Gott liebt mehr als gerecht

Bischof Wanke predigt vor 10.000 Teilnehmern der Erfurter Bistumswallfahrt

Bischof Wanke predigt vor 10.000 Teilnehmern der Erfurter Bistumswallfahrt

Erfurt (BiP). Mit einer Heiligen Messe auf den Domstufen ist heute Vormittag die Erfurter Bistumswallfahrt eröffnet worden.

Einzug zum Gottesdienst der Erfurter Bistumswallfahrt


Die Messe im Freien sei ein ausdrucksstarkes Zeichen in die profane Gesellschaft hinein, sagte der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, der den Gottesdienst leitete, zu den 10.000 Wallfahrern. "Wir katholische Christen wissen uns als pilgernde Kirche mit einer Botschaft unterwegs, die uns hilft, das Leben mit seinen Licht- und Schattenseiten ernst zu nehmen und anzunehmen - und etwas in Bewegung zu bringen, damit Menschen eine Ahnung von gelingendem Leben, vom ?Leben in Fülle? (Johannes-Evangelium 10,10) bekommen", so Becker.


Der Erfurter Bischof Joachim Wanke sprach in seiner Predigt über eine Sehnsucht der Menschen, die nicht bei der Gerechtigkeit haltmacht. "Es gibt im Innersten des Herzens die Sehnsucht, die vermessene Hoffnung, nicht nur nach Leistung bemessen und abgefunden zu werden", führte der Bischof aus. In der Wirtschaft würde alles drunter und drüber gehen, wenn der Lohn nicht der Leistung entspreche. Dort käme es auf Gerechtigkeit an. Im Reich Gottes aber gehe es nicht nur gerecht zu, sondern mehr als gerecht. "Gottes Gerechtigkeit gibt ?umsonst?. Sie ist gratis. Es ist eine Gerechtigkeit, die nicht uns, sondern die ihn bluten lässt", unterstrich Wanke.


Man dürfe der heute herrschenden Ökonomie-Mentalität widersprechen, sagte der Bischof. "Es gibt Dinge die sich nicht rechnen müssen: dass ein Kind angenommen wird, dass ein Sterbender liebevoll gepflegt wird, dass Lehrer sich auch um die schwierigen Schüler mühen, dass Eheleute in Treue zueinander stehen, dass einer einem Kollegen, einer Kollegin hilft, obgleich er es nicht müsste, dass wir stellvertretend für die Menschen dieses Landes Sonntag für Sonntag die Heilige Messe feiern und im Gotteslob nicht nachlassen."


Menschen würden anfangen, Bürger des Gottesreiches zu werden, so Wanke, wenn sie der göttlichen Botschaft trauten, "das Unmögliche zu erhoffen, und in der Kraft dieses festen, auf Gott gerichteten Glaubens in dieser Welt das uns Mögliche zu wagen, um die Welt barmherziger, menschlicher zu machen". Wenn die Liebe erkalte, fange meistens das große Rechnen an. "Schenken wir uns mehr als nur den gerechten Lohn. So geht auch Gott mit uns um", appellierte der Erfurter Bischof zum Ende seiner Predigt an die Wallfahrer.

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