Interview mit der Thüringer Allgemeinen
Welche Wünsche haben Sie an den neuen Papst, den das Konklave der Kardinäle ab heute bestimmen wird?
Ich wünsche mir ein klares theologisches Profil, das auf dem Boden des II. Vatikanischen Konzils steht. Der neue Papst sollte ein dialogbereiter und hörfähiger Mensch sein, der Probleme sieht: kein einsamer Verwalter und Funktionalist, sondern ein Papst, der auch Herz zeigt.
Gilt das auch für Zölibat und Empfängnisverhütung?
Ich rechne nicht damit, dass es unter dem neuen Papst zu einschneidenden Änderungen in diesen Fragen kommt. Ein neuer Papst wird in der ethischen Verkündung der Kirche Kontinuität zeigen. Und die natürliche Familienplanung ist bereits kirchlich anerkannt.
Sollten nicht innerkirchliche Strukturen gestärkt werden?
Es geht darum, aus der europäischen Kirche mit weltweiter Ausbreitung eine Weltkirche zu machen. Das wird auch Veränderungen in der Gesamtleitung mit sich bringen. Es ist kein Geheimnis, dass im Augenblick sehr stark die zentralen Kräfte dominieren. Das Gleichgewicht zwischen Ortskirchen und Gesamtkirche muss neu austariert werden.
Wie muss sich der Dialog mit anderen Religionen ändern?
Da hat der Papst entscheidende Impulse gegeben: der Religionsdialog ist Thema Nummer Eins im 21. Jahrhundert. Doch wenn wir Christen mit asiatischen oder islamischen Religionen sprechen, brauchen wir eine einheitliche Stimme. Das wird die innerchristliche Ökumene beflügeln.
Wer wird der neue Papst?
Die Nationalität wird für die Kardinäle keine wichtige Rolle spielen. Sie schauen eher nach dem Persönlichkeitsprofil des Kandidaten: Ist es ein theologischer Kopf, ein dialogfähiger Mann, ein Mann mit Charisma?
Wäre Kardinal Ratzinger ein Ü;bergangskandidat?
Auch so genannte Ü;bergangskandidaten können erfolgreiche Päpste sein. Ich erinnere nur an Johannes XXIII. Es wäre aber zu wünschen, dass ein Papst noch ein angemessenes Lebensalter vor sich hat, damit er etwas gestalten kann. Nur zu verwalten und auf bessere Zeiten zu hoffen, das wäre nicht gut.
Gespräch: Karsten JAUCH
17.04.2005

