Gesprächsprozess "Im Heute glauben" hat offiziell begonnen

Erfurter Teilnehmer: "Dass Dialog nicht nur eine Methode ist, sondern eine Haltung, in die sich Kirche in ihren Gliedern immer wieder einüben muss, wurde in Mannheim deutlich."

Von Anne Rademacher*



"Im Heute glauben" - wie kann das gehen? Keine fertigen Antworten, sondern einen Gesprächsprozess zu diesem Thema streben die deutschen Bischöfe für die nächsten Jahre an. Die Auftaktveranstaltung mit 300 Vertretern aus den Diözesen fand am 8./9. Juli in Mannheim statt. Unter Bischöfen, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in Gemeinden, Vertretern von Verbänden, Orden und geistlichen Gemeinschaften waren auch Teilnehmer aus dem Bistum Erfurt. Zwei Tage lang wurde gemeinsam nachgedacht und geredet. Dabei stand immer wieder die Frage, wie Kirche mit ihrer Botschaft näher an die Menschen kommen kann. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch drückte es in seinem Schlusswort so aus: "Am tiefsten ist die Frage nach Gott für uns, für die Kirche und für die Welt... Wie leben wir diese Frage so, dass sie ansteckend wird?"

Oft wurde im Vorfeld die Befürchtung geäußert, dass doch wieder nur geredet wird. Es ist aber tatsächlich eine Aufbruchsstimmung deutlich geworden, die wohl nun in den kirchlichen Alltag vermittelt werden muss. Das Statement eines Erfurter Teilnehmers zeigt das Potential an, das in diesem Gesprächsauftakt steckt: "Wir sind auf dem richtigen Weg. Es ist eine neue Qualität des Gespräches zwischen Bischöfen und Laien spürbar geworden. Es ist etwas Besonderes, dass Bischöfe sich öffnen, dass sie sich auch den Problemen und schwierigen Fragen stellen." Dass Dialog nicht nur eine Methode ist, sondern eine Haltung, in die sich Kirche in ihren Gliedern immer wieder einüben muss, wurde an diesen Tagen in Mannheim deutlich.

Drei Themen waren bei aller Verschiedenheit der Situation in den einzelnen Bistümer allen gemeinsam wichtig: Die Frage nach der Sprachfähigkeit über unseren Glauben, der Umgang mit Versagen und Scheitern in der Kirche als Institution und bei den einzelnen Gläubigen (so in der Frage nach den wiederverheirateten Geschiedenen) und die Suche nach Nähe zu den Menschen und ihren Fragen. Es ist noch nicht abzusehen, wohin dieser Gesprächsprozess führen wird. Die Teilnehmer aus dem Bistum Erfurt waren sich jedoch einig, dass wir auch in unserem Bistum am Dialog dranbleiben sollten. Dabei steht auch die Hoffnung, die Erzbischof Zollitsch am Ende ausgesprochen hat: "Christus kann uns Wege zeigen, die wir noch nicht kennen."

Auf dbk.de: Fotos, Texte und Videos zur Auftaktveranstaltung

*Anne Rademacher, Referentin im Seelsorgeamt, gehörte zur

fünfköpfigen Delegation des Bistums Erfurt beim Auftakt des

Gesprächsprozesses in Mannheim.