Leben aus der Osterbotschaft - eine Friedensbewegung

Aus der Osterpredigt 2003 von Bischof Joachim Wanke

In diesen Tagen beteiligen sich viele Menschen in unserem Land an den Ostermärschen. Der Irakkrieg und die Besorgnis über seine noch nicht ausgestandenen Folgen haben die Friedensbewegung wieder verstärkt.


Aber auch viele Tausende Menschen sind auf andere Weise in unseren Städten und Dörfern zu Ostern unterwegs - als Teilnehmer der Gottesdienste an den österlichen Festtagen. Es sind, wenn wir die Christen aus allen Kirchen und christlichen Gemeinschaften einmal zusammen zählen dürfen, mit Sicherheit ein Vielfaches mehr als die Ostermarschierer. Ich meine: Diese Art sich in Bewegung bringen zu lassen ist ebenfalls eine Friedensbewegung. Denn die Osterbotschaft ist in ihrem Kern eine Friedensbotschaft.


Die Kriege auch unserer Zeit haben, neben allen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ursachen, letztlich ihren harten Kern in der Urangst des Menschen, von anderen bedroht, übervorteilt oder sonst wie angegriffen zu fühlen. Darum das unausrottbare Streben nach Dominanz, nach Machtzuwachs, nach Sicherheit mit Waffengewalt. Es wird noch einen langen Weg brauchen, ehe die Menschheit lernt, Kriege nicht als Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln anzusehen.


In den Osterberichten der Evangelien grüßt der auferstandene Christus die Seinen mit den Worten: "Der Friede sei mit euch!" Der Friede mit Gott, den Christus uns durch sein Sterben und Auferstehen gebracht hat, ist mehr als ein politischer Friede. Um den Frieden auf Erden, der realistischerweise durchaus wehrhaft sein muss, hat die Politik ständig zu ringen. Zu solchem Frieden gehören Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle. Wir sollten unsere Politiker in dieser Art von Friedensarbeit bestärken. Nebenbei bemerkt: Das kostet etwas - zum Beispiel an eigenem Wohlstandsverzicht. Ob das alle Ostermarschierer wissen?


Der in den Kirchen gefeierte Osterfriede hat durchaus etwas mit unserer irdischen Friedenssehnsucht zu tun. Wer Ostern richtig feiert, weiß, dass er um sein eigenes Leben keine Angst zu haben braucht. Der Gott Jesu Christi kennt keine Feinde. Er lässt niemanden "zu kurz kommen". Sein Wille ist Leben für alle, nicht nur für einige wenige. Was er in der Schöpfung begonnen hat und was menschlicher Hochmut in dieser Schöpfung verdorben hat, führt er zu einem Neuanfang in einer zweiten Schöpfung. Diese hat mit Jesus Christus, dem neuen Menschen, begonnen. Das ist der harte Kern der Osterbotschaft.


Von diesem Christus sagt die Bibel: Er ist der Friede in Person. Es steht bei uns, ob wir uns ihm anschließen. Aber das dann nicht nur äußerlich, sondern auch seiner Gesinnung, seinem "Lebensstil". Ich bin überzeugt: Die Friedensbewegung wird durch solche christusähnlichen Menschen gestärkt - hier bei uns und in alle



link