Erinnern und versöhnen

NS-Zwangsarbeiter Paul Beschet hat ein Buch über seine Leidenszeit in Thüringen verfasst

Erfurt/Heiligenstadt/Sondershausen (BiP). Wenn Paul Beschet sich weigern würde, Deutschland zu besuchen, könnte ihm dies niemand verübeln. Der Franzose wurde im Juli 1943 als NS-Zwangsarbeiter eingezogen und nach Sondershausen gebracht, wo er seinen Zwangsdienst leistete. Beschet kam gemeinsam mit elf jungen Leuten nach Thüringen - doch nur vier von ihnen überlebten und kehrten nach dem Krieg in ihre Heimat zurück.


Zu den Umgekommenen gehörte der nur 23-jährige Marcel Callo, der 1944 im KZ Mauthausen krank und entkräftet starb. Zuvor war er wie Paul Beschet und andere Gleichgesinnte ins Gothaer Gefängnis geworfen worden, weil die französischen Gefangenen, die aus der katholischen Jugendarbeit stammten, in den Fremdarbeiterlagern Sport, kulturelle Veranstaltungen und vor allem auch das religiöse Leben organisierten. Das war den Nazis ein Dorn im Auge.


Trotz der Leiden, Demütigungen und des Todes seiner Freunde verbitterte Paul Beschet, der Zwangsarbeit und Gefängnis überleben sollte, nicht. Bereits 1947 traf er sich mit deutschen Studenten, um die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich voranzubringen. Und er schrieb ein Buch: "Mission in Thüringen", eine Art Tagebuch, in dem er offen und sachlich, aber unter die Haut gehend seine Erlebnisse bis hin zum Todesmarsch als KZ-Häftling beschreibt.


60 Jahre nach Kriegsende und dem Tod Marcel Callos, der 1987 vom Papst selig gesprochen wurde und nach dem in Heiligenstadt die Jugend- und Erwachsenenbildungsstätte des Bistums Erfurt benannt ist, besucht Paul Beschet erneut Deutschland.


Am Mittwoch, 30. März wird er mit anderen Zeitzeugen in Heiligenstadt ein Schauspiel über Marcel Callo und seine Gefährten besuchen, das "Vollendet in kurzer Zeit" heißt und seine Aufführung um 20 Uhr in der Aula des Elisabeth-Gymnasiums findet. In Erfurt stellt Beschet die erstmalige Ü;bersetzung seines Buches ins Deutsche vor und und feiert am Donnerstag, 31. März um 10.30 Uhr einen Versöhnungs- und Dankgottesdienst im Ursulinenkloster. Am Tag darauf besucht Beschet den Ort seiner Zwangsarbeit, Sondershausen. Auch hier stehen Erinnerung, Dank und Versöhnung im Mittelpunkt eines Gottesdienstes um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Elisabeth.


Paul Beschet, Mission in Thüringen in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Tatsachenbericht. Aus dem Französischen von Hans Mittelmeyer (Herausgeber) und Rosemarie Pabel, 2005 (ISBN 3-929413-89-2).


Das Buch ist für 9,90 EUR beim Herausgeber zu beziehen:

Hans Mittelmeyer

Killingerstr. 120, 91056 Erlangen

eMail: ea1599@fen-net.de



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