Vor fünfzig Jahren wurde zum ersten Mal am Neujahrstag der Weltfriedenstag gefeiert. Der damalige Papst, Paul VI., hatte sich einige Wochen vorher mit einer Friedensbotschaft an die Regierenden in aller Welt gewandt und darin den 1. Januar zum Weltfriedenstag erklärt. Spannungen, Unruhen und Kriege drängten ihn dazu.
Wie es aussieht, braucht es auch heute noch, und zwar kein bisschen weniger, ein starkes Engagement für den Frieden.
Natürlich kann man da zuerst an die Regierenden denken. Für sie bete ich, dass sie weise Entscheidungen treffen und nicht nur das eigene Land im Blick haben.
Noch mehr bete ich für uns alle, denn die Grundstimmung, die in einem Land herrscht und die ganz wesentlich zum Frieden beiträgt, hängt zu einem großen Teil von den Bewohnern dieses Landes ab.
Wie sehr würde es den Blick auf die anderen verändern, wenn wir die Menschheit als Familie sehen würden. Miteinander teilen – ohne die Angst, zu kurz zu kommen. Vertrauen wagen – mit dem Mut, sich auf Ungewohntes, ja sogar Fremdes einzulassen.
Diesen „familiären Blick“ wünsche ich mir jedoch nicht nur im Hinblick auf die Welt. Auch hier bei uns in unseren Städten und auf dem Lande, vielleicht sogar in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, gibt es Menschen, die die Hilfe der Gemeinschaft brauchen. Der Frieden im Großen und der Frieden im Kleinen sind nicht selbstverständlich; Frieden macht sich nicht von allein. Die Welt wird nur friedvoller und barmherziger, wenn alle mitwirken.
In diesem Sinne wünsche ich ein gesegnetes neues Jahr!
Ihr Bischof Ulrich Neymeyr

