Gotteslob mit Zündapp und Orgelspiel

Gerhard Baudisch wurde die Elisabeth-Medaille für 50 Jahre als ehrenamtlicher Organist verliehen

Gerhard Baudisch wurde die Elisabeth-Medaille für 50 Jahre als ehrenamtlicher Organist verliehen...

Schlotheim (BiP). So etwas wie am gestrigen Sonntag ist Gerhard Baudisch in seinen 50 Jahren als ehrenamtlicher Organist noch nie in einem Gottesdienst passiert: Der Pfarrer hieß ihn während der Predigt, seine Orgel zu verlassen und vor die Gemeinde zu treten - um ihn mit der Verleihung der Elisabeth-Medaille des Bistums Erfurt zu überraschen.


Mit der vom Erfurter Bischof Joachim Wanke gestifteten Auszeichnung wird das besondere ehrenamtliche Engagement von Männern und Frauen in den katholischen Gemeinden und Verbänden geehrt. In diesem Falle hatten der Pfarrgemeinderat von St. Bonifatius und Pfarrer Hubertus Iffland die Ehrung vorgeschlagen.


Die Schlotheimer Katholiken wissen, was sie an ihrem Organisten haben. "Die Pfarrgemeinde St. Bonifatius in Schlotheim ist Herrn Gerhard Baudisch für seinen treuen unentgeltlichen Dienst sehr dankbar", heißt es in dem Vorschlagsbrief an Bischof Wanke. "Unseren Gottesdiensten hier in der Diaspora verleiht sein Orgelspiel besonderen Glanz."


Baudisch, der zunächst das Klavier- und Violinspiel erlernt hatte, begeisterte sich als Schüler auch für die Orgel. Was er an der Königin der Instrumente erlernte, nutzt er seit mittlerweile 50 Jahren für das musikalische Gotteslob seiner Gemeinde - und das nicht nur in Schlotheim. Als der heutige Kölner Kardinal Joachim Meisner als Neupriester in der Pfarrei Mühlhäuser Land aushalf und mit einer alten Zündapp von Dorf zu Dorf fuhr, saß der junge Gerhard Baudisch mit Messkoffer und Orgelbuch auf dem Sozius und begleitete ihn. Wegen der schlechten Straßen war der Fahrkomfort alles andere als gut. Einmal brach sogar eine Fußraste des Motorrads ab.


In acht bis zehn Gottesdiensten spielte Baudisch damals am Wochenende und lernte so eine Vielzahl von Orgeln kennen. Heute gibt es zwar weniger Wochenenddienste, aber dafür spielt Gerhard Baudisch auch werktags. Und besonders festlich wird es, wenn sein Bruder Werner, ebenfalls ein begnadeter Musiker, auf der Trompete mit von der Partie ist. So wie gestern, als es hieß: "Ich bitte Herrn Baudisch einmal nach vorne zu kommen."



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