"Es kommt auf den Geist an"

Impuls zum Jahr der Familie "Amoris laetitia" von Weihbischof Karl Borsch (Aachen).

Bild: Bernhard Riedl In: Pfarrbriefservice.de

Der vergangene Winter ist der zehnte Winter in Folge, der zu warm war. Im Vergleich zum Zeitraum 1991 bis 2020 lag die Erwärmung bei 0,4 Grad. 2020 war das wärmste Jahr in Europa seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Die Temperaturen lagen durchschnittlich 1,6 Grad über denen im Referenzzeitraum 1981 bis 2010.
 
Am 9. Februar 2020 wurden in der Antarktis 20,7 Grad gemessen. Ein Hitzerekord. Das hat es noch nie gegeben. Die meisten Klimaexperten gehen davon aus, dass der Mensch die globale Erwärmung maßgeblich mitverursacht.
 
Wer es wissen will, kann es wissen: Es gibt einen Zusammenhang zwischen CO 2 -Ausstoß, Energieverschwendung und Plastikmüll auf der einen Seite und Umweltkatastrophen, Armut und Flucht von Millionen Menschen auf der anderen Seite. Auf diesen Zusammenhang hat Papst  Franziskus bereits  vor  Jahren  aufmerksam  gemacht:  „Wer  die  Umwelt  zerstört,  der zerstört auf Dauer den Frieden und das Zusammenleben der Menschen.“ Darum setzt der Papst sich ein für Umweltschutz und für soziale Gerechtigkeit.
 
Und was hat das mit Pfingsten zu tun? Sehr viel. Denn beim Klima, genauso wie beim Frieden, kommt es auf den Geist an.
 
Ein paar Beispiele: Was bringt das schönste Haus oder der beste Betrieb, wenn dicke Luft herrscht? Es kommt auf den Geist an – in der Familie und bei der Arbeit. Und auch in der Politik. Wir bauen am Haus Europa, wir bauen an der einen Welt. Was liegt da in der Luft?

Nationalismus, Populismus, digitale Überwachung. Es kommt auf den Geist an. Auch in den sozialen Medien. Die Vermüllung belastet nicht nur die Meere, sondern auch die Hirne und die Herzen. Mobbing im Internet, Fake-News, Hassmails.
 
Welcher Geist bestimmt unser Klima? Ich bin überzeugt: Wir brauchen einen Klimawandel – und zwar einen positiven Klimawandel. Wir brauchen Nachschub an sauberer, an guter Energie. Wenn wir als Menschheit Zukunft haben wollen, dann brauchen wir einen Geist, der das Klima in der Welt nachhaltig verbessert. Um diesen Geist geht es Pfingsten. Es ist der Geist Gottes.
 
Der lässt sich nicht einfach erklären. Man sieht ihn nicht. So wie man die Liebe nicht sehen kann;  und  doch  weiß  jeder,  dass  es  sie  gibt.  Den  Heiligen  Geist  kann  man  nicht  einfach definieren. Man kann über ihn nicht reden wie über eine Mathe-Aufgabe. Am besten spricht man über den Heiligen Geist in Geschichten, Bildern und Vergleichen. So haben das schon die ersten Christen getan. Nachdem sie den Heiligen Geist empfangen hatten, sagten sie: „Das war wie ein Feuer, das uns angesteckt hat. Das war wie ein Sturm, der uns in Bewegung gebracht hat.“  Mit  anderen  Worten:  Das  war  Energie.  Ja,  der  Heilige  Geist  ist  Energie.  Aber  nicht Energie aus der Windkraft oder aus der Braunkohle. Der Heilige Geist ist Energie aus Gott. Und diese Energie verändert das Klima positiv – wenn wir sie denn anzapfen.
 
Wer aus der Energie Gottes lebt, der verändert die Welt und fängt an bei sich selbst. Der fährt zum Beispiel mit dem Fahrrad, statt immer nur mit dem Auto oder dem Bus. Der isst weniger Fleisch. Der hat nicht jedes Jahr ein neues Handy. Und mehr noch: Wer aus der Energie Gottes lebt, der findet Gemeinschaft. Der bleibt nicht allein. Auch das bewirkt der Heilige Geist.
 
Der Heilige Geist ist ein Energiesystem, das verbindet. Ein soziales Netzwerk sozusagen – weltweit. Aber niemandem drängt er sich auf, der Heilige Geist. Er zwingt niemanden. Der Heilige Geist ist „standby“. Er wartet darauf, dass wir uns einschalten. Dass wir seine Energie in Anspruch nehmen. Und das geschieht zum Beispiel, wenn wir beten. Das geschieht, wenn wir da sind für andere. Das geschieht, wenn wir im Evangelium lesen.  
 
Wenn wir uns einschalten und die Energie Gottes in Anspruch nehmen, dann wird das Klima in der Welt sich verbessern – durch uns.

 

Themenjahr "Amoris laetitia"

Am 19. März 2021 eröffnet Papst Franziskus das „Jahr der Familie Amoris laetitia“. Fünf Jahre nach der Unterzeichnung seines gleichnamigen nachsynodalen Schreibens möchte der Papst dessen Inhalte weiter verbreiten. Besonders die Verkündigung der Ehe als Sakrament, die Stärkung der Familien als aktiv Handelnde in der Familienpastoral und die Sensibilisierung junger Menschen für die Bedeutung einer christlich verstandenen Ehe und Familie stehen dabei im Fokus.
Das „Jahr der Familie Amoris laetitia“ endet mit dem 10. Weltfamilientreffen am 26. Juni 2022 in Rom.

Das Bistum Erfurt nutzt das Themenjahr, um Interessierten markante Passagen aus dem päpstlichen Schreiben Amoris laetitia näher zu bringen. Die Worte des Papstes sowie ein dazu passend ausgewähltes Bild sollen Impulsgeber für das Beziehungsmiteinander im Alltag sein.

Zu den Impulsen aus dem Bistum Erfurt: www.bistum-erfurt.de/presse_archiv/jahr_der_familie_2021