Mehr als sein halbes Leben

Abschied nach 45 Jahren im Küsteramt

Erich Obst, Pfarrer Heribert Kiep und Weihbischof Reinhard Hauke (v.l.n.r.); Foto: Kerstin Stark

Manche Ehrenämtler und Vereinsveteranen sind so lange im Dienst, dass sich nur die älteren Generationen an die Zeit erinnern können, in denen jene noch nicht ihr Amt bekleideten. Solch eine Person ist für Wüstheuterode Erich Obst. Nach 45 Jahren im Amt des Küsters wurde der nunmehr 82-jährige in den „Ruhestand“ verabschiedet. Leicht fiel es ihm nicht, hat er doch mehr als sein halbes Leben für den reibungslosen Ablauf von Gottesdiensten in Wüstheuterode gesorgt.

Als der noch heute rüstige Rentner 2006 anlässlich der Einführung des damals neuen Pfarrers Hesse meinte, er bleibe mindestens noch so lange wie der neue Seelsorger, schmunzelte manch einer aufgrund dieses weitgefassten Vorsatzes – aber er hielt Wort, denn immerhin ist Pfarrer Hesse nun selbst schon seit fünf Jahren im Ruhestand.

Den 1939 in den Sudeten geborenen Erich Obst hatte es durch die Ehe nach Wüstheuterode verschlagen. Schnell integrierte er sich durch sein Ehrenamt in dem ihm gegenüber dankbaren Dorf. Es fand kaum ein Gottesdienst ohne ihn statt – er war stets der Erste, der kam, und der Letzte, der ging. Ob Einläuten der Kirchenglocken, Einkleiden der Messdiener und Geistlichen oder Sammeln der Kollekte: Er war stets präsent. Ferner engagierte er sich im Pfarrgemeinderat, im Kirchenvorstand und als Lektor. An Kirchensanierungen, Reparaturarbeiten oder Anschaffungen für die Ortskirche, wie etwa die beiden Bronzeglocken 2010, war er stets aktiv beteiligt und verantwortete vertrauensvoll die ihm übertragenden Aufgaben mit Kirchgeldern.

Dass die Wüstheuteröder Männerfahne bei der Männerwallfahrt im Klüschen Hagis zugegen war, war meistens ihm zu danken. Und dass Gottesdienste sommers auf dem nahen idyllischen Stationsberg stattfinden konnten, ging auf ihn zurück, denn er brachte liturgische Geräte, Bücher und Messgewänder auf den Berg. Auch wenn er selbst oft wissen ließ, dass er alles um Gottes Lohn tat, wurde er dennoch 2017 vom Bistum Erfurt mit der Elisabeth-Medaille geehrt.

Nun trat einer der verdienstvollsten Ehrenämtler Wüstheuterodes in seinen wohlverdienten „Ruhestand“. Künftig werden gleich sechs Gemeindemitglieder seine Fußstapfen als Nachfolger gemeinsam ausfüllen und weiterführen. Und dabei wird erst manch einem bewusst, was man in solch verdienstvollen Ehrenämtlern hat und hatte.

Aus Erfurt war am vergangenen Sonntag Weihbischof Reinhard Hauke eigens angereist, um dem scheidenden Küster während der gut besuchten Hl. Messe für seine Dienste zu danken. Pfarrer Heribert Kiep und der Kirchortrat sprachen Erich Obst ebenfalls alles Gute und den herzlichsten Dank für die geleisteten, zumeist unsichtbaren Dienste aus. Dabei wurde ein Präsent überreicht.

Der Dank galt zugleich seiner Frau Christa, welche dem arbeitsamen Dienst ihres Mannes in den letzten Jahrzehnten mit größtem Verständnis entgegenkam und somit unterstützte.

Mathias Degenhardt

Foto: Kerstin Stark