„Katholizismus und Nationalismus gehen nicht zusammen“

Erfurter Bischof ruft im Fastenhirtenbrief dazu auf, bei den Wahlen das Gemeinwesen mitzugestalten

Bild: Peter Weidemann; in: Pfarrbriefservice.de

Erfurt (BiP). Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr ruft in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit dazu auf, durch Teilnahme an den „drei wichtigen Wahlen“ dieses Jahres „unser Gemeinwesen mitzugestalten“. In Thüringen finden 2019 Kommunal- und Landtagswahlen statt. Außerdem wird ein neues Europäisches Parlament gewählt. Das Schreiben des Bischofs wird am ersten Fastensonntag (10. März) in allen katholischen Sonntagsmessen verlesen.

Im Jubiläumsjahr des Bistums Erfurt, das vor 25 Jahren gegründet wurde, beschreibt Bischof Neymeyr die Gemeinschaft der Gläubigen als „pilgerndes Gottesvolk durch die Zeit“, das herausgefordert sei „aus dem Geist des Evangeliums unser Leben, unsere Kirche und unsere Gesellschaft“ mitzugestalten.

„Vergessen wir nicht, dass vor 30 Jahren die Menschen mit hohem persönlichem Risiko für freie Wahlen demonstriert haben“, mahnt Neymeyr und erteilt nationalistischen Bestrebungen eine Absage. „Da katholische Christen Glieder des weltumspannenden Gottesvolkes der Kirche sind, gilt der Grundsatz: Katholizismus und Nationalismus gehen nicht zusammen.“

Der Bischof fordert Respekt und Unterstützung für Politiker, weil sie sich für das Gemeinwesen einsetzen, ruft jene aber auch auf, „einen fairen, respektvollen und der Wahrheit verpflichteten Wahlkampf zu führen“. Die Wähler sollten sich bei allen drei Wahlen ein Bild vom politischen Programm der zur Wahl stehenden Parteien machen und verantwortungsvoll ihr Wahlrecht gebrauchen, so Neymeyr. Politik sei „die Kunst des Möglichen“.

Angesichts der teils drastischen Veränderungen im politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Leben seit der friedlichen Revolution in der DDR und der dadurch möglich gewordenen Deutschen Einheit erinnert Bischof Neymeyr an den Grund christlicher Hoffnung: „Möge uns die Zeit der Vorbereitung auf Ostern und die Feier der Auferstehung unseres Herrn die Augen dafür öffnen, dass wir den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe nicht alleine gehen, sondern in Gemeinschaft mit unserem auferstandenen Herrn, Jesus Christus.“

Auch die Jubiläumsfeier des Bistums Erfurt im Rahmen der Wallfahrt im Herbst sei eine Gelegenheit, um daraus Elan und Optimismus zu schöpfen, schreibt der Bischof.

Fastenhirtenbrief 2019

Stichwort: „Hirtenbrief“

Der Hirtenbrief ist das Schreiben eines Bischofs an die Gemeinden bzw. Gläubigen seines Bistums. Darin äußert sich der Bischof als Leiter des Bistums und oberster Priester zu Problemen der Zeit, zu theologischen oder seelsorglichen Fragen. Die Briefe werden in der Regel im sonntäglichen Gottesdienst verlesen.
Ihr frühestes Vorbild haben die Hirtenbriefe in den Apostelbriefen im Neuen Testament. Mit ihren Schreiben haben die Apostel den Kontakt zu den Gemeinden gehalten, das Gemeindeleben geordnet sowie Streitigkeiten und theologische Grundsatzfragen geklärt. Auf dieser Linie liegen auch die Hirtenbriefe heutiger Zeit.
Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist es in deutschen Bistümern üblich, zu Beginn der Fastenzeit einen Hirtenbrief an die Gemeinden zu schreiben.