
"Neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Es dürfen gerne viele sein!", wünscht sich die Telefonseelsorge zum 50. Geburtstag...
Erfurt (BiP). Die Ökumenische Telefonseelsorge in Deutschland feiert im Oktober diesen Jahres ihren 50. Geburtstag. Fragt man Anna-Maria Fischedick, die Leiterin der Erfurter Telefonseelsorge, ob sie denn einen Geburtstagswunsch habe, dann kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Es dürfen gerne viele sein!"
Der Wunsch ist verständlich. Zwar gibt es die Telefonseelsorge in den Neuen Bundesländern erst seit der Wende, aber das kostenlose Angebot ist sehr schnell angenommen worden. Rund 14.000 Anrufe jährlich bewältigen allein die 52 ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen in Erfurt. Ob es sich um Schul- oder Beziehungsprobleme, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Tod und Trauer handelt - bei der Telefonseelsorge finden Betroffene rund um die Uhr ein offenes Ohr, und das an sieben Tagen der Woche.
Die Gespräche lassen erkennen, wo der Schuh zur Zeit besonders drückt: "Borderline, Hartz IV, Gewalt in Gesellschaft und Familie sind Themen, die die Anrufer im letzten Jahr verstärkt angesprochen haben", weiß Frau Fischedick zu erzählen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Telefon bedeuten solche Gespräche eine echte Herausforderung.
Darum lässt Anna-Maria Fischedick, auch wenn die Telefonseelsorge dringend neue Mitarbeiter sucht, erst gar keine Illusionen aufkommen: "Es reicht nicht, telefonieren zu können. Wer mitarbeiten will, muss über Konzentrationsfähigkeit, Belastbarkeit und Einfühlungsvermögen verfügen", beschreibt sie die Anforderungen. Doch sollen sich geeignete Interessenten nicht abgeschreckt fühlen. "Niemand wird unvorbereitet ans Telefon gesetzt", beteuert Frau Fischedick. Im Gegenteil sogar: Die Telefonseelsorger bereiten sich während einer intensiven Ausbildung auf ihren Dienst vor. Rund 100 Stunden, verteilt auf ein Jahr, dauert die Einführung.
Erst dann geht es in die Praxis. "Ehrenamtlich, ohne Bezahlung", wie Frau Fischedick betonen muss. Dennoch zeigt sie sich zuversichtlich, beim nächsten Informationsabend für Interessierte am Mittwoch, 26. April um 18 Uhr in der Erfurter Bildungsstätte St. Martin (Farbengasse 2, gegenüber der Brunnenkirche im Fischersand), nicht vor leeren Stühlen zu stehen. "Es kostet sicherlich Zeit und Mühen, in der Telefonseelsorge zu arbeiten, aber es ist auch ein schönes Gefühl, wenn man Menschen hilft, sich das Herz zu erleichtern", wirbt Anna-Maria Fischedick und hofft im Jubiläumsjahr der Telefonseelsorge auf "viele Ohren mit Herz".