Gottes Schöpferwille ist ungebrochen

Geistlicher Impuls von Weihbischof Reinhard Hauke beim Thüringentag 2023 in Schmalkalden

Bild: Andreas Sturm; In: Pfarrbriefservice.de

Das Verstehen dieses biblischen Textes von der Sintflut und der Arche Noach ist deshalb so leicht, weil es anschaulich ist. Eine gewisse Vorstellung davon, wie es vermutlich ab und zu im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris aussah, kann man sich aufgrund der erschütternden Bilder in der Ukraine vom zerstörten Staudamm machen. Menschengemachte Katastrophen sind immer wieder zu beklagen. Ich kann mir die Traurigkeit Gottes gut vorstellen, der doch dem Menschen eine Intelligenz geschenkt hat, damit die Welt blüht und gedeiht. Wozu ist diese Intelligenz aber auch fähig? Das sehen wir in den Nachrichten bis heute.

Im Erfurter Dom findet sich zur biblischen Geschichte von der Sintflut ein mittelalterliches Fenster, bei dem Noach und seine Frau aus der Arche schauen und zufrieden aussehen, weil sie Gott geglaubt haben und Noach die Arche gebaut hat. Man kann sich gut vorstellen, dass die Begeisterung seiner Frau, die leider in der Bibel keinen Namen hat, sich in Grenzen hielt. Sie hat das Tun ihres Mannes getragen oder ertragen, der inmitten einer flachen Landschaft, wo keinerlei Überflutung drohte, doch ein großes Schiff gebaut hat.

Es ist eine archetypische Erzählung der Bibel, die vom Verhalten der Menschen berichtet und ein Mahnzeichen sein soll. Sie möchte sagen: Gott ist geduldig und hofft immer auf die Menschen, die sich ihm anvertrauen. Die Vernichtung aller anderen tut uns weh und wir würden sie gern auch alle retten – Menschen, Tiere und Pflanzen. Manchmal geht es uns aber auch so, dass wir sagen: „Hier ist nichts mehr zu retten. Hier muss man neu anfangen!“ Das kann auch bei den Fichten im Thüringer Wald das Urteil sein. Das kann auch bei einem altehrwürdigen Gebäude sein. Das kann auch sein, wenn ein Mensch ein krankes Organ hat und alle bisherige ärztliche Kunst nichts heilen konnte.

Gott schaut in die Zukunft und will neu beginnen, d.h. sein Schöpferwille ist ungebrochen. Er will das Paradies schaffen – wenigstens anfanghaft mit den Menschen, die gern unter dem Regenbogen des Friedens und der Versöhnung leben wollen. „Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll ein Zeichen werden des Bundes zwischen mir und der Erde. … Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des ewigen Bundes gedenken zwischen Gott und allen lebenden Wesen, allen Wesen aus Fleisch auf der Erde.“ (Gen 9, 13.16).

Gott schließt einen Bund zwischen Himmel und Erde und bezieht alle lebenden Wesen aus Fleisch ein. Von den Pflanzen ist hier nicht die Rede, aber da diese ja auch wieder gedeihen und dem Menschen und Tieren als Nahrung dienen, dürfen sie zumindest mitgedacht werden. Gott wünscht sich einen Bund zwischen ihm und der Erde mit allen lebenden Wesen! – das ist die Zusage und auch der Wunsch Gottes gegenüber uns, die wir die Erde derzeit bevölkern.

„Hoffnung ist grün“ – unter diesem Leitwort haben auch die Christen und vor allem die Evangelische Kirche sich an diesem Thüringentag beteiligt. Unabhängig von politischen Initiativen möchten Christen damit sich nicht allein auf eine Farbe fokussieren oder etwa eine Partei besonders fördern, sondern uns ins Gedächtnis rufen, dass wir die Welt gern in der grünen Farbe sehen wollen, die von den gesunden Pflanzen kommt und die unseren Augen so gut tut.

Der Mensch soll eine Welt erleben, die vielleicht etwas vom Paradiesgarten zeigt, wie er in der Bibel beschrieben wird und den Gott nach der Sintflut wiedererrichten wollte. Sinnbild dafür ist ja die Taube, die Noach aussendet und den frischen Olivenzweig mitbringt. Wenn sich Kirche für die Umwelt interessiert, dann steht sie Schulter an Schulter mit vielen Initiativen von Menschen, denen diese uns anvertraute Welt wichtig ist und die wir immer noch als unsere Mutter Erde bezeichnen, von der und auf der wir gern weiterhin mit den nachfolgenden Generationen leben wollen.

“Letzte Generation“ nennt sich die Initiative für die Rettung der Natur. Sie ist aufgrund ihrer Methode in die Kritik gekommen. Das Anliegen können wir gut verstehen – vielleicht auch die Verzweiflung, weil die Maßnahmen für manche bedrohlich langsam voran gehen.

Für mich ist es wichtig, den Willen Gottes zu betonen, der niemals aufhört: Der Mensch soll gerettet werden und es gibt den Retter und Erlöser Jesus Christus.
Für mich ist er wie eine Arche Noach und ich möchte, dass alle Menschen diese Arche besteigen. Bisweilen sind wir nicht einladend genug. Vielleicht kann das Projekt „Hoffnung ist grün“ der evangelischen Kirche als Einladung in unsere kirchliche Arche wirksam werden. In Thüringen gibt es genügend Ankerplätze dieser Arche.

Ich möchte ermutigen, diese zu nutzen, damit die Gesinnung, die uns Christen seit vielen Jahren umtreibt, weitergetragen wird von Christen und Nichtchristen: Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung. Amen.

Biblischer Text: Genesis 6,5 - 9,17