"Gerade in der Stunde des Leids gehören wir eng zusammen"

Wortlaut des Briefes der Deutschen Bischofskonferenz an den Vorsitzenden der Japanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Leo Jun Ikenaga

Verehrter Herr Erzbischof,
lieber Mitbruder!

Wir, die deutschen Bischöfe, sind in dieser Woche zu unserer Frühjahrs-Vollversammlung in Paderborn zusammengekommen. Das große Unglück, das über Japan hereingebrochen ist, hat unsere Beratungen überschattet. Gemeinsam wenden wir uns in dieser so bedrängenden Stunde an Sie - und damit zugleich an alle katholischen Schwestern und Brüder sowie alle Bewohner Ihres Landes.

Die Nachrichten, die uns erreichen, schockieren uns und machen uns sehr traurig. Japan wurde vom größten Erdbeben seiner Geschichte und von einem gigantischen Tsunami heimgesucht. Tausende Menschen haben ihr Leben verloren. Unzählige werden vermisst. Viele Menschen haben keine Wohnung mehr und ihre Lebensgrundlage ist zerstört. Die Unfälle in den Atomanlagen rufen eine Gefahr für Leib und Leben hervor, die in ihrem Ausmaß noch nicht abgeschätzt werden kann. Viele empfinden eine nur allzu verständliche Angst vor dem, was die nächsten Stunden und Tage bringen werden.

Die deutschen Katholiken wissen sich in dieser Lage ihren Glaubens-geschwistern und allen Menschen in Japan besonders nahe. Seit dem Erdbeben wird täglich in den Fürbitten für sie gebetet. Am kommenden Sonntag wird in allen Gottesdiensten der Opfer der Naturkatastrophe gedacht. Im Gebet trauern wir mit denen, die Angehörige und Freunde verloren haben oder vor den Scherben ihres bisherigen Lebens stehen. Und wir sind jenen verbunden, die Furcht umtreibt angesichts der Ungewissheit des Kommenden.

Wir Bischöfe und die Gläubigen in Deutschland sind beeindruckt von der Gefasstheit und Disziplin der japanischen Bevölkerung und von der Hilfsbereitschaft, mit der die Menschen einander begegnen. In der Krise geben die Japaner aller Welt ein Beispiel dafür, dass die Stunde von Not und Gefahr auch die Stunde von Mitmenschlichkeit und Solidarität sein kann. Für dieses Zeugnis dürfen auch wir dankbar sein.

Verehrter Herr Erzbischof, Japan und Deutschland sind auf vielfache Weise miteinander verbunden. Uns Katholiken eint neben dem menschlichen auch ein geistliches Band. Einen besonderen Ausdruck findet es in der Partnerschaft zwischen den Erzdiözesen Köln und Tokyo. Gerade in der Stunde des Leids gehören wir eng zusammen.

Ihnen und allen, die Ihnen anvertraut sind, wünschen wir den Segen des Allmächtigen Gottes.

www.dbk.de


Fürbitten

Die deutschen Bischöfe haben in ihrem Brief vom 16. März 2011 an den Vorsitzenden der Japanischen Bischofskonferenz und die Gläubigen in Japan angekündigt, dass in den Gottesdiensten am kommenden Sonntag, dem 20. März 2011, für die Opfer der Katastrophe in Japan Fürbitte gehalten wird. Dabei können folgende Fürbitten verwandt werden:

Für alle, die an Leib und Seele zu Schaden gekommen sind
- Gewähre ihnen Deinen Trost und Zuversicht.

Für alle, deren Existenzgrundlage durch das Erdbeben und den Tsunami zerstört wurde
- Lass sie neuen Lebensmut und selbstlose Hilfe finden.

Für alle, die in tiefer Sorge vor den Folgen der Reaktorunglücke sind
- Stärke ihre Hoffnung.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz. Für den Inhalt ist der Absender verantwortlich.