Am vergangenen Freitag, 25. September, hat sich der Katholikenrat im Bistum Erfurt zu seiner Herbstvollversammlung im Marcel-Callo-Haus in Heiligenstadt getroffen. Zuerst ging es dabei um die eigene Aufstellung für die kommenden Jahre. Reinhard Salzmann aus Worbis, der das Gremium schon seit vier Jahren leitet, wurde mit deutlicher Mehrheit als Vorsitzender bestätigt, an seiner Seite steht als Stellvertreterin Julia Günther aus Neustadt an der Orla, die alle Stimmen bekam. Zum Vorstand gehören außerdem Benjamin Bethge-Litwin, Thomas Herrmann und Olaf Zucht. Der Katholikenrat spricht für gut 127.000 Katholikinnen und Katholiken im Bistum. Und weil zu seinen Aufgaben auch gehört, sich in gesellschaftliche Debatten einzumischen, saßen bei der Versammlung Bischof Ulrich Neymeyr und Gäste aus der Landespolitik mit auf dem Podium. Dort ging es um eine Frage, die gerade viele umtreibt, nämlich wie Kirche in einer aufgeheizten politischen Stimmung mitreden kann, ohne Wahlkampf zu machen. Was dabei gesagt wurde, steht in der folgend im Wortlaut abgedruckten Pressemitteilung des Katholikenrats:
In einer polarisierten Welt versteht sich der Katholikenrat des Bistums Erfurt auch in Zukunft als Brückenbauer – zu allen Teilen der Gesellschaft, die unser demokratisches Wertesystem teilen und erhalten möchten. Darauf haben sich die Mitglieder bei ihrer Herbstvollversammlung im Marcel-Callo-Haus in Heiligenstadt verständigt. „Wir werden weiter Sprachrohr sein und standhaft bleiben“, sagt der gerade wiedergewählte Vorsitzende des Gremiums, Reinhard Salzmann.
Wie das praktisch funktionieren soll, dafür haben sich die Mitglieder der obersten Laienvertretung nicht nur Anregungen von Vertretern aus Politik und Gesellschaft geholt, sondern ihnen auch ihre Themen mit auf den Weg gegeben.
Auf dem Podium diskutierten Bischof Dr. Ulrich Neymeyr, Landtagspräsident Dr. Thadäus König (CDU), Dr. Claudio Kullmann, Leiter des Katholischen Büros, Katja Mitteldorf, religionspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Die Linke, und Regina Masur vom Katholikenrat im Bistum Magdeburg.
Letztere konnte authentisch berichten, mit welchen Herausforderungen die Kirche nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt konfrontiert sein könnte, und schaffte es dabei immer wieder, Zuversicht auszustrahlen. Ihr wichtigster Appell für die Zukunft: „Wir müssen zuhören lernen und die Kirchen offenhalten.“ Es gibt erste Überlegungen, die katholische Initiative „Bewusst wählen“ fortzusetzen und mit den Gemeinden des Bistums Magdeburg über den Ausgang der Wahl und dessen Folgen ins Gespräch zu kommen. Dass sich die Kirche aus Regionen in ihrem Bundesland zurückzieht, schließt sie vehement aus, selbst wenn ihr unter einer AfD-Regierung Probleme bereitet werden könnten: „Wir dürfen uns nicht zurückziehen.“
Unterstützung erhält sie dabei aus Thüringen. König macht klar, welche Verantwortung dafür auch die Politik trägt. Es gehe darum, bei den Menschen zu sein – und insbesondere den direkten Kontakt zu haben. Die Verantwortung dafür sieht er bei jedem Einzelnen, insbesondere aber bei Abgeordneten. Die animiere er, so König, stärker als bisher mit Infoständen in den Fußgängerzonen, sich die Sorgen und Nöte der Menschen anzuhören.
Das erfordere aber auch, dass man das Argument des Gegenübers erst einmal zulasse. Claudio Kullmann bekannte selbstkritisch, dass auch er lernen wolle, zunächst stärker zuzuhören und „nicht mit einem Redeschwall über andere hinwegzureden“.
Doch wie kann sich die Kirche in politische Debatten einbringen, ohne dabei Gefahr zu laufen, parteipolitischen Wahlkampf zu betreiben? Bischof Neymeyr hielt dazu fest, dass die Kirche zwar niemals eine klare Wahlempfehlung abgeben dürfe, sich aber an politischen Debatten beteiligen könne. Wichtig sei dabei, die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen und die Kernbotschaft der Heiligen Schrift in den Mittelpunkt zu stellen. „Auch Jesus hat über Steuern gepredigt“, erinnert der Bischof an das, was in der Bibel steht.
Katja Mitteldorf unterstützt diese Sicht. „Es geht um Haltung auch in der Kirche“, macht sie deutlich. Dass Haltung längst nicht mehr nur Sache einzelner Parteien sei, unterstreicht sie. Auch in der Partei Die Linke gebe es mittlerweile zahlreiche Christen.