Worbis. Bei einem festlichen Pontifikalamt in der Worbiser Klosterkirche St. Antonius würdigte das Thüringer Kolpingwerk am 1. September "30 Jahre Mauerfall" und erinnerte gemeinsam mit vielen Gästen aus anderen Bundesländern auch an den Kriegsbeginn vor genau 80 Jahren. Erfurts Altbischof Dr. Joachim Wanke, der bereits im stürmischen Revolutionsherbst an gleicher Stätte mit den Kolpingfreunden über christliche Verantwortung nachgedacht hatte, stellte eingangs fest: "Wir sind in dieser wichtigen Stunde aber nicht nur dankbar für 1989. Anlässlich der heutigen 80. Wiederkehr des Kriegsbeginns wollen wir durch unser Leben, Zeugnis und Beten helfen, dass niemals wieder Hass zwischen Menschen und Völkern steht."
Die Vertreter der Thüringer Kolpingsfamilien und ihre Gäste aus den Diözesen Berlin, Dresden-Meißen, Fulda, Mainz und Hildesheim waren zu Beginn der Bischofsmesse feierlich mit ihren schwarz-orangenen Bannern und begleitet von zahlreichen Priestern in die Wallfahrtskirche eingezogen. Ausgehend von den Tageslesungen und dem Vorbild des seligen Adolph Kolping dachte Bischof Dr. Wanke in seiner Predigt über die christliche Tugend der Demut nach. "Christen können, trotz aller Lebenslasten, demütig sein, weil sie wissen, wohin sie gehören und wer sie sind. Demut ist Selbstbescheidung, die aus Selbstbewusstsein erwächst!" Dies könne man auch beim Schuhmachergesellen Kolping ablesen, so Wanke. Kolpings Grundüberzeugung der Solidarität gelte auch heute in der sozialen Marktwirtschaft.
In einer Podiumsdiskussion mit 89er Zeitzeugen, die der Kolping-Vorsitzende der neuen Bundesländer Andreas Brock moderierte, würdigten die Teilnehmer vor allem die Priorität des Friedens für jeden Einzelnen, unser Volk und den Kontinent, was leider keine Selbstverständlichkeit sei. Der langjährige Europaabgeordneten Rolf Berend stellte dabei erfreut fest, dass Deutschland mit allen seinen neun Nachbarländern in Frieden lebe, was in der Geschichte nicht oft vorkam. Der Abiturient Alexander Blümel, langjähriger Thüringer Schülersprecher, erinnerte die "Alten" in der Gesprächsrunde daran, dass zur Herstellung des inneren Friedens in unserem Lande auch der Abbau von Ungleichheiten zwischen den alten und jungen Bundsländern gehöre. Diese und alle anderen Gesprächsanliegen trug dann die große Wallfahrtsgemeinde bittend vor Gott.
Die gewiss noch lange nachwirkende 39. Thüringer Kolpingwallfahrt, zu deren Gelingen der Gernröder Chor "Concordia" und die Worbiser Kolpingsfamilie mit ihrer Rund-um-Versorgung noch besonders beitrugen, schloss mit dem Wunsch des Altbischofs: "Vertraut den neuen Wegen. Bleibt wach, hört auf Eure eigene Erfahrung. Euer Wissen und Urteil. Bleibt treu - wie Kolping!"
Michael Meinung

