Erfurter Pastoraltheologe Friemel mit Festschrift geehrt

Erfurt (pw) - "Ich dachte immer, unter Pfarrern gelte ich als passab-ler Professer und unter Professoren als guter Pfarrer." Von seiner Bescheidenheit läßt Professor Franz Georg Friemel auch angesichts der Ehrung zu seinem 70. Geburtstag nicht ab. In einer akademischen Feier wurde dem emeritierten Er-furter Pastoraltheologen von der Theologischen Fakultät eine Festschrift überreicht. Unter dem Titel "Zeiten des Ü;bergangs" enthält der Band 33 Beiträge von Freunden, Kollegen und Weggefährten.

Franz Georg Friemel wurde 1930 im schlesischen Waldenburg geboren. Nach der Vertreibung und Flucht machte er 1950 sein Abitur in Gronau/Westfalen und studierte anschließend in Münster, München, Erfurt und Neuzelle Theologie. 1955 wurde er zum Priester des heutigen Bistums Görlitz geweiht und arbeitete bis 1964 in der Seelsorge. Es folgte ein zwei-jähriges Aufbaustudium in Erfurt. Von 1966 bis 1971 war Friemel Subregens am Pastoralseminar in Neuzelle und von 1971 bis 1975 Pfarrer der Gemeinde St. Hedwig in Görlitz. In dieser Zeit erfolgte auch die Promotion zum Doktor der Theologie. Ab 1975 lehrte Friemel bis 1997 Pastoraltheologie am Philosophisch-Theologischen Studium und betreute zusätzlich die Pfarrgemeinde in Stotternheim. Seit einigen Jahren ist er auch in der Militärseelsorge tätig.

In seiner Laudatio würdigte Profes-sor Wolfgang Nastainczyk aus Regensburg besonders Friemels schriftstellerisches Werk. Schon die Doktorarbeit über Johann Mi-chael Sailer sei ein "Meisterwerk". Auch die übrigen Publikationen - von wissenschaftlichen Büchern bis zu anregenden Kurztexten - sowie die von ihm herausgegebenen Schriften erwiesen Friemel "als wachen Zeitgenossen, Seelsorger und praktischen Theologen, der zu bieten sucht, was gesucht wird oder geboten ist".

Dabei hatte Friemel 1974 in einem Brief an Nastainczyk Zweifel geäußert, ob er zum Dozenten geeignet sei. Nastainczyk antwortete damals, er jedenfalls wisse "in der DDR niemand anderen, dem ich zutrauen würde, die so verantwortliche Position des praktischen Theologen wahrzunehmen" als ihn. In den folgenden Jahren, so Na-stainczyk, erwies sich Friemel dann tatsächlich als "der richtige Mann in dieser schwierigen Position". Als aufrechter Christ habe er andere zum Leben, Lehren und Lernen des Christseins inspiriert und als Professor und Priester das Bestmögliche getan.

Friemels ehemalige Studenten sehen das ähnlich und schenkten dem Professor ein Malvenbäumchen: für "Vorlesungen mit eigenem Charme" und seine freundliche, unbeschwerte und bei Prüfungen Angst mindernde Art, wie Studentensprecher Timo Gothe in seiner Ansprache hervorhob.



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