Jugendliche gestalten "Mauerfall-Fenster" für den Erfurter Dom

Die Fenster sind bis Ostern 2010 zu sehen

 

 

Erfurt (BiP). Die Fenster des Hohen Chores im Erfurter Dom zeigen die Geschichte Gottes mit den Menschen, angefangen bei der Schöpfung der Welt bis zum Mittelalter, in dem die wertvolle Glasmalerei entstand. Jetzt erhält der Dom zwei neue, von Jugendlichen gestaltete Fenster, die in gewisser Weise diese Art von "Geschichtsschreibung" fortsetzen: Sie thematisieren den Mauerfall vor 20 Jahren und wollen den Dank an Gott für die friedlich gebliebene Revolution zum Ausdruck bringen.

Die hohe Kunst der Glasmalerei beherrschen die fünf beteiligten Mädchen, vier Schülerinnen von 14 bis 16 Jahren und eine Studentin, natürlich nicht. Ihre Fenster bestehen deshalb aus Textilstoffen und Papier und werden auch nicht von außen zu sehen sein, denn sie befinden sich oberhalb des Triangelportals neben der Galerie des Langhauses. Dort werden sie am Mittwoch, 4. November eingehängt und um 17 Uhr in einer geistlichen Vernissage vorgestellt.

Den Anstoß zum Mauerfall-Projekt gab Gemeindereferentin Cordula Hörbe, die Jugendliche der Domberggemeinden gefragt hatte, ob sie mitwirken wollten. Theresia Simon beispielsweise wollte. Die junge Frau studiert in Erfurt Theologie und Geschichte. Schon allein das motivierte. Zudem kam sie 1989 zur Welt und wuchs im Eichsfeld in nächster Nähe zur deutsch-deutschen Grenze auf. Die Themen DDR, Mauerfall und deutsche Einheit waren in ihrer Familie immer präsent. "Ich habe meine Eltern und Großeltern oft gefragt, wie es damals zuging und wie sie die friedliche Revolution erlebten", erzählt sie.

Zeitzeugen zu treffen und zu befragen war dann auch einer der Wege für die fünfköpfige Projektgruppe, sich dem Mauerfall, den niemand von ihnen erlebt hatte, anzunähern. Außerdem besuchten sie eine Ausstellung über die "Plätze der Demokratie 1989" und schauten sich in der Wigbert-Kirche neben der Thüringer Staatskanzlei Fenster an, die Wendepunkte in der Heils- und Profangeschichte zeigen.

Nach und nach stellte sich heraus, was die Mädchen am meisten am Mauerfall faszinierte: "1989 fielen keine Schüsse. Die Menschen haben die Mauer friedlich und mit Kerzen in der Hand zu Fall gebracht", fasst Sarah Alsgut (15) die Diskussionen in der Gruppe zusammen.

Nach einigen Entwürfen stand fest, wie die beiden Stofffenster aussehen sollten. Das eine zeigt eine Deutschlandkarte mit der innerdeutschen Grenze, die von einer Kerze entzündet abbrennt, im anderen Fenster sind die geöffnete Mauer und Menschen zu sehen, die von beiden Seiten aufeinander zugehen - eine Aufschrift "Keine Gewalt!" betont den friedlichen Charakter des Weltereignisses.

Die Mauerfall-Fenster werden bis nächstes Jahr Ostern im Erfurter Dom zu sehen sein.

www.dom-erfurt.de