Er ist nicht zu übersehen, der 1,6 Tonnen schwere Bergkristall im großen Aufenthaltsbereich des Hospiz‘ Mutter Teresa. 1,70 Meter ist er hoch und ca. 211 Millionen Jahre alt. Er stammt ursprünglich aus Brasilien und lagerte im Depot eines Kristallmuseums, welches den Koloss dem neuen Hospiz überließ. Sein „kleiner Bruder“ hat seinen Platz in einer Skulptur gefunden, die zwei Hände darstellt. Er hat eine besondere Aufgabe. Jedes Mal, wenn für einen Gast im Hospiz sein irdisches Leben vergangen ist, wird der kleine Bergkristall statt einer Kerze leuchten.
Es mag merkwürdig anmuten, von einem Gast zu sprechen, der im Hospiz aufgrund einer lebensverkürzenden Krankheit in der letzten Phase seines Lebens begleitet wird. Hospiz (lat. hospitium) bedeutet Herberge oder auch Gastfreundschaft. Im Mittelalter boten Hospize Pilgernden Schutz, Hilfe, Unterkunft und Pflege.
Landläufig wird beim Namen “Hospiz” eher ans Sterben gedacht. Dabei geht es hier um das Leben. Darum, dass es bis zum Ende ein würdiges sei.
Das am 30. August eingeweihte Hospiz befindet sich in einem Klostergarten und ist in Form einer 8 gebaut. Die liegende 8 symbolisiert die Unendlichkeit. „Das irdische leben beschreibt für viele einen lauf mit Anfang und Ende. Der christliche Glaube geht hingegen davon aus, dass die Zeit auf der Erde ausgerichtet ist auf die Erfüllung der Zeit in Gottes Herrlichkeit – in Ewigkeit“, so Monika Funk, Diözesan-Caritasdirektorin im Bistum Erfurt.
„Das Gebäude bietet Ruhe und Geborgenheit“, so die Caritasdirektorin weiter, „über offene Loggien wird der Außenkontakt möglich. Aus- und Durchblicke schaffen Weite und regen die Sinne an.“ Jedes der 13 Gästezimmer ist so gestaltet, dass auch ein Angehöriger für eine gewisse Zeit dort mit leben kann. Überhaupt gibt es keine Einschränkungen für Besuche.
Offen soll das Haus sein, sind sich Monika Funk und Bettina Hünermund, die Leiterin der Einrichtung, einig. Das Haus soll sich nicht nur den Gästen und deren Angehörigen und Freunden öffnen, sondern der Stadt und dem ganzen Eichsfeld. Das wäre ihr Wunsch. So verwundert es nicht, dass der „Raum der Stille“ viele Funktionen haben soll, ein Andachtsraum, einer der Stille oder eben auch ein Konzertsaal.
Im Hospiz wird selbst gekocht. Das heißt, „ein Küchenteam sorgt für die individuelle Zubereitung der Mahlzeiten. Das Miterleben von gewohnten hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie Backen und Kochen und die damit verbundenen Düfte und Geräusche geben den Gästen ein Gefühl der Geborgenheit und des gewohnten Alltags. Es stehen traditionelle Gerichte aber auch zeitgemäße Interpretationen auf dem Speiseplan (Bettina Hünermund).
"Dazu ist der Mensch geschaffen: Zu lieben und geliebt zu werden." (Hl. Mutter Teresa)
Als Namensgeberin des Hospiz‘ wurde ganz bewusst die 2016 heiliggesprochene Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa (1910 – 1997) gewählt, die in besonderer Weise für gelebte Nächstenliebe steht.
Aus dem Orden der Khristu Dasi Schwestern aus Indien, die bereits seit einigen Jahren im St. Johannisstift Ershausen tätig sind, ist eine Schwester im neuen Hospiz tätig.
Bereits am Tag nach der Einweihung, welcher am Nachmittag ein „Tag der offenen Tür“ war und viele interessierte Besucher verzeichnete, zog der erste Gast ins Hospiz ein.









Fotos: Martin Hoffmeier