Suhl (BiP). Der Erfurter Weihbischof Hans-Reinhard Koch eröffnet am Sonntag, 22. Mai um 18 Uhr eine ungewöhnliche Ausstellung: Gemeinsam mit dem städtischen Kulturamt präsentieren die katholische und die evangelische Kirche in Suhl 43 Originallithographien von Marc Chagall (1887-1985) aus dem Zyklus "Bilder zur Bibel". Die Ausstellung ist vom 22. Mai bis 5. Juni im Vestibül des "Hauses Philharmonie" zu sehen.
Dass die Bilder in Suhl ausgestellt werden - eine Idee des katholischen Pfarrers Joachim Kramer - ist für sich genommen nicht ungewöhnlich. Chagalls Lithographien, von denen er weit über tausend in seinem Leben geschaffen hat, faszinierten schon in den verschiedensten Ausstellungen. Doch in Suhl zeigt man Chagalls Bilder auch als "erlebte" Kunst.
"Im November letzten Jahres haben wir einen Ausstellungskatalog aufgetrennt und je eine Lithografie an Suhler Bürgerinnen und Bürger gegeben, die sie mit nach Hause nahmen", erklärt Pfarrer Kramer. Ü;ber Wochen lebten die Männer und Frauen mit "ihrem" Chagall. Anfang Januar erreichten die Veranstalter 41 Texte, in denen die Projektteilnehmer in Prosa und Lyrik festhielten, was Kopf und Herz bewegt hat.
"Der Bogen spannt sich von Reflexionen über selbst Erlebtes, Gesellschaftskritik, Auseinandersetzung mit der biblischen Handlung bis hin zur Bildbetrachtung", fasst Pfarrer Kramer zusammen. Im "Haus Philharmonie" hängen die Texte bei den "erlebten" Bildern. Neben zwei Lithographien hängt nur ein weißer Rahmen. "Dazu gibt es noch keine Texte", sagt Kramer und hofft auf die Kreativität der Besucher.
In einem Schreibbereich der Ausstellung können diese nämlich eigene Texte zu den Bildern schreiben und sie an einer Präsentationswand aufhängen. Kinder- und Jugendgruppen haben sogar die Möglichkeit zu eigenen Führungen und Malexperimenten unter Begleitung der weißrussischen Künstler Natascha Pevzova und Igor Kutscherenko. Die beiden malen und dozieren in Witebsk, der Geburtsstadt von Chagall.
Nur einen Tag nach der Vernissage mit dem Vortrag von Weihbischof Koch und einem Klezmerkonzert folgt am Montag, 23. Mai ein Vortragsabend mit der jüdischen Bibelwissenschaftlerin Frau Professor Ruth Lapide zum Thema ihres gleichlautenden Buches "Kennen Sie Adam den Schwächling? - Ungewöhnliche Einblicke in die Bibel". Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Kleinen Saal der "Philharmonie".
Für Donnerstag, 2. Juni ist um 19 Uhr ein Weißrussischer Abend geplant, bei dem es nicht nur landestypische Spezialitäten, sondern auch eine Begegnung mit den Künstlern Pevzova und Kutscherenko sowie Impressionen aus Chagalls Witebsk gibt.
Öffnungszeiten der Ausstellung:
22. Mai 2005, 18 Uhr, Ausstellungseröffnung
23. Mai bis 5. Juni 2005, 14.00 bis 18 Uhr, vormittags nur nach telefonischer Vereinbarung: Tel. 03681-742722
Weitere Informationen zur Ausstellung im Internet

