Es braucht ein Erlassjahr 2020 für hochverschuldete Länder

MISEREOR fordert weitreichenden Schuldenerlass zur Bekämpfung der Gesundheits- und Wirtschaftskrise

Der MISEREOR-Partner Butterflies verteilt Mahlzeiten an Straßenkinder und Tagelöhner in Indien © Butterflies/MISEREOR

(Berlin/ Aachen, 14. April 2020) Angesichts der zu erwartenden dramatischen Folgen der COVID-19-Krise gerade im Globalen Süden fordert MISEREOR ein Erlassjahr 2020 mit weitreichenden Schuldenerlassen für hochverschuldete arme Länder.

Anlässlich der gerade virtuell stattfindenden Frühjahrstagung von IWF und Weltbank begrüßt MISEREOR den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) im Rahmen des „Catastrophe Containment and Relief Trust“ beschlossenen Schuldenerlass für 25 der ärmsten Länder weltweit. „Dies kann aber nur ein erster Schritt sein“, erklärt Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. Um die gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Krise zu begrenzen, sei eine weitergehende Streichung aller in 2020 fälligen Schuldendienstzahlungen für die besonders von der Krise betroffenen Länder durch bilaterale und private Gläubiger notwendig.

Corona-Krise trifft Weltwirtschaft in kritischer Phase


„In vielen Ländern des Globalen Südens hatte sich die gesamtwirtschaftliche Lage bereits vor Ausbruch des COVID-19-Virus dramatisch verschlechtert“, so Pirmin Spiegel weiter. Ein Teufelskreis aus wachsender Verschuldung und Austeritätspolitik bedroht die sozio-ökonomische Entwicklung vielerorts. Dazu kommt der Klimawandel, von dessen Folgen Länder im Globalen Süden besonders betroffen sind. „Leidtragende sind erneut die Ärmsten und Schwächsten in der Gesellschaft. Denn der Schuldendienst zwang hochverschuldete Länder schon vor der aktuellen Krise zu dramatischen Kürzungen der Gesundheits- und Sozialbudgets.“

Leidtragende sind die Schwächsten


„Die Zeit zum Handeln ist jetzt!“, fordert MISEREOR-Finanzexperte Klaus Schilder. „Durch die Schuldenstreichungen durch Regierungen, Finanzinstitutionen und private Gläubiger würden alleine im laufenden Jahr geschätzt 25,5 Milliarden US-Dollar mobilisiert.“ Zudem sei ein sofortiger Schuldenerlass die schnellste Art zu helfen, denn das Geld ist bereits dort, wo es dringend benötigt wird: In den Haushalten der besonders betroffenen Ländern. „Nach der Corona-Krise sollte die Bundesregierung dann den Mut und die Einsicht zeigen und endlich ein umfassendes und rechtsverbindliches Staateninsolvenzverfahren auf den Weg bringen, um die aktuelle Schuldenkrise zu lösen, künftigen Krisen vorzubeugen und zudem Mittel für die dringend notwendige Anpassung an den Klimawandel freizusetzen,“ so Schilder.

MISEREOR setzt sich seit Jahren für eine internationale Zusammenarbeit zur Überwindung von Schuldenkrisen ein.

Weitere Informationen zur aktuellen Schuldenkrise unter:
https://www.misereor.de/presse/pressemeldungen-misereor/schuldenreport-2020-zeigt-weitere-verschaerfung
https://blog.misereor.de/2020/04/14/corona-und-schuldenkrise-die-zeit-zum-handeln-ist-jetzt/

Misereor Bangladesh

Aufklärungsarbeit zu Corona von MISEREOR-Partner BARCIK in den Slums von Dhaka, Bangladesch. BARCIK = Bangladesh Resource Center for Indigenous Knowledge. © BARCIK/MISEREOR

Misereor Bangladesh 2

Mit leicht verständlichen Texten auf großen Hingucker-Postern leistet der MISEREOR-Partner BARCIK in den Slums von Dhaka, Bangladesch, Aufklärungsarbeit zu Corona. BARCIK = Bangladesh Resource Center for Indigenous Knowledge. © BARCIK/MISEREOR

Misereor Indien

Auch in Indien gibt es eine Ausgangssperre um das Corona-Virus einzudämmen. © Seva Kendra Calcutta/MISEREOR

Misereor Johannesburg

Booysens Squatter Camp in Johannesburg – etwa 25.000 aus der Innenstadt zwangsgeräumte Menschen leben hier dichtgedrängt in 7.000 Hütten auf einem Gelände der Eisenbahngesellschaft und teilen sich 30 Toiletten und wenige Wasserstellen. Präventionsmaßnahmen gegen das Coronavirus ist da kaum möglich. © Teschner/MISEREOR