Hirnforschung und Menschenbild

Gastvorlesung an der Katholisch-Theologischen Fakultät greift ein brisantes Thema auf

Pressemitteilung der Universität Erfurt:*


"Willensfreiheit? Konsequenzen der Neurowissenschaften für unser Menschenbild" lautet das Thema einer öffentlichen Gastvorlesung, zu der die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt am Mittwoch, dem 23. November 2005 um 20.00 Uhr ins Coelicum (Domstr. 10, Eingang über die Tote Treppe am Domplatz) einlädt. Referent ist Prof. Dr. Michael Pauen, Lehrstuhlinhaber für Philosophie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.


Seit den berühmten Experimenten von Benjamin Libet, wonach sich schon vor einem Willensentschluss bestimmte Hirnpotentiale aufbauen, kommt die Diskussion um die Frage, ob das Gehirn den Menschen steuert und Willensfreiheit eine Illusion ist, nicht mehr zur Ruhe. Sie ist durch neue Untersuchungsmethoden und einen damit verbundenen enormen Zuwachs an experimentell erworbenen Kenntnissen über die hirnphysiologischen Abläufe in neuerer Zeit verstärkt worden. Das Thema gehört zu den aktuell wichtigsten und brisantesten Fragen im Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaften. Hintergründig geht es um die Deutungshoheit im Gebiet der Anthropologie: Einige Naturwissenschaftler mahnen eine Revision des Menschenbildes an - mit unabsehbaren Folgen für die Kultur, insbesondere für den Umgang der Menschen untereinander; dagegen sehen namhafte Philosophen, zu denen auch Jürgen Habermas gehört, ein verkürztes oder sogar längst überholtes Freiheitsverständnis am Werk. Der Vortrag steht im Rahmen der entsprechenden Diskussionen.


Michael Pauen, geb. 1956 in Krefeld, studierte in Marburg, Frankfurt und Hamburg. 1989 promovierte er sich mit einer Dissertation zum Thema "Schellengeklingel oder Offenbarung. Rationalität und ästhetische Lust in deutschen Kunsttheorien bis zur Moderne" (erschienen 1991). 1995 wurde er mit einer Untersuchung über "Pessimismus. Geschichtsphilosophie, Metaphysik und Moderne von Nietzsche bis Spengler" (erschienen 1997) habilitiert. Er ist Visiting Professor am Institute for Advanced Study in Amherst, Massachusetts, und Fellow an der Cornell-University in Ithaca; New York sowie Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg, Bremen. 1997 erhielt er den Ernst-Bloch-Förderpreis. Pauen hat diverse Arbeiten zur Philosophie des Geistes veröffentlicht bzw. mit herausgegeben, seine Bücher "Grundprobleme der Philosophie des Geistes. Eine Einführung" und "Das Rätsel des Bewusstseins. Eine Erklärungsstrategie" liegen schon in mehreren Auflagen vor.



*Die Verantworung für den Inhalt der Pressemitteilung liegt beim oben angeführten Absender




link