Geld, Kapital und Religion

Ringvorlesung zur religiösen Natur des Kapitalismus

Ringvorlesung zur religiösen Natur des Kapitalismus...

Pressemitteilung der Universität Erfurt:*


Mit der "religiösen Natur des Kapitalismus" beschäftigt sich die nächste Ringvorlesung am Dienstag, dem 5. Dezember 2006. Prof. Dr. Christoph Deutschmann von der Eberhard Karls-Universität Tübingen wird unter dem Titel "Geld, Kapital und Religion" referieren.


"Der Vortrag begründet die These, dass Geld in der heutigen Gesellschaft in einer vielen Menschen allerdings nicht bewussten Weise die Rolle einer Ersatzreligion übernommen hat", so Prof. Deutschmann. Im ersten Schritt wird er die gängige wirtschaftswissenschaftliche These der "Neutralität" des Geldes kritisch beleuchten und unter Rekurs auf Georg Simmel aufzeigen, dass das Geld - gerade das heutige, innerlich scheinbar "wertlose" Zentralbankgeld - einen "inneren Wert höchster Potenz in sich birgt". Im zweiten Schritt wird auf die historische Ausdehnung des Geldnexus auf das menschliche Arbeitsvermögen eingegangen, auf die "Great" Transformation" (K. Polanyi) vor rund 200 Jahren, die den modernen industriellen Kapitalismus entstehen ließ. "Durch die Koppelung mit dem Arbeitsvermögen ist Geld zu Geldvermögen geworden und hat damit eine über das rein ?Ökonomische? weit hinausreichende gesellschaftliche Aufwertung erfahren, die es zum Religionsersatz werden lässt", so der Tübinger Soziologe. "Zugleich hat die Entdeckung der kreativen Potentiale der menschlichen Arbeitskraft durch den modernen Kapitalismus im 19. Jahrhundert die damals sich entwickelnde Kritik des Christentums erst möglich gemacht". Diese von Hegel über Feuerbach, Marx bis hin zu Nietzsche reichende Kritik enthülle den christlichen Schöpfergott als eine Projektionsfigur des Menschen als des "eigentlichen", aber sich selbst noch nicht bewussten Schöpfers. "Sie hat indessen, wie wir heute wissen, nicht jene emanzipierenden Wirkungen gehabt, die ihre Protagonisten sich versprochen haben. Das Ergebnis war vielmehr die Konstruktion neuer philosophischer, politischer, soziologischer, biologischer Ersatzreligionen in immer schnellerer Folge". Aber während die Entzauberung der meisten dieser Ersatzreligionen heute ein weitgehend abgeschlossenes Kapitel darstelle, sei gerade die mächtigste dieser Ersatzreligionen, nämlich das als "Kapital selbstreferentiell gewordene Geld" heute der Kritik vielleicht weiter entzogen denn je.


Das Thema Geld im weiteren Sinne steht im Zentrum der gemeinsamen öffentlichen Ringvorlesung von Universität und Fachhochschule Erfurt im Wintersemester 2006/07. Wie stets bei dieser inzwischen zur Tradition gewordenen Veranstaltungsreihe wurden namhafte Praktiker und Wissenschaftler gewonnen, um unterschiedliche Facetten dieses unerschöpflichen Themas beleuchten zu können. Das Spektrum der Themen reicht von der Geschichte des Geldes, dem Verhältnis von Geld und Religion über den heutigen "Finanzmarkt-Kapitalismus" bis hin zu der Frage nach den Folgen der Einführung des Euro im europäischen Wirtschaftsraum und andere Fragen der Finanz- und Geldpolitik. Wie stets wendet sich die Reihe nicht nur an Studierende, sondern an ein breiteres städtisches Publikum, das die aufgelockerte akademische Rede nicht scheut.


Die mit Unterstützung der Sparkassenfinanzgruppe, der Stadtverwaltung Erfurt und der Universitätsgesellschaft Erfurt e.V. veranstaltete und von der Thüringer Allgemeine präsentierte populäre Reihe bietet jeweils dienstags (Beginn 18.00 Uhr im Rathausfestsaal) in insgesamt 12 Veranstaltungen Vorträge ausgewiesener Experten. Den Abschlussvortrag hält der ehemalige Bundesbankpräsident Prof. Hans Tietmeyer.


Programm der Ringvorlesung



*Die Verantwortung für den Inhalt der Pressemitteilung liegt beim oben angeführten Absender



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