Mühlen im Obereichsfeld

Das Bischöfliche Kommissariat in Heiligenstadt bringt ein neues Kompendium heraus


Das Bischöfliche Kommissariat bringt ein neues Kompendium heraus

Pressemitteilung des Bischöflichen Kommissariates für das Eichsfeld:*


Heiligenstadt. Vermutlich seit dem Neolithikum (Jungsteinzeit, ab zirka 5500 vor Christus in Mitteleuropa) - zu der Zeit, als unsere Vorfahren als ehemalige Nomaden nun als seßhafte Bauern u. a. Viehzucht und Ackerbau betrieben, also zur produzierenden Wirtschaftsweise übergingen - gehören Mahlsteine zum festen Bestandteil menschlicher Kultur. Der Mörser wurde dabei erst relativ spät von Drehmühlen abgelöst, die manuell zu bedienen waren. In römischer Zeit sind große Mühlen - so aus Pompeji - bekannt, die mit Maultieren betrieben worden sind. Die Wasserkraft nutzte man nachweislich seit der römischen Zeit. Der römische Ingenieur Vitruv - 1. Jahrhundert vor Christus - plante die als älteste Mühle nördliche der Alpen geltende Karlsmühle in Mertesdorf an der Ruwer bei Trier/Mosel als Gesteinsmühle zum Schneiden von Marmor. Windkraft setzte man seit dem Mittelalter ein.


Schon zur Zeit der Karolinger - etwa ab dem achten nachchristlichen Jahrhundert - zählte eine Mühle quasi zur Grundausstattung eines Königshofes oder einer Pfalz. Ebenso sind vielfach Kirchen sowie Klöster mit einer Mühle versehen worden. Dabei lassen sich verschiede Formen von Mühlen benennen, wie Lohmühlen, Mahl-, Graupen- und Schrotmühlen, Ölmühlen, Sägemühlen, Pulvermühlen, Hammermühlen, Schleifmühlen, Kalkmühlen, Knochenmühlen, Papiermühlen sowie Walkmühlen. Diese Aufzählung wäre problemlos fortzusetzen. Im Fokus des Interesses standen und stehen meist die Getreidemahlmühlen, was sich aus ökonomischen Erwägungen heraus unschwer erklärt.


Die frühesten urkundlichen Belege von Mühlen im Eichsfeld datieren in das 11. bis 14. Jahrhundert. Anne Severin ermittelt jüngst in dem Beitrag "Zur Geschichte der Mühlen im Altkreis Heiligenstadt" (In: Erhard Müller: Die Mühlen im Altkreis Heiligenstadt. 2. Auflage. Heiligenstadt 2008. Seite 71) als die älteste für das Eichsfeld nachweisbare Mühle die ehemalige Rohrberger Mühle, die ihre schriftliche Ersterwähnung für das Jahr 1055 erfährt. Für Heiligenstadt läßt sich die Herrnmühle mittels der 1248 begonnenen Mainzer Heberolle recht früh belegen. In Worbis erhielt 1311 das neu gegründete Zisterzienserinnenkloster vom Graf von Beichlingen eine unweit der Worbiser Peterskirche positionierte Mühle.


Die Müller unserer Region nutzten vor der Elektrifizierung zur Erledigung ihrer alltäglichen Arbeit insbesondere die Wasserkraft der zahlreichen Fluß- und Bachläufe.


Volker Große, der Mitautor des im Jahr 2006 veröffentlichen Buches "Verlorene Kulturstätten im Eichsfeld 1945 bis 1989. Eine Dokumentation." und Klaus Herzberg, der vor seinem Ruhestand etwa 40 Jahre in einer Erfurter Baufirma tätig war, trugen ab 2004 mehr als 300 derartige Mühlen - 262 durch Abbildungen nachzuweisende und 40 mit Hilfe der landeskundlichen Literatur zu belegende Mühlenstandorte - aus dem Obereichsfeld zusammen. Hinzu treten einige Beispiele an Windmühlen, deren geringe Anzahl infolge der ungünstigen geographischen sowie topographischen Lagebedingungen resultiert. Die in Kirchworbis lebenden Autoren, Volker Große und Klaus Herzberg - beides passionierte Heimatforscher - zeichnen sich durch ausgezeichnete Ortskenntnisse der eichsfeldischen Landschaft aus. Diese konnte beispielhaft der Letztgenannte durch sein Engagement im Naturschutz unserer Region gewinnen.


Volker Großes und Klaus Herzbergs Erfahrungen und Fähigkeiten ermöglichten die Zusammenstellung dieses "Kompendiums", das auf 400 Seiten die genannte Anzahl an Mühlen umfaßt. Ü;ber 460 Abbildungen, meist in Form von historischen und aktuellen Fotografien dienen einer besseren Anschaulichkeit und inhaltlichen Erschließung. Zur weiteren Dokumentation nutzen und verwenden die Verfasser hauptsächlich aus dem Worbiser Kreisblatt stammende Anzeigen; zudem Vorlagen, die auf bemerkenswerte, dem Betrachter einen romantischen Eindruck vermittelnde Gemälde der vorgestellten Mühlen fußen bzw. als deren Kopien anzusprechen sind. Klaus Herzberg fertigte sämtliche hier zum Druck gegebenen Strichzeichnungen bzw. Reproduktionen an. Damit erhält das Werk ein voluminöses Ausmaß hinsichtlich seiner Quantität. Der Band findet seine Ordnung nach der alphabetischen Reihenfolge der besprochenen und betrachteten Gemeinden bzw. Gemarkungen, so daß eine rasche Benutzbarkeit gewährleiste ist. Im Anhang sind 40 Belegstellen von ehemaligen Mühlenstandorten, deren Existenz literarisch abgesichert ist, verzeichnet. Der Text einer einzelnen Mühle beginnt, insofern bekannt, stets mit deren Ursprung. Es folgt der Werdegang und zum Abschluß - nahezu für alle eichsfeldischen Mahlanlagen - das Ende bzw. das Auflassen der Mühle. Wenn die Mühle heute nicht mehr in Betrieb ist, wird im einleitenden Satz stets das Präteritum benutzt, andernfalls das Präsens. Für den Nachweis sind an der entsprechenden Stelle die benutzten Quellen sowie die Lieferanten von Informationen und Bildmaterial notiert worden. Sollte unter der Rubrik Bildmaterial keine Angabe erfolgt sein, so rühren die Fotos von den beiden Autoren her. Einige, nicht unmittelbar zum Eichsfeld gehörende Mühlenstandorte bzw. Gemarkungen (Siehe zum Beispiel die Windmühle von Eigenrieden, die Mühle von Kraja, die Mühle von Neuseesen oder auch die Mühle von Werleshausen), fanden in diesem Text- und Bildband trotzdem ihre Berücksichtigung, weil zwischen diesen und dem Obereichsfeld ein sachlicher Zusammenhang besteht.


Die einstigen Mühlen spielten in der Vergangenheit eine wesentliche Rolle im Leben der Menschen. Sie erzeugten Produkte, die für die Bewältigung des Alltags recht bedeutsam waren. Ohne die Mühlen, besser ohne die Mühen eines Müllers, funktionierte das Leben in den Städten und Dorfgemeinschaften nicht. Demnach stellten derartige Anlagen eines der Mittelpunkte für unsere Vorfahren dar. Hier und im weiteren Umfeld ereigneten sich Naturkatastrophen, Diebstähle, tragische Unfälle oder andere Schicksalsschläge, die teilweise überliefert wurden. Solche Begebenheiten fangen Volker Große und Klaus Herzberg immer wieder an den entsprechenden Stellen ein.


Exemplarisch sei hier ein kleiner Ausschnitt der Textpassage über die Wendelröder Mühle in Niederorschel eingefügt. "Im Dezember 1912 ist der in der Mühle beschäftigte Knecht Heinrich Kohl von einem Personenzug auf der Bahnstrecke bei Niederorschel überfahren worden. Dabei wurde er getötet".


Durch die im späten 18. Jahrhundert und vornehmlich im 19. Jahrhundert einsetzende bzw. wirkende industrielle Revolution, mit der Nutzung neuer Energiearten, der Entwicklung leistungsfähiger Transportmittel sowie effektiver Technologien setzte ein langsames, aber stetiges "Mühlensterben" ein. Die Wasserkraft neben der Windkraft und der Muskelkraft war als einstige, alleinige Antriebsform in größerem Umfang nicht mehr gefragt. Nachdem die Verantwortlichen in den 1960er Jahren - während der DDR - die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG`s) nicht ohne Zwang eingerichtet hatten, sind erneut viele Mühlen aufgegeben worden. Nur eine kleine Anzahl von acht Exemplaren an obereichsfeldischen Mühlen namentlich die Bodemühle von Bischofferode, die Große Mühle (auch Rosenthalmühle) von Dingelstädt, die Esmühle von Ershausen, die Obermühle von Gernrode, die Kapsmühole von Heiligenstadt, die Kronenmühle von Mackenrode, die Grabenmühle von Martinfeld sowie die Büschlebsmühle von Worbis findet gegenwärtig eine zweckmäßige und als Mühle originäre Verwendung.


Mit dem zur Lektüre vorgelegten Band gelingt für unsere Region ein vollständiger Abriß dieser für uns heute so romantisch anmutenden Kulturgüter, vom Hochmittelalter bis zur Gegenwart. Durch die mehr als 300 nachzuweisenden Objekte verzeichnet die obereichsfeldische Kulturlandschaft bzw. der Landkreis Eichsfeld anteilig die höchste Mühlenkonzentration im Freistaat Thüringen. Dieses "Kompendium" stellt für das Eichsfeld einschließlich der angrenzenden Bundesländer Hessen und Niedersachsen, für Thüringen sowie für Mitteldeutschland eine einzigartige Geschichtsquelle dar, die eine breite Verbreitung und große Resonanz verdient.


Die qualitätvolle Gestaltung der Publikation übernahm Alfons Montag vom Eichsfeld Verlag in Heiligenstadt.


Das Buch "Mühlen im Obereichsfeld" ist ab Mitte November 2008 für einen Preis in Höhe von 20 EURO beim Eichsfeld Verlag Heiligenstadt (Lindenallee 44, 37308 Heiligenstadt; Tel.: 03606/508780 und Fax: 03606/508781) oder in allen gut sortierten Buchhandlungen erhältlich.


Maik Pinkert



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