Gott macht sich klein

Weihnachtswort von Bischof Ulrich Neymeyr

An den Weihnachtstagen flüchten wir gerne aus den Sorgen des Alltags und den Nöten unserer Welt. Das wird uns in diesem Jahr nicht ganz gelingen, weil die Corona-Pandemie ihre Schatten auch auf die Weihnachtstage wirft.

Vielleicht haben Sie es sich deswegen besonders gemütlich zu Hause eingerichtet, besonders liebevoll die Geschenke ausgesucht und ein besonders leckeres Essen zubereitet. Das Zusammensein mit den Lieben ist ja möglich – wenn auch mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. So gelingt es hoffentlich, wenigstens für ein paar Stunden oder Tage dem Bedrückenden zu entkommen. Vielleicht stellen sich dabei Bedenken ein, weil die Sorgen ja nicht einfach weg sind.

Umso berührender sind die Erzählungen der Menschen, die im und nach dem ersten Weltkrieg vertrieben wurden, die unter schlimmsten Umständen um ihr Leben kämpften und trotzdem Weihnachten gefeiert haben. Die meisten von ihnen waren Christen. Sie dachten daran, dass an Weihnachten der große Gott in unser kleines, mitunter armseliges Menschenleben gekommen ist. Das war keine Flucht aus den Bedrängnissen des Lebens, sondern eine Zuflucht in der Wirklichkeit Gottes.

So feiern wir Christen auch heute Weihnachten. Die Weihnachtskrippe führt uns das vor Augen: Ein zugiger Stall auf freiem Feld; ein Säugling in einer Futterkrippe, die für Ochs und Esel und die anderen Tiere gedacht ist; ein paar neugierige Hirten; und doch ein Idyll: Maria und Josef bestaunen das Baby und können es kaum fassen, dass dieses Kind der Messias ist. Da verlieren die Bedrängnisse des Lebens ihren tiefsten Schrecken.