tun hat.
Es gibt keine eingefahrenen Wege der Kirche und des Evangeliums. Es braucht überall auf der Welt die Missionare, die auch bereit sind, umzudenken und neu zu planen, wenn es um die Weitergabe des Evangeliums geht. Die Dominikaner mussten bei der Mission in Asien lernen, dass nicht schwarz die Farbe der Trauer ist, sondern weiß. Sie sind an der Mission gescheitert, weil sie dort kein Einsehen hatten. Die Franziskaner hatten sich auf diese Farbtradition eingelassen und hatten Erfolg.
Die Pandemie scheint auch zu einem neuen Denken betreffs der Möglichkeiten zur Weitergabe des Evangeliums anzuregen, wenn berichtet wird, dass in einem on-line-Bibelkreis auch gehbehinderte und alte Gemeindemitglieder teilnehmen können, was ihnen bisher nicht möglich gewesen ist. Manche sprechen von einer neuen Art der Weitergabe des Evangeliums durch die Medien, weil dadurch die Menschen eine noch größere Freiheit in der Entscheidung haben, sich mit Fragen des Glaubens zu beschäftigen oder abzuschalten.
Ich denke, dass wir weiterhin auf der Suche sein müssen nach Hinweisen, die uns sagen, dass es der derzeitigen Situation auch etwas Positives abzugewinnen gilt. Vor allem spüren wir, wie wichtig uns im Glauben und der Glaubensweitergabe die Begegnung und Berührung ist. Auch eine Taufe und Firmung geht nur mit Berührung und Begegnung. Wir versuchen, es in einer angemessenen Weise mit Sicherheit und Abstand zu ermöglichen – auch in diesem Gottesdienst.
Vielleicht kommt auch heute noch so mancher Seelsorger mit der Vorstellung, dass die Vorbereitung auf die Sakramente nur in der bisherigen Form möglich ist. Was soll es bringen, wenn Kinder beim Bäcker entdecken, wie Brot gemacht wird? Was soll es bringen, wenn Eltern der Erstkommunionkinder sich bereit erklären, einen Teil des Unterrichtes zu übernehmen? Was soll ein Segelturn mit Firmlingen bringen, wo sie eine Woche auf einem Schiff zusammen leben und arbeiten müssen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es hier Konflikte geben wird, durch die große Wunden im Miteinander aufgedeckt werden und die erst dann ja verbunden und geheilt werden können. Erst wenn die Eltern der Erstkommunionkinder entdeckt haben, dass sie eine Weiterbildung in der Frage nach der Bedeutung der Eucharistie haben, werden sie sich bewegen und vielleicht erst einmal heimlich ein Buch darüber lesen oder im Erstkommunionbuch der Kinder blättern. Erst dann, wenn der Jugendliche durch die Mitschüler gefragt wurde, was er bei der Firmung macht und was sie bedeutet, wird er selbst sich sein Vorbereitungsmaterial intensiver anschauen, denn er hat gespürt: Man interessiert sich für den Glauben. Erst dann, wenn die ungetaufte Freundin den katholischen Freund fragt, wie ein Gottesdienst abläuft, wird er sich selbst noch einmal im GOTTESLOB darüber informieren und gemeinsam mit der Freundin den Text lesen. Wenn wir angefragt sind in unserem Bekenntnis, werden wir nach neuen Wegen suchen, dieses Bekenntnis zu formulieren.
Die Veränderungen in den alten Formen bringen es mit sich, dass einige traurig sind, weil eben nicht mehr alles so ist wie früher. Was jedoch bewirkt die Bewahrung der Glut des Feuers, wo es doch Interessenten am brennenden Feuer gibt?
Bei der heutigen Tauffeier sind auch Freunde und Bekannte der Täuflinge mit, die vielleicht nicht so oft in einen Gottesdienst gehen. Was erleben sie in diesem Gottesdienst? Ist erkennbar, dass er für uns die Mitte des Glaubens darstellt? Wir sind meistens nicht so gestimmt, dass wir bei jedem Halleluja vor Begeisterung stark und laut werden. Dennoch ist dieser österliche Ruf mit Begeisterung gefüllt und drückt unsere Freude über den Sieg des Auferstandenen aus. Der Tod hat keine endgültige Bedeutung mehr und der Sünder bleibt nicht in seiner Schuld stecken. „O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden“ – war der frohe Ruf des Exsultet. Wir gehen auch heute wieder nach dem Gottesdienst in die Nacht hinaus, aber es ist die Osternacht, die durch die Auferstehung Jesu alles verändert hat. Wir brauchen nicht mehr auf den Erlöser hoffen und nach dem Messias Ausschau halten, dass er kommt, um uns zu erlösen. Wir müssen nicht mehr rätseln, wie der Weg des himmlischen Vaters bei der Erlösung der Menschen von Sünde und Schuld aussieht und wie sich die Welt dadurch auf die Erneuerung der Welt und Schöpfung einstellen soll. Es ist alles ins Licht gekommen, was die Menschen ersehnt haben. Es ist Klarheit in den Nebel der Vermutungen und Hoffnungen gekommen.
Das Wappen von Klettbach, wo Herr Oliver Lausch wohnt, zeigt zwei Kletten in einem Bach zwischen dem Mainzer Rad und der Mühle von Klettbach. Der Bach mit Wasser führt zwei Kletten mit sich, die eigentlich unangenehm am Menschen haften. Heute könnte man deuten: Die Taufe mit Wasser hat auch die Wirkung, dass bleibend etwas an uns haftet wie die Kletten.
Das Wappen von Ghana zeigt ein Schriftband: „Freedom and Justice“. Wenn wir auch wissen, dass dieser Text nicht der politischen Wahrheit in diesem Land entspricht, da Menschenrechtsverletzungen besonders gegenüber Frauen bekannt sind, so dürfen wir ihn heute doch so deuten: „Freiheit und Gerechtigkeit“ wird demjenigen geschenkt, der sich Jesus Christus anvertraut.
So darf ich unsere beiden Taufbewerber von Herzen einladen, sich für Christus zu öffnen und ihn in das Leben einzuladen. Immer wird es Überraschungen mit ihm geben und wir werden vielleicht wie die Frauen mit Öl am Grab stehen, aber das Grab ist leer. Er wird uns aber niemals an diesem traurigen Punkt der Enttäuschung stehen lassen. Da bin ich sicher. Amen.
Lesungen:
Röm 6, 3-11
Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?
Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.
Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein.
Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind.
Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.
So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.
Mk 16, 1-7
Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.
Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging.
Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?
Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.
Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr.
Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wohin man ihn gelegt hat.
Nun aber geht und sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.

