Das (erste) Bistum Erfurt wurde 742 n. Chr. durch den hl. Bonifatius gegründet und nur wenige Jahre später (755 n. Chr.) dem Bistum Mainz zugeschlagen, von wo aus es mehr als 1000 Jahre geleitet wurde. 1821 kam es zu Paderborn, 1929 zum Bistum Fulda.
Nach dem zweiten Weltkrieg befanden sich in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und seit 1949 in der DDR der in Thüringen, im Obereichsfeld und in der Rhön gelegene Anteil des Bistums Fulda sowie der südthüringische Anteil des Bistums Würzburg, das Kommissariat Meiningen. Die Bischöfe dieser Bistümer residierten in den westdeutschen Gebieten.
Die politische Teilung Deutschlands erschwerte zunehmend die Verbindung zu den Ostteilen der Diözesen, die für die kirchliche Verwaltung und Seelsorge eminent wichtig war. Deshalb sahen sich die Bischöfe genötigt, jeweils einen ihrer im Ostteil ansässigen Diözesanpriester mit Jurisdiktionsvollmachten für die auf dem Territorium der SBZ bzw. DDR gelegenen Diözesananteile auszustatten. Dies geschah durch die Ernennung von Generalvikaren in Erfurt und in Meiningen. In Erfurt wurde der Generalvikar zudem zum Weihbischof ernannt.
Die Bezeichnung "Generalvikar" war jedoch der DDR-Regierung insofern ein Dorn im Auge, als dass die Abhängigkeit zu den westdeutschen Bistümern offensichtlich war. 1967 werden die bisherigen Generalvikare als Bischöfliche Kommissare bestellt.
Im immer stärker werdenden Souveränitätsbestreben der DDR drängte die Partei- und Staatsführung auf die Loslösung der Jurisdiktionsbezirke von den westdeutschen Bistümern. Die Kirche hielt aber an der Einheit der durch die deutsch-deutsche Grenze geteilten Bistümer fest. Daher ernannte der Papst 1973 den Erfurter Weihbischof zum Apostolischen Administrator, in dessen Jurisdiktion dann auch das Meininger Gebiet fiel. Namentlich sichtbar wurde dies in der Bezeichnung "Bischöfliches Amt Erfurt-Meiningen".
Der Apostolische Administrator hatte die Vollmachten eines Bischofs, kirchenrechtlich zählten die Thüringer Gebiete aber nach wie vor zu den Bistümern Fulda und Würzburg. Mit der Neugründung des Bistums Erfurt 1994 wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass es in den ostdeutschen Bistumsanteilen über 40 Jahre eine eigene pastorale Entwicklung gegeben hatte, welche diese Gebiete auf eigene Weise prägte. Lediglich der zum Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen gehörende Teil der Rhön ging ans Bistum Fulda zurück.
Der Anteil der Katholiken in Thüringen liegt heute bei knapp acht Prozent an der Gesamtbevölkerung. Nur im Eichsfeld im Nordwesten Thüringens stellen die Katholiken eine Bevölkerungsmehrheit von rund 70 Prozent. Der Anteil der katholischen und evangelischen Christen liegt in Thüringen bei rund einem Drittel.
Die doppelte Diaspora-Situation spiegelt sich auch in den pastoralen Angeboten des Bistums Erfurt wider. Für konfessionslose Jugendliche gibt es seit 1998 die eigens konzipierte "Feier der Lebenswende". Ungetaufte Jugendliche, die an der Schwelle vom Jugend- zum Erwachsenenalter stehen und nicht an einer von Vereinen angebotenen Jugendweihefeier teilnehmen wollen, vollziehen dabei bewusst den Schritt in den neuen Lebensabschnitt. Beispiele anderer Angebote, die sich auch an Nichtchristen richten, sind das Monatliche Totengedenken, das Weihnachtslob im Erfurter Dom und der Segnungsgottesdienst am Valentinstag. (Weitere Informationen: www.bistum-erfurt.de/projekte)
Andrea Wilke
1.10.2012