„Mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilen“

Predigtgedanken von Weihbischof Reinhard Hauke am 4. Fastensonntag 2020

Bild: Bistum Erfurt / Andreas SturmIn: Pfarrbriefservice.de

Tagesgebet
Herr, unser Gott,
du hast in deinem Sohn die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt.
Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben,
damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Predigtgedanken
1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b; Eph 5, 8-14; Joh 9, 1. 6-9. 13-17. 34-38

Liebe Schwestern und Brüder!
„Mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilen“ wie es im heutigen Tagesgebet heißt, ist in diesem Jahr für uns alle schwer. Viele Gläubige sind traurig und sogar manchmal schon verzweifelt, weil alle öffentlichen Gottesdienste abgesagt wurden. Das Argument dafür ist bekannt: Die Kette möglicher Infektionen soll damit unterbrochen werden. Niemand weiß genau, ob er für andere eine Infektionsgefahr ist. Weil wir doch einander nur Gutes tun wollen und sollen, müssen wir so handeln. Es ist eine besondere Form der Nächstenliebe, die wir so noch nicht kannten.

In froher Hingabe auf das Osterfest kann jedoch derjenige zugehen, der an diesem Fest mehr erwartet als ein paar schöne Tage mit Sonnenschein und gutem Essen. Wir feiern den, der uns neues Leben geschenkt hat und es sogar uns in der Ewigkeit schenken will. Das ist mehr als ein paar schöne Tage mit gutem Essen. Das ist eine Freude, die nicht aus dieser Welt stammt und vielleicht nur angedeutet werden kann, wenn wir uns in froher Runde in der Familie und Freundeskreis versammeln.

Naturfreunde haben einen Blick für das, was sich gerade in diesen Tagen in der Natur ereignet: Neues Leben blüht auf, wo lange Zeit nichts zu sehen und zu bestaunen war. Der dürre Zweig zeigt zarte weiße Blüten im Garten beim Bischofshaus. Die Vögel singen und die Enten entwickeln Eifer im Wettschwimmen und Wettfliegen. Das ist schon ein bisschen Vorfreude auf das, was Gott uns schenken will.

Im Evangelium heute wird davon berichtet, dass Jesus einem Blinden die Augen geöffnet hat. Wenn der Evangelist Johannes das Ereignis berichtet, dann will er damit natürlich mehr sagen als nur: Jesus hat einen Blinden sehend gemacht. Er will darauf hinweisen, dass durch Jesus Christus eine neue Sicht des Lebens möglich wird. Das erlebe ich immer wieder bei Erwachsenen, die sich für die Taufe entscheiden. Sie kommen aus einem nichtchristlichen Elternhaus und hatten bisher noch keine Berührung mit dem Christentum. Sie kommen vielleicht auch aus einer christlichen Sekte oder einer anderen Religion. Weil sie nun spüren, dass mit der christlichen Weltsicht und mit der christlichen Gottesbeziehung das Leben in neuer Weise gestaltet werden kann, wollen sie alles möglichst schnell verstehen und praktizieren, was ein katholischer Christ tun soll. Manchmal muss der Seelsorger den Eifer bremsen und helfen, dass die Realität von Kirche angenommen wird, die aus Menschen besteht, die auch schwach und fehlerhaft sein können. Und dennoch stimmt, was Jesus sagt: „Du siehst den Menschensohn vor dir!“ Ja, wir können sicher sein, dass wir in der Nähe Jesu unser Leben gestalten, auch wenn er vielleicht derzeit besonders den Kranken und Alten, den Infizierten und in Quarantäne Eingesperrten sehr fern erscheint.

Für Ostern 2020 habe ich deshalb ein Osterbild ausgesucht, auf dem der Gekreuzigte zwischen Maria und Johannes zu sehen ist und das Bild die Unterschrift trägt „Kreuzesthron“. Erst habe ich ein anderes Motiv wählen wollen, aber dann wurde mir klar: Das ist das Osterbild 2020!, denn viele werden die Kar- und Ostergottesdienste nur am Fernsehen mitfeiern können. Der Bischof und das Domkapitel müssen die Gottesdienste im Dom ohne die Gläubigen feiern, für die wir sonst mit großer Freude da sind und mit denen wir gern Liturgie feiern. Aber Ostern wird es dennoch. Die Wundmale an der Osterkerze leuchten für mich in diesem Jahr besonders heftig.

Vom heiligen Öl erzählt unser Bibeltext aus dem 1. Buch Samuel. Der neue König David wird damit gesalbt inmitten seiner Brüder, die nicht erwählt wurden. Gott hat es so entschieden, dass David der neue König in Israel wird. Erwählung hat immer zur Konsequenz, dass es auch Nichterwähltsein gibt.

Ich kann Gott nicht vorschreiben, wen er erwählen soll, z.B. auch ein Christ zu sein. Ich kann ihm im Gebet eine Empfehlung für Menschen aussprechen, die ich selbst liebe und schätze. Ob er sie erwählt, weiß ich nicht. Bei allem Ringen in der Kirche wünsche mir eigentlich, dass der Gedanke an das Gottesvolk mit den verschiedenen Diensten und Ämtern, zu denen Gott erwählt, stark wird und wir uns daran freuen, wenn jemand Ja sagt zu einer besonderen Aufgabe mit besonderer Verantwortung. Der Apostel Paulus mahnt dazu, als Kinder des Lichtes zu leben und darin unsere gemeinsame Berufung zu erkennen. Das Osterlicht leuchtet nicht nur vor unseren Augen, sondern wir sind ein Licht geworden durch das Osterlicht des Auferstandenen. Wer in diesen aufgeregten Zeiten Orientierung sucht, sollte sie bei uns Christen finden können. Die Motivation für den Einsatz von ärztlichem Personal und von allen, die sich in den Familien und in der Gesellschaft im Kampf gegen die Pandemie einsetzen, mag sehr unterschiedlich sein. Wir können dabei auch staunen und entdecken, welche Eigenschaften mein bisher unbekannter Nachbar hat, der sich für Einkäufe bereit erklärt. Bisher habe ich mich vielleicht über seinen Modegeschmack amüsiert. Jetzt aber zeigt er, was unter der für mich seltsamen Garderobe steckt – ein Mensch mit Herz. Und wir Christen sind dabei gerufen, unser Licht zu zeigen und es nicht unter das Bett zu stellen, wo es niemand sieht und wo sich niemand daran freuen kann.

Liebe Schwestern und Brüder, es lohnt sich, auch zu Hause die Bibeltexte in die Hand zu nehmen, um in der gegenwärtigen besonderen Notsituation den Glauben an die Liebe Gottes zu stärken. Dazu lade ich alle herzlich ein.


Fürbitten
Lasst uns beten zu Jesus Christus, der auch uns die Augen geöffnet hat und uns einlädt, diese offen zu halten in diesen Zeiten besonderer Nöte:

1.    Für alle, die heute keine Heilige Messe mitfeiern können, weil die öffentlichen Gottesdienste nicht gefeiert werden dürfen.
V: Gott, du schenkst Hoffnung und Vertrauen - A: Wir bitten dich erhöre uns.
2.    Für unsere alten und kranken Menschen, die wir gern besuchen würden, die aber in den Heimen auch besonders geschützt werden müssen.
V: Gott, du schenkst Hoffnung und Vertrauen - A: Wir bitten dich erhöre uns.
3.    Für alle, die das Evangelium in diesen Tagen durch die Medien verkünden.
Schenke ihnen gute und ermutigende Gedanken.
V: Gott, du schenkst Hoffnung und Vertrauen - A: Wir bitten dich erhöre uns.
4.    Für unsere Verstorbenen:
Schenke ihnen die ewige Freude
V: Gott, du schenkst Hoffnung und Vertrauen - A: Wir bitten dich erhöre uns.

Guter Gott, wir spüren, dass unser Leben in deiner Hand liegt. Deine Hand hat die Welt und auch uns geschaffen und gewollt. Wir kennen dich als Geber aller guten Gaben. Stärke uns in dieser Zuversicht.
Darum bitten wir dich heute und alle Tage unseres Lebens. Amen